Ballettfilm "La Danse"

Schöne weiße Welt: Monumental und arrogant

Foto: Kool Film/Zipporah Film / Kool Film

Nur die atemberaubenden Bilder überzeugen in dem Ballettfilm "La Danse". Elitäres Konzept nur für Eingeweihte interessant.

Ja, Paris sieht man auch ab und zu in diesem Film. Dann schwenkt die Kamera für Sekunden über die Dächer der Stadt, und man denkt an die Tänzer, um die es gleich geht - so werden sie die Stadt kennen, in kurzen Ausschnitten, auf dem Weg zur Arbeit oder nach Hause. Aber es geht auch nicht um Paris in diesem Film. Sondern um die Opéra Garnier, den Sehnsuchtsort jedes Tänzers, das wohl sagenhafteste Gebäude dieser Stadt, hier, in den Katakomben, hat Gaston Leroux das "Phantom der Oper" hausen lassen. (Durch die Katakomben streift die Kamera auch kurz.)

Dann kehrt sie wieder zurück zu den Tänzern, die proben und trainieren, trainieren und proben; es ist ein monumentaler Film, den der amerikanische Regisseur Frederick Wiseman da geschaffen hat: "La Danse - das Ballett der Pariser Oper" ist ein fast dreistündiger Blick hinter die Kulissen der wohl erfolgreichsten Ballettcompagnie der Welt. Zwölf Wochen hat sich Wiseman im Herbst 2007 mit dem Kameramann John Davey in der Opéra verschanzt, die Bilder, die dabei entstanden sind, hat es so noch nicht gegeben. Brigitte Lefèvre, die strenge Directrice, wie sie mit dem Corps de Ballet über Altersvorsorge von Tänzern spricht. Die erste Solistin Laetitia Pujol, wie sie wieder und wieder ins Plié geht, um den perfekten Moment vor der Drehung zu finden. Und was wäre das für eine Chance gewesen - endlich einmal eine Ballett-Doku fürs große Publikum zu machen.

Aber leider ist dieses Projekt so elitär und damit arrogant konzipiert, dass es einem sehr kleinen Kreis eingeweihter Ballettfans vorbehalten bleibt. Wäre es so schlimm gewesen, die atemberaubenden Szenen mit kurze Einblendungen für den Laien einzuordnen? Welches Stück wird da gerade geprobt und von wem? Wer sind die Trainer, wer schrieb die Musik? Stattdessen wird die schöne weiße Welt der Opéra gezeigt, in der es auch ein paar Schwarze gibt, gewiss. Die teilen in der Kantine das Essen aus und sammeln nach der Vorstellung den Müll. Hätte man ja durchaus mal streifen können, das Thema.

+++-- La Danse F/USA 2009, 158 Min. o.A., R: Frederick Wiseman, täglich im Passage