Action

Stress über die volle Distanz

| Lesedauer: 2 Minuten
Michael Ranze

"Zwölf Runden" von Regisseur Renny Harlin ist mit vielen Knalleffekten und alles in allem solide inszeniert - mehr nicht.

Zwölf Runden - da denkt man gleich an einen Boxkampf im Schwergewicht über die volle Distanz. Ausgang ungewiss. Doch im neuen Film von Renny Harlin, dessen beste Zeiten als Action-Regisseur schon länger zurückliegen ("Stirb langsam 2"), geht es nicht um sportlichen Faustkampf mit nacktem Oberkörper, sondern um ein unfaires Kräftemessen, bei dem einer der Kontrahenten allein die Spielregeln bestimmt und somit dem anderen immer einen Schritt voraus ist.

Im Mittelpunkt des Duells: Police Detective Danny Fisher, dargestellt von Wrestling-Star John Cena, und Superverbrecher Miles Jackson (Aidan Gillen), der mit dem FBI Katz und Maus spielt. Als der eine den anderen, so schildert es ausführlich der Prolog, endlich und eher zufällig verhaften kann, kommt es zum tragischen Unglück. Jacksons Freundin wird von einem Laster überrollt. Kein schöner Anblick, und Jackson wird ihn nicht vergessen. Nach einem Trauerjahr im Gefängnis bricht er aus und läutet die erste Runde in dieser Racheschnitzeljagd ein. Es beginnt mit einem ordentlichen Bumms: Fishers Haus fliegt in die Luft. Glücklicherweise war niemand daheim - also auf zur nächsten Runde. Ungeduldigen Lesern sei verraten, dass im Folgenden noch Straßenbahn, Aufzug und Hubschrauber ihre eigentliche Bestimmung, nämlich zwischendurch mal zu halten oder weich zu landen, verweigern. Fisher, von seinem Widersacher immer aktuell telefonisch unterrichtet, hetzt von einer Katastrophe zur nächsten. Bis es irgendwann 11:0 steht.

"Speed" trifft "Stirb langsam" oder ein Cop im Dauerstress: Einmal auf Touren gekommen, gibt "Zwölf Runden" keine Ruhe mehr. Unruhige Kamera und laute Tonspur: Mechanisch und leblos spult Renny Harlin sein Action-Feuerwerk ab, dessen Prämisse nicht gerade der Alltagserfahrung gemeiner Kinogänger entspricht. Doch Realismus und Glaubwürdigkeit waren auch nicht angestrebt. Die Löcher im Drehbuch, besonders die behauptete Überlegenheit von Mastermind Jackson, wollen großzügig übersehen sein. Sonst bricht das Ganze wie ein Kartenhaus zusammen.

Was hier zählt, ist die Action. Und die ist, besonders bei der unkontrollierten Straßenbahnfahrt durch New Orleans, ordentlich inszeniert.

+++-- Zwölf Runden USA 2008, 108 Min., ab 16 J., R: Renny Harlin, D: John Cena, Aiden Gillen, Ashley Scott, Brian J. White, täglich im UCI Othmarschen-Park; Internet: www.12rounds-derfilm.de

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