Annäherung ans Unglück

In 11’09’’01 reagieren elf Regisseure aus elf Ländern auf die Anschläge in Washington und New York - ein sehenswertes Stück Globalisierung

Wie soll man umgehen mit dem Unfassbaren? Nach den Terroranschlägen in den USA konnte man spüren, wie Menschen nach Worten rangen. Schriftsteller wurden bemüht. Regisseure brauchen etwas länger, für diesen Film mussten sie sich kurz fassen. "11’09’’01" - die Zahlen stehen für das Datum der Anschläge und für das Konzept eines ungewöhnlichen Projekts.

Elf Regisseure aus elf Ländern hatte der Produzent Alain Brigand eingeladen. Jeder sollte einen Film schaffen, der sich um die Attentate dreht und elf Minuten, neun Sekunden und ein Bild lang ist. "11’09’’01" besteht also aus elf Kurzfilmen. Einer der packendsten Beiträge stammt vom Mexikaner Alejandro Gonzalez Iñarritu ("Amores Perros"). Er lässt die Leinwand über weite Strecken dunkel. Man hört das leise Beten von Chamula-Indios. Dann sieht man einen Menschen aus dem World Trade Center zu Tode stürzen. Es wird wieder dunkel. Man hört das letzte Telefongespräch einer Frau aus dem WTC mit ihrem Mann.

Immer wieder werden fallende Menschen eingeblendet, ist der Originalton von Reportagen über die kollabierenden Hochhäuser zu hören. Man erkennt sie sofort und ruft sich die schon so oft gesehenen Bilder vor das innere Auge. Damit reflektiert Iña rritu sowohl die Ereignisse als auch den medialen Overkill der Berichterstattung. Und er erinnert geschickt an die Kraft der eigenen Vorstellung, die manchmal tiefer geht als noch so scharfe Bilder.

Bei allen Unterschieden im Umgang mit dem Thema - und die sind sehr groß - bleibt die Erkenntnis: Die Ereignisse, die gerade den Amerikanern als einzigartig erscheinen, sind gar nicht so einzigartig, wenn man die Perspektive global erweitert: Mord, Krankheit, Tod und Ungerechtigkeiten lassen sich nicht nur an diesem Datum festmachen. Sie geschahen und geschehen täglich. Die Verarbeitung solcher Ereignisse gehören zu den schwersten Herausforderungen.

Insofern kann Ground Zero überall sein. Auch daran erinnert dieser Film.

11’09’’01 - September 11 Frankreich 2002, 130 Min., ab 16 J., R: Samira Makhmalbaf, Claude Lelouch, Youssef Chahine, Danis Tanovic, Idrissa Ouedraogo, Ken Loach, Alejandro Gonzalez Iñarritu, Amos Gitaï, Mira Nair, Sean Penn, Shohei Imamura; täglich im Abaton