Wer lüftet das Familiengeheimnis?

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MICHAEL RANZE

KRIMIDRAMA „Hope“ von Stanislaw Mucha ist der sehenswerte Beginn einer rätselhaften Trilogie über Liebe, Glaube und Hoffnung

Es beginnt fast wie ein Krimi. Francis (Rafal Fudalej), ein 20-jähriger Spund mit roten Locken, beobachtet in der Kirche einen Kunstraub - ausgerechnet in jener Kirche, in der sein Vater (Zbigniew Zapasiewicz) als Organist arbeitet. Anstatt Alarm zu schlagen, nimmt Francis alles heimlich mit einer Videokamera auf, die er von seiner Freundin Klara (Kamilla Baar) geliehen hat. Und so sehen wir, was Francis sieht: wie der bekannte Kunsthändler Benedict Weber (Wojciech Pszoniak) ein wertvolles italienisches Altarbild wegtragen lässt. Doch zu Webers großer Überraschung will der Junge kein Geld. Er verlangt, dass das übergroße Bild an seinen angestammten Platz zurückgebracht wird. Und dass sein altes Auto, das die Handlanger des Kunsthändlers zur Warnung in die Luft gejagt haben, ersetzt wird. In der Zwischenzeit ermittelt Inspektor Sopel (Zbigniew Zamachowski) in dem mysteriösen Fall. Doch irgendwie kommt er, genau wie der Zuschauer, nicht so recht weiter. Welche Rolle spielt Francis? Was bezweckt er? Und was hat all das mit einem alten Familiengeheimnis zu tun? Stanislaw Mucha machte bislang mit ungewöhnlichen Dokumentarfilmen wie "Absolut Warhola" und "Die Mitte" von sich reden. Nun verfilmte er ein Drehbuch von Krzysztof Piesiewicz, der für Krzysztof Kieslowski ("Dekalog") gearbeitet hat. Auch "Hope" ist als Trilogie angelegt obwohl die Finanzierung der anderen Teile, "Glaube" und "Liebe", noch nicht gesichert ist. Ein Film mit deutlich religiösen Untertönen. So lässt sich Francis als Engel interpretieren, der jenem auf dem gestohlenen Bild ähnelt und auf die Erde niederfällt: Francis ist Fallschirmspringer. Nun will er einen Dieb zum Guten bekehren. Sein Bruder hingegen sitzt wegen Mordes im Gefängnis und hat alle Hoffnung verloren, während Klara hoffnungslos in Francis verliebt ist. Mucha verarbeitet solche Bedeutungen und Symbole mit spielerischer Ironie. Trotz aller Rätselhaftigkeit hat sein Film nichts Überladenes. Mucha belässt seinen Figuren ihr Geheimnis. Das macht sie so faszinierend.


>> Hope Polen/Dtl. 2007, 101Min., ab 12 J., R: Stanislaw Mucha, D: Rafal Fudalei, Zbigniew Zapasiewicz, täglich im Studio-Kino;

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