Entschleunigung im hohen Norden

Dokumentation: „Self-made Paradise“

Gibt es das Paradies auf Erden, fragt sich Regisseur Christoph Schuch am Anfang seines dokumentarischen Roadmovies "Self-made Paradise" und findet die Antwort in Finnland.Gemeinsam mit dem Tonmann Peter Carstens macht er sich auf, zwischen Lahti und Lappland Männer zu besuchen, die sich ihr ganz eigenes Paradies geschaffen haben. Zum Beispiel den inzwischen berenteten Fabrikarbeiter Vejo, der in der Wildnis inmitten eines Skulpturenparks lebt. Kontakt mit anderen Künstlern sucht er nicht; wenn er sich seinen Figuren, die Yoga-Positionen einnehmen, widmen kann, ist er glücklich. Besonders beeindruckend ist die Begegnung des Filmteams mit dem Schamanen Johannes, der sich in die Einöde zurückgezogen hat, um seine geheimnisvolle Ritualen zu vollziehen und sich intensiv mit dem finnischen Nationalepos Kalevala auseinanderzusetzen. "Feuerwacht des Nordens" ist der Name, den er von einer Versammlung der finnischen Urvölker bekommen hat, und tatsächlich scheint dieser bärtige Mann wie ein mythischer Seher, der über die Unversehrtheit der ihn umgebenden Natur wacht. Ein Biker in Lederkutte, der Bäuerinnen in den Sümpfen Lapplands fotografiert, gehört ebenso zu den Protagonisten dieses Films wie ein Bauer, der seltsame Vogelscheuchen und bizarre Wurzelskulpturen aufstellt, oder ein ehemaliger Arbeiter, der ganz in der Vergangenheit lebt und sich mit den Helden seiner Jugend umgibt. Insgesamt ein sehenswertes Kaleidoskop, das ahnen lässt, welches Glück in der Entschleunigung des Alltags liegen kann. Einziger Wermutstropfen: die sichtbar gestellten Übergänge, in denen das kleine Filmteam von einem Ort zum anderen reist. hot

>>Self-made Paradise D 2007, 84 Minuten, o. A., R: Christoph Schuch, Do + So im Zeise, Mi im Koralle (jeweils OmU);

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