Nachschlag von der deftigen Balkanplatte

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CHRISTIAN MELÜH

Hamburg LIVE bringt Schwarze Katze, weißer Kater von Emir Kusturica zurück in drei Kinos

Ich hatte das Bedürfnis, einen Film zu machen, der therapeutisch wirken und nicht etwas beschwören sollte, was verloren gegangen ist", sagt Emir Kusturica zur Entstehungsgeschichte seines Films Schwarze Katze, weißer Kater". "Auf keinen Fall wollte ich die Hoffnungen der Menschen auf ein billiges und stupides Niveau reduzieren, wie es der Hollywoodfilm oft tut. Mich hat die Schönheit alternativer und parallel existierender Welten interessiert. Die Zigeuner in meinem Film überleben wie Insekten, nach dem Prinzip der Selektion auf Grund von Farb- und Formschönheit der Flügel." "Schwarze Katze, weißer Kater" spielt irgendwo Balkanesien, da, wo die Donau ein langer, ruhiger Fluss ist. Hier lebt Matko, der sich als Schwarzhändler über Wasser hält. Da ihm für ein großes Ding das Startkapital fehlt, muss sich Geld leihen und den Ganoven Dadan mit seiner Bande anheuern. Natürlich läuft alles schief: Dadan reißt sich nicht nur die Beute unter den Nagel, er fordert vom nichts ahnenden Matko auch noch Schadenersatz für den geplatzten Coup. Zare, Matkos Sohn, soll Dadans kleinwüchsige Tochter ehelichen. Natürlich können sich die jungen Leute nicht ausstehen. Da trifft es sich gut, dass nach der Tradition keine Hochzeit gefeiert werden darf, solange man einen Trauerfall in der Familie hat . . . Mag sein, dass dies nicht gerade das subtilste Werk des bekennenden Kinoromantikers Kusturica ist; er gestattete sich 1998 eine schwungvolle Slapstick- Burleske, die ungehemmt zwischen Bilderflut, Nonsens und Scharlatanerie alterniert. Ob zwirbelbärtige Riesen oder frisierte Rennrollstühle, ob angesägte Donnerbalken oder Auto fressende Schweine - es wird eine deftige cineastische Balkanplatte serviert, die alle Gegensätze der Region in sich zu vereinen sucht: Schwarz und Weiß; Armut und Reichtum; die Halbwelt osteuropäischer Gangsterbanden und der American way of Life mit Stretch-Limou und viel, viel Koks; schließlich das Zigeunerleben, das nicht immer lustig ist, und die "Wohltaten" der westlichen Zivilisation. "Es geht um einen fast naiven Blick auf die Welt wie zwischen einer schwarzen Katze und einem weißen Kater", so Kusturica. "Bestimmt wirkt die emotionale Dimension des Films manchmal kitschig. Ich wollte aber, dass dieser Kitsch die Lebenslust der Welt an der Peripherie spürbar macht." Kusturicas kraftstrotzende Hommage an die Sinti-Kultur, die gelegentlich den Charme eines Bauernschwanks versprüht, läuft jetzt wieder in drei Kinos. Schwarze Katze, weißer Kater JUG/F/D 1998, 130 Min., ab 6 J., R: Emir Kusturica, D: Bajram Severdzan, Srdjan Todorovic, Branka Katic; Abaton: 13. 2., 22.30, 14. 2., 17.00; 3001: 15./16. 2., jeweils 18.00, Zeise: 18. 2., 17.00, 19. 2., 22.30 (alles OmU)

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