Feinsinniger Berserker mit politischem Witz

SPOKEN WORD Henry Rollins kommt mit Texten am 20.1. ins Schauspielhaus

Er ist ein großflächig tätowiertes Muskelpaket, er wird zum Berserker, wenn er ein Mikro in der Hand hält, er schreit und wälzt sich auf der Bühne, so als wäre der Teufel in ihn gefahren. Dabei ist Henry Rollins, wenn er nicht das Bühnentier geben muss, ein stiller und feingeistiger Mann. Alkohol und andere Stimulanzien lehnt er ab, das Schreiben ist seine Droge. Der Künstler aus Washington D.C. schreibt Songs, Gedichte und Prosatexte, in denen er sich als ein genauer Beobachter des Zeitgeistes, des alltäglichen und des politischen Lebens erweist. Rollins hat Humor, und er kann seine Textkaskaden herunterrattern wie ein Hip-Hop-MC. "Spoken word performances" nennt er diese mehr literarischen als musikalischen Shows, die von allerhöchstem Unterhaltungswert sind. Umso erstaunlicher ist es, dass Rollins mit seinem kritischen Sarkasmus zur Truppenbelustigung in den Irak geflogen wurde. Die USSoldaten hätten sicher mehr Spaß mit einer Horde Bunnys oder einem weiblichen Popstar gehabt, doch Rollins verfügt über außerordentliche Entertainerqualitäten. Erstaunlich an seinem Engagement für die United Service Organizations ist seine nicht überraschende Gegnerschaft zum USPräsidenten. "I hate George Bush", wird er nicht müde zu betonen. Immer wieder stellt er Bush als den größten Trottel hin, den Amerika an entscheidender Stelle hervorgebracht hat. Aber mit Bush-Witzen hat man die Lacher schnell auf seiner Seite. Zum Glück hat Rollins in seiner Performance mehr drauf, als nur mit dem großen Knüppel auf Bush einzudreschen. Der Berserker kommt jedoch auch immer wieder durch. oeh >> Henry Rollins spoken word So 20.1., 20.30, Deutsches Schauspielhaus (U/S Hauptbahnhof), Kirchenallee 43, Karten ab 22,50

( oeh )