Jugendprotest

"These Teens will save the Future" im Theater

"These Teens will save the Future" in den Münchner Kammerspielen.

"These Teens will save the Future" in den Münchner Kammerspielen.

Foto: dpa

Auch wenn manche es so sehen - aber die Jugendproteste von Fridays for Future sind mehr als eine Modeerscheinung, die vergeht. Hunderttausende junge Leute in aller Welt demonstrieren für den Klimaschutz. Die Münchner Kammerspiele bieten dem Protest eine Bühne.

München. Seit einem Jahr treten Jugendliche in aller Welt freitags in den Schulstreik. Ihr Anliegen: der Klimaschutz. Ihr Vorbild: die 16-jährige Klimaaktivistin Greta Thunberg aus Schweden.

Aus den Fridays for Future-Demonstrationen ist eine globale Bewegung geworden. Hunderttausende Menschen in aller Welt gingen kürzlich auf die Straße und forderten Maßnahmen gegen den Klimawandel. Auch im Theater ist das Thema präsent, etwa im Jungen Theater Göttingen, im Mecklenburgischen Staatstheater oder im Saarländischen Staatstheater.

Nun bringen die Münchner Kammerspiele unter dem Intendanten Matthias Lilienthal die Klimaproteste auf die Bühne. "These Teens will save the Future" (Diese Jugendlichen werden die Zukunft retten) heißt das Stück mit Schülern und Studenten, das am Freitag im Haus der Kunst in München Premiere feiern sollte.

"Fridays for Future ist die wichtigste Protestbewegung in Deutschland der letzten 50 Jahre, und wir sind froh, ihr eine Bühne geben zu können", sagt Intendant Lilienthal, der häufiger aktuelle Debatten thematisiert. Zwischen elf und zwanzig Jahre alt sind die Menschen, die die Regisseurin Verena Regensburger bei den Freitagsdemos angeworben hat. Das Klischee einer ichbezogenen Jugend ohne Interesse an Politik fand sie nicht bestätigt. Monatelang hat sie mit den engagierten Jugendlichen das Stück erarbeitet. Sie haben recherchiert, Gäste eingeladen, Filme gesehen, gelesen und viel diskutiert.

Thyra kam über eine Demo in München ans Theater. "Ich bin hingegangen, weil es für mich schon lange ein krasses Thema ist", sagt die 20-Jährige. Sie war bei Fridays for Future von dem Gefühl der Gemeinschaft überwältigt. "Es ist fast wie eine riesige Schulklasse, wenn die Leute sich komplett verstehen und für die gleichen Ziele auf die Straße gehen."

Seitdem hat sie einiges verändert, auch dank der Impulse durch das Theater. "Früher hat man noch mehr über Mode geredet und jetzt redet man übers Klima", erklärt die Studentin. "Ich mache jetzt mein Putzmittel selbst. Man braucht fünf Zutaten." Sie tauscht lieber Kleidung, statt neue zu kaufen, und Obst und Gemüse holt sie auf dem Markt. "Sie packen es direkt in die Tasche." So wie früher, vor dem Plastikwahn. "Wir sollten das lernen, was unsere Großeltern gemacht haben, das war nachhaltig", meint die 20-Jährige.

Auch Ira kam nicht zuletzt durch das Theaterstück ins Nachdenken. Die 17-Jährige ist überzeugt, dass Fridays for Future viel bewegt in den Köpfen. "Natürlich wird es immer welche geben, die zwar hingehen, aber danach noch zu Starbucks gehen und sich einen Kaffee kaufen oder mit der Primark-Tüte in der einen und einem Schild in der anderen demonstrieren." Aber das Interesse sei geweckt. Auch bei ihr sei eine "neue Aufmerksamkeit" entstanden, und sie gehe offener durchs Leben.

Was Jugendliche wie Thyra und Ira antreibt, was sie ärgert, was sie hoffen, das ist nach der Premiere am Freitag im Theater zu sehen. Es geht um Klimaschutz, aber auch um Themen wie Gleichberechtigung der Geschlechter, Diskriminierung, Rassismus oder Homophobie. "Man hat noch mal eine andere Chance, sich Gehör zu verschaffen auf der Bühne", glaubt Regensburger, auch wenn nur 25 Teenager mitmachen. "Aber man spürt den Zusammenhalt, die Kraft."

Und anders als in der Masse der Demonstranten bekommen die Jugendlichen im Theater ein Gesicht. "Da werden die Einzelnen sichtbar mit ihren Hoffnungen, ihren Ängsten, ihrer Wut, ihren Forderungen." Auch die Zuschauer werden einbezogen. Die Schauspieler sprechen sie direkt an, provozieren auch - allerdings ohne erhobenen Zeigefinger. "Man begibt sich in eine Komplizenschaft", erklärt die Regisseurin. "Ich bin auch nicht perfekt".