Brecht-Stück

Saufen mit Zebra: Berliner Ensemble zeigt "Baal"

Stefanie Reinsperger (vorne) schlüpft in die männliche Hauptrolle des Dichters "Baal", der besoffen durch Kneipen zieht, Frauen verführt und andere ins Unglück stürzt.

Stefanie Reinsperger (vorne) schlüpft in die männliche Hauptrolle des Dichters "Baal", der besoffen durch Kneipen zieht, Frauen verführt und andere ins Unglück stürzt.

Foto: dpa

Bertolt Brechts Theaterstück "Baal" wurde auf der Bühne schon mehrmals inszeniert. Am Berliner Ensemble ist nun eine neue Version gestartet. Die eigentliche männliche Hauptrolle spielt eine Frau.

Berlin. Ein Dichter zieht besoffen durch Kneipen, verführt Frauen und stürzt andere ins Unglück. Davon erzählt Bertolt Brecht (1898-1956) in seinem Theaterstück "Baal". Am Berliner Ensemble spielt nun die Österreicherin Stefanie Reinsperger die eigentlich männliche Hauptrolle.

Regisseur Ersan Mondtag (31) inszeniert die Geschichte wie einen Fantasyfilm von Tim Burton ("Charlie und die Schokoladenfabrik"). Mit puppenartigen Kostümen, dicker Schminke, einem (nachgebauten) Zebra und schiefen Häusern, die aussehen wie in einem expressionistischen Gemälde.

Reinsperger (31) spielt den Baal bei der Premiere wie einen Schizophrenen, der nicht nur wütet, sondern auch selbst leidet. Baal sei asozial, "aber in einer asozialen Gesellschaft", hat Brecht nach Angaben des Berliner Ensembles mal gesagt.

Mondtag vermischt vier verschiedene Textfassungen, verdreht Geschlechterrollen und zeigt eine Art übergroße Barbie-Puppe mit Penis. Wenn es in einer Szene darum geht, Frauen "zwischen die Knie" zu greifen, kann man an US-Präsident Donald Trump und die MeToo-Debatte denken. Selbstironie übers Theater gibt es auch.

Auf der Bühne passiert in den drei Stunden jedenfalls so viel, dass der reine Text fast untergeht. Im Hintergrund läuft Musik, irgendwer singt oder tanzt. Und Kunstschnee fällt auch noch. Das gibt interessante Bilder, die Brechts Zeilen aber fast erschlagen.

"Baal" hat einem anderen Regisseur, dem Theatermacher Frank Castorf (68), übrigens schon mal Ärger eingehandelt. Wegen des Hinzufügens von Fremdtexten war der Suhrkamp Verlag als Vertreter von Brechts Erben gegen weitere Aufführungen in München vorgegangen.