Theater

Die "Kriegerin" am Berliner Grips

Alessa Kordeck spielt die Nazibraut Marisa.

Alessa Kordeck spielt die Nazibraut Marisa.

Foto: dpa

Vom Kino ins Theater: Der preisgekrönte Film "Kriegerin" wird am Berliner Grips Theater zum Stoff für ein brisantes Stück über Neonazis, Mitläufer und das Leid der Flüchtlinge.

Berlin. Mit seinem Film "Kriegerin" hat Regisseur David Wnendt ("Er ist wieder da") vor vier Jahren Furore gemacht. Jetzt kommt die aufrüttelnde, preisgekrönte Geschichte über die 18-jährige rechtsextreme Marisa auf die Theaterbühne.

Für das Berliner Grips Theater schrieb Dramatikerin Tina Müller eine Bühnenfassung, die vor dem Hintergrund der Übergriffe auf Flüchtlingsunterkünfte und dem Fremdenhass der Pegida-Anhänger aktueller denn je ist. Uraufführung von "Kriegerin" ist an diesem Mittwoch (11. November).

Das Stück für Zuschauer ab 14 Jahren spielt irgendwo in Deutschland. Die Jugendlichen Jana, Olek und Meret vertreiben sich die Zeit mit Parkour, dem möglichst effizienten Überwinden von Hindernissen. Der Gruppe brutaler junger Neonazis um ihre Anführerin Marisa gehen sie am liebsten aus dem Weg. Doch als in einer leerstehenden Schule im Ort Flüchtlinge unterkommen, eskaliert die Situation nach und nach.

Marisa lernt gegen ihren Willen den jungen Geflüchteten Rasul näher kennen - ihr dumpfes, eindimensionales Weltbild wird erschüttert. Und in ihrer Nazi-Kameradschaft ist Marisa plötzlich nicht mehr die Nummer Eins, als die 14-jährige Svenja zu der Gruppe stößt.

Das Besondere an dem von Robert Neumann ("Die besseren Wälder") inszenierten Stück ist die Rollenverteilung. So spielt Titeldarstellerin Alessa Kordeck nicht nur die Nazibraut Marisa, sondern auch die Geflüchtete Niku. Auch alle anderen Schauspieler agieren auf der Bühne in mehreren Rollen: sie sind Täter und Opfer, unbeteiligte Beobachter, Mitläufer und Menschen, die Widerstand leisten.

Silke Pielsticker hat für die Inszenierung ein Bühnenbild entworfen, das mit Baugerüsten, Planen und verschiebbaren Sperrholzteilen wie ein provisorisches, unbehaustes Leben wirkt. Die Kostüme von Jan A. Schroeder unterstreichen dies noch: Kleider und auch Requisiten wie Computer und Fitnessgeräte sind aus Alufolie, Plastiktüten und Papier.

Bei der Hauptprobe am Montag, bei der Jugendliche von Schulen aus ganz Berlin im Publikum saßen, gab es nach der zweistündigen Aufführung viel Applaus. "Kriegerin" gibt keine einfachen Antworten, bietet keine wohlfeilen Lösungen an. Der Zuschauer ist aufgefordert, selbst zu denken und zu handeln.