“Aspirin un Elefanten“

Frust und Selbstmitleid auf der Ostsee-Kreuzfahrt

„Aspirin un Elefanten“ am Ohnsorg Theater: Auf dem Schiff kann niemand vor seinen Problemen davonlaufen

„Aspirin un Elefanten“ am Ohnsorg Theater: Auf dem Schiff kann niemand vor seinen Problemen davonlaufen

Foto: Maike Kollenrott

Am Sonntag feierte die Komödie „Aspirin un Elefanten“ eine gelungene Erstaufführung im Ohnsorg Theater - und begeisterte das Publikum.

Hamburg. Vor drei Jahren war Christian Seeler mit seiner Frau in Los Angeles zu Gast bei Jerry Mayer, einem erfolgreichen amerikanischen Drehbuch- und Theaterautor. Man unterhielt sich – natürlich – über das Theater. Mayer legte dem Ohnsorg-Intendanten eine Komödie ans Herz, die er schon vor vielen Jahren geschrieben hatte und die sehr erfolgreich in den USA, aber auch in Deutschland aufgeführt worden war.

„Ich dachte, wenn ein Stück von seinem Autor so hoch gelobt wird, kann es nichts taugen“, verriet Seeler. Doch nachdem er das Stück gelesen hatte, war er von dessen Qualität überzeugt und beauftragte Manfred Hinrichs mit der Übersetzung ins Plattdeutsche. Am Sonntag feierte „Aspirin un Elefanten“ eine begeistert aufgenommene plattdeutsche Erstaufführung im Theater am Heidi-Kabel-Platz – in Anwesenheit von Jerry Mayer und seiner Frau Emily, die aus Hollywood nach Hamburg gekommen waren.

„Aspirin und Elefanten“ ist die Geschichte einer Ostsee-Kreuzfahrt, zu der Steffen Frank nach überstandenem Herzinfarkt seine Frau Hanni und seine Töchter Stefanie und Elli mit Ehemännern eingeladen hat. Gefangen an Bord der MS „Royal Norway“ kann niemand vor den Problemen weglaufen, die schon lange unter der Decke schwelen: Steffen suhlt sich nach seinem Infarkt in Selbstmitleid und möchte seine Bekleidungsfirma verkaufen; Sven, erfolgreicher Geschäftsmann, behandelt Stefanie wie ein dummes Modepüppchen, und Ellis Mann Arnold verdient als Drehbuchautor für Kindersendungen nicht genug, um seine Familie durchzubringen. Schrullen hat jede der sechs Figuren und Frust schiebt auch jede auf ihre Weise.

Diesen Beziehungsstress hat Harald Weiler mit Sinn für das richtige Timing in Szene gesetzt. Der erfahrene Regisseur inszeniert zum ersten Mal am Ohnsorg und erreicht mit seiner Arbeit das durchweg hohe Niveau, das an diesem Haus Standard ist. Geschickt hat er mit Katrin Reimers die Bühne gestaltet. Im Hintergrund liegt die geräumige Luxussuite von Steffen und Hanni mit Blick auf das strahlend blaue Meer, im vorderen Teil sind die zwei engeren Kabinen der Schwestern nebeneinander gebaut. Es muss während der zweieinviertel Stunden nicht umgebaut werden, was dem Tempo der Inszenierung gut bekommt. Erneut wurde das beeindruckende Bühnenbild vom Publikum beklatscht, bevor überhaupt ein Satz gesprochen wurde.

Ein Wodka nach dem anderen

Mayers Komödie, 1989 in Santa Monica uraufgeführt, beruht auf autobiografischen Erfahrungen des Erfolgsautors. „Das Stück handelt von den Eltern meiner Frau, ihrer Schwester und ihrem Schwager. Diese Reise hat so ähnlich stattgefunden. Die Beziehungen aller Beteiligten standen damals unter großem Druck und alle dachten, eine Kreuzfahrt sei eine heilsame Angelegenheit. Daraus ist dann das Stück entstanden“, erzählt Jerry Mayer bei der Premierenfeier im Ohnsorg. Er sei nach der Uraufführung etwas besorgt über die Reaktionen seiner Familie gewesen, aber alle hätten das Gezeigte gut aufgenommen. „Selbst mein Schwager fand es gut. Aber er ist so ein Egomane, dass er die Kritik an seiner Person gar nicht verstanden hat“, sagt Mayer und lacht. „Inzwischen sind meine Schwägerin und er geschieden.“

In Hamburg spielt Till Huster diesen selbstgefälligen Ehemann, der sich einen Wodka nach dem anderen genehmigt und seine Frau als „Wodkapolizei“ beschimpft. Arnold (Oskar Ketelhut) ist dagegen etwas ungeschickt, aber liebenswert. Er versteht sich zwar als Verlierer, weiß sich aber mit Worten gut zu verteidigen. Die Töchter könnten ebenfalls kaum gegensätzlicher sein: Birthe Gerken spielt die Stefanie als modisch-eleganten Kleiderständer, im Laufe der Reise emanzipiert sie sich mehr und mehr; Birte Kretschmer, in Turnschuhen und einem hippiemäßigen Blumenkleid über den Leggins, verkörpert die Elli als plietsche junge Frau mit Eheproblemen. Das verbindet sie mit Mutter Hanni (Beate Kiupel), die der familiäre Ruhepol ist. Sie kümmert sich rührend um ihren Steffen, den Jürgen Uter anfangs als Griesgram spielt. Nach einem Vater-Tochter-Gespräch mit Stefanie aber ist er wie verwandelt.

Am Ende gibt es langen und verdienten Beifall für Schauspieler und Regie. Auch Jerry Mayer ist höchst angetan von der Inszenierung und vom Ohnsorg Theater: „Solch schöne Theater gibt es nicht mal in New York. Und das deutsche Publikum ist so enthusiastisch“, spart er nicht mit Komplimenten.

Mayer ist nicht nur wegen der Premiere nach Europa gekommen: Von Hamburg fliegt er mit Gattin Emily nach Rom und danach geht es auf eine Kreuzfahrt nach Venedig ...

Weitere Aufführungen bis zum 23. Mai