Literatur

Der Philosoph Rüdiger Safranski über die Zeit

Foto: Patrick Seeger

Berlin. Rüdiger Safranski hat sich für sein neues Werk mal wieder ein großes Thema ausgesucht: Die "Zeit" ist Titel und Thema des Buches und erfährt darin eine eingängige philosophische Betrachtung.

Wer das Buch vor dem ersten Lesen hinten aufschlägt, sieht, was ihm bevorsteht: Safranski beruft sich auf zahlreiche Dichter und Denker, Philosophen und Physiker und lässt auch die ganz Großen wie Nietzsche, Heidegger, Schopenhauer und Einstein nicht aus bei seiner Annäherung an die berühmte, viel besprochene Frage: "Was also ist die Zeit?"

Safranski (70) unterteilt sein Buch in zehn Kapitel, die zehn thematische Blöcke sind. Den Nerv der Zeit trifft Safranski in der Mitte seiner Abhandlung: Im fünften Kapitel geht es um die "Bewirtschaftete Zeit", um die Beschleunigungsdynamik in der Wirtschaft, die Wegwerfökonomie und den Pumpkapitalismus. In Kontrast dazu stellt Safranski die Politik, in der Entscheidungen entgegen des Tempos der Wirtschaft "langsam erfolgen". Das Kapitel steht exemplarisch für die anderen, in denen Safranski umfassend betrachtet, welchen Einfluss Zeitphänomene auf die Gesellschaft, ihr Handeln und Empfinden haben.

Es sind geballte Gedanken, die der Philosoph und Schriftsteller in relativer Kürze auf 272 Seiten präsentiert. Dabei bleibt der Leser aber nicht auf der Strecke, denn die verschiedenen (gefühlten) Zustände der Zeit sind alltagsnah: In Momenten der Langeweile vergeht sie nicht, plötzlich verfliegt sie wieder. Auch die "Süddeutsche Zeitung" stellt fest: Safranski geht dieses Mal "bewusst ein gutes Stück lebenspraktischer vor als sonst". Denn "Zeit" liest sich auch wie ein Appell, behutsam mit ihr umzugehen.

- Rüdiger Safranski: "Zeit. Was sie mit uns macht und was wir aus ihr machen.", Hanser Berlin, 272 Seiten, 24,90 €, ISBN 978-3-446-23653-0.