Boy-Gobert-Preis

Preis für Johannes Hegemann: "Wahnsinnig guter Schauspieler"

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Falk Schreiber
Preisträger Johannes Hegemann (l.) entschwebt bei der Verleihung des Boy-Gobert-Preises in den Bühnenhimmel.

Preisträger Johannes Hegemann (l.) entschwebt bei der Verleihung des Boy-Gobert-Preises in den Bühnenhimmel.

Foto: Krafft Angerer / Körber Stiftung

Johannes Hegemann, Ensemblemitglied am Thalia Theater, bekam den Boy-Gobert-Preis und verblüffte mit seinem Festprogramm.

Hamburg.  Johannes Hegemann ist ein alter Mann. Ein alter Mann, der sich mühsam auf die Bühne schleppt, gekrümmt am Pult steht, irgendwann seine Notizen fallen lässt und seinen Text vergisst. Und der dann etwas wirr darüber referiert, dass sich alles ändern muss, dass es einen Neuanfang braucht.

Aber Johannes Hegemann ist natürlich kein alter Mann. Der Schauspieler aus dem Ensemble des Thalia Theaters ist Mitte 20, und er erhält gerade auf der Bühne seines Stammhauses den Boy-Gobert-Preis, die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung für Hamburger Nachwuchsschauspieler. Die Preisträger dürfen hier die Preisverleihung selbst gestalten, und weil Hegemann es anscheinend unangenehm ist, als Nachwuchs ausgezeichnet worden zu sein, macht er das, was er am besten kann: Er spielt.

Er spielt einen alten Mann, und er spielt ihn so gut, dass man vergisst, dass man es hier mit jemandem zu tun hat, der erst seit 2020 am Thalia ist und der Lockdown-bedingt noch gar nicht so viele Gelegenheiten hatte, sich in den Vordergrund zu performen. „Hegemann bekommt den Boy-Gobert-Preis nicht, weil er jung ist, sondern weil er ein wahnsinnig guter Schauspieler ist“, hatte Staatsrätin Jana Schiedek kurz zuvor in ihrem Grußwort klargestellt, und sein Auftritt belegt diese Behauptung eindrucksvoll.

Boy-Gobert-Preis: Hegemann singt das Danger-Dan-Lied „Eine gute Nachricht“

Zu Beginn hatte Thalia-Intendant Joachim Lux eine trotz der krisenhaften Gegenwart optimistische Begrüßung verlesen, getragen von der Begeisterung, endlich wieder Gemeinschaft zu erleben, vom Stolz darüber, dass die Thalia-Inszenierung „Das mangelnde Licht“ am Vorabend den Theaterpreis „Der Faust“ erhalten hatte, von der Vorfreude auf die Lessingtage im Januar.

Und diese positive Grundhaltung prägt den folgenden Sonntagvormittag: die melancholisch-schöne Rede des Juryvorsitzenden Burghart Klaußner, die sehr persönlich gehaltene Laudatio durch Hegemanns Schauspielerkollegen (und WG-Mitbewohner) Helmut Zhuber, schließlich die Preisverleihung durch Lothar Dittmer, Vorstandsvorsitzender der Körber-Stiftung.

Boy-Gobert-Preis: Der junge Schauspieler entschwebt in den Bühnenhimmel

Und natürlich Hegemanns eigene Beiträge zum Programm. Einerseits eine kurze, körperkomische Szene aus „Doughnuts“, dem Stück, mit dem er bekannt wurde, das ihm eine Einladung zum Theatertreffen nach Berlin einbrachte und für das ihn die Fachzeitschrift „Theater heute“ als „Nachwuchsschauspieler des Jahres“ ehrte. Und dann mit einem musikalischen Schlusspunkt: Daniel Freitag spielt Piano, und Hegemann singt Danger Dans „Eine gute Nachricht“. „Ich hab ’ne gute Nachricht und ’ne schlechte auch / Zuerst die schlechte: Wir zerfallen zu Staub (…) / Und jetzt die gute: heute nicht / Es bleibt noch Zeit für dich und mich / Und wenn du willst, dann schlaf’ doch heute bei mir.“

Und dann entschwebt dieser junge, hoffnungsfrohe Schauspieler in den Bühnenhimmel, gekleidet in eine Schärpe mit dem Wort „Neuanfang“. Und das ist so schön und positiv, spätestens da weiß man, dass die Jury (in der unter anderem Abendblatt-Kulturchefin Maike Schiller sitzt) hier den absolut Richtigen ausgezeichnet hat.