„Der Pass“

Warum Julia Jentsch ihre Rolle nicht mag, aber schätzt

| Lesedauer: 5 Minuten
Volker Behrens
Ellie Stocker (Julia Jentsch) muss in Deutschland und Österreich eine Mordserie an jungen Frauen aufklären.

Ellie Stocker (Julia Jentsch) muss in Deutschland und Österreich eine Mordserie an jungen Frauen aufklären.

Foto: Hendrik Heiden / Sky Deutschland AG und Sky Deutschland GmbH & Co. KG

Neue Staffel der Serie: Die Hauptdarstellerin über ihre Figur, den besonderen „Look“ der Serie und einen Sprint im Hotel Atlantic.

Hamburg.  Von heute an kann man bei Sky Original die zweite Staffel einer Serie sehen, die an die ebenfalls erfolgreiche dänisch-schwedisch-deutsche Serie „Die Brücke – Transit in den Tod“ anknüpft. Darin ging es um eine Mordserie auf beiden Seiten der Öresundbrücke, die Dänemark mit Schweden verbindet. „Der Pass“ funktioniert ebenfalls grenzüberschreitend – zwischen Deutschland und Österreich. Aber ansonsten gibt es, abgesehen von einer Faszination des Grauens, erfreulich wenige Parallelen zur nordischen Vorlage.

Im Zentrum der Handlung stehen die ach so unterschiedlichen Ermittler Ellie Stocker (Julia Jentsch) und Gedeon Winter (Nicholas Ofczarek), der am Ende der ersten Staffel nur knapp einen Mordanschlag überlebt hat. Diesmal müssen sie eine Mordserie an jungen Frauen aufklären. Unterstützung bekommen sie von der Polizeirekrutin Yela Antic (Franziska von Harsdorf). Das Abendblatt sprach mit Julia Jentsch.

Hamburger Abendblatt: Kurz vor dem Ausbruch der Pandemie haben wir einander zuletzt gesehen. Da haben Sie in Hermine Huntgeburths „Lindenberg! Mach dein Ding“ bei der Premiere im Cinemaxx auf dem roten Teppich gestanden und gefroren. Sie haben in dem Film Udo Lindenbergs Mutter Hermine gespielt.

Julia Jentsch: Genau. Ich war dann auch noch bei der Premiere in München und kurz danach gab es den kompletten Lockdown.

Mögen Sie die Ellie Stocker, die Sie in dieser neuen Serie spielen?

Jentsch: Wie das oft so ist mit einer Figur, mit der man längere Zeit verbringt, wächst die einem schon irgendwie ans Herz. Man lernt einfach sehr viele Facetten von ihr kennen und hat auch zunehmend Freude daran, diese verschiedenen Seiten von ihr darzustellen. Aber mögen? Ich finde sie recht kompliziert. Aber sie ist sehr verlässlich, ihre Einstellung zum Beruf und ihre Loyalität schätze ich an ihr.

Was ist der größte Unterschied zwischen der ersten und der nun startenden zweiten Staffel, die auch wieder ein wenig an David Lynchs „Twin Peaks“ erinnert? Es gibt natürlich neues Personal.

Jentsch: Wir haben hier um die Welt des Täters herum eine sehr viel komplexere Geschichte. Deshalb sind viel mehr Personen involviert. Mit beiden Ermittlerfiguren, die in der ersten Staffel schon einiges miteinander durchgemacht haben, startet man jetzt an einem anderen Punkt. Ihre Beziehung erzählt sich jetzt anders, beide haben sich wesensmäßig etwas verändert. Ein wiederkehrendes Element ist die starke Bedeutung der Natur.

Am Ende der ersten Staffel konnte man befürchten, dass Gedeon Winter einen Mordanschlag auf ihn nicht überlebt. Aber Sie wollten ihn dann doch lieber wieder dabeihaben, oder?

Jentsch: Genau und zum Glück!

Die Bilder der alpinen Welt sehen zum Teil wieder sehr aufwendig gestaltet aus. Ahnt man als Schauspielerin bei den Dreharbeiten etwas vom Look des fertigen Films?

Jentsch: Ich bin selbst immer wieder überrascht, wie der Film am Ende aussieht. Das kann ich beim Drehen aber nicht so gut miterleben. Ich weiß nicht, welche Filter vor die Kameras gesetzt wurden, und was sie genau bewirken. Dazu kommt auch noch das Zusammenspiel mit Licht und Ausstattung. Ein bisschen konnte ich es durch die Erfahrungen mit der ersten Staffel aber erahnen. Den großen Aufwand bekommt man allerdings im Vorfeld schon mit durch die große Anzahl der verwendeten Motive und aus den Gesprächen mit dem Regieduo Cyrill Boss und Philipp Stennert. Sie wollten übrigens kein Remake von „The Bridge“ machen, sondern etwas ganz Eigenes.

Wie lange haben Sie an dieser Serie gearbeitet?

Jentsch: Es waren so ungefähr 80 Drehtage. Der gesamte Produktionszeitraum betrug eineinhalb Jahre.

Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?

Jentsch: Es ist immer sehr schwierig, etwas zu beurteilen, in das man selbst so involviert ist. Aber von dem, was ich bisher darüber weiß, bin ich sehr zufrieden.

Nun haben wir zum ersten Mal seit 2004 miteinander gesprochen. Sie hatten damals parallel drei große Filme am Start: „Die fetten Jahre sind vorbei“ und „Sophie Scholl“ sowie „Schneeland“. Vor dem Interview sind Sie damals erst einmal den langen Flur im Hotel Atlantic herauf- und heruntergesprintet und sagten danach: „So, nun geht’s wieder.“

Jentsch: Wirklich (lacht)?

Was haben Sie in nächster Zeit vor?

Jentsch: Mal schauen. Es ist alles noch offen. Es gibt da ein paar Projekte, bei denen die Finanzierung noch nicht abgeschlossen ist. Daher gibt es zurzeit noch nichts Spruchreifes. Aber die Dinge sind schon da, von daher bin ich ganz entspannt.

„Der Pass“(Zweite Staffel, acht Episoden), ab heute bei Sky Original