Konzerte und mehr

Das sind Hamburgs heißeste Kulturtipps für die neue Woche

| Lesedauer: 8 Minuten
Bunt, laut und Kult: Doro Pesch ist hierzulande die Metal-Queen und auch beim Wacken Open Air gern gesehen. An diesem Sonntag wird es fast kuschelig, die Rock-Lady spielt im Gruenspan.

Bunt, laut und Kult: Doro Pesch ist hierzulande die Metal-Queen und auch beim Wacken Open Air gern gesehen. An diesem Sonntag wird es fast kuschelig, die Rock-Lady spielt im Gruenspan.

Foto: Seaside Touring

In diesen oft so tristen Zeiten hilft etwas kulturelle Erbauung. Hier kommen Hamburgs beste Termine, für die es noch Karten gibt.

Hamburg. Ziemlich bunt geht es in dieser Woche zu in Hamburgs Spielstätten. Es gibt in drei Kinos eine Opernübertragung aus der Met in New York, Metal-Frau Doro gastiert ebenso wie Liedermacher Konstantin Wecker, und die Schauspielerin Katharina Schütz kann endlich wieder zu Lesungen einladen. Sie liest: Tolstoi.

WEIHNACHTS-THEATER

Kommt Ihnen die Geschichte irgendwie bekannt vor? Putzfrau Maria (April Hailer) und Nachtwächter Josef (Gerhard Garbers) begegnen sich nach Feierabend in einem großen, leeren Kaufhaus. Sie fangen an, einander Geschichten aus ihrem Leben zu erzählen. Die sind mal tragisch, mal lustig, mal berührend. „Josef und Maria“ heißt das Theaterstück von Peter Turrini, das vom 28. November an allen vier Adventssonntagen als Inszenierung der Kammerspiele in der Europa-Passage gezeigt wird.

„Josef und Maria“ So 28.11., 16.00 und 19.00, Europa-Passage (U/S Jungfernstieg), Ballindamm 40, Karten zu 25,-/35,- unter www.hamburger-kammerspiele.de

DOKUMENTARFILM

Harald Naegeli ist ein Mann, der es kaum jemand recht machen kann – oder will. Der Schweizer kommt aus wohlhabenden Verhältnissen, aber er rebelliert. Seinen Protest gegen Umweltverschmutzung, Chemie-Konzerne, Massentierhaltung, generell gegen das spießige Zürich, sprüht er auf die Wände der Stadt.

Naegeli wird regelmäßig angezeigt, flieht nach Düsseldorf. Dort bekommt der Seelenverwandte vom Hamburger Sprayer Peter Ernst Eiffe Unterstützung, von Josef Beuys und Willi Brandt – und lässt sich nicht beugen. Zwei Tage vor dem regulären Kinostart erlebt der Dokumentarfilm „Harald Naegeli – Der Sprayer von Zürich“ seine Premiere im Zeise. Die Hamburger Filmemacherin Natalie David stellt ihren Film dort vor.

„Harald Naegeli – Der Sprayer von Zürich“ Di 30.11., 19.30, Zeise (S Altona), Friedensallee 7-9, Karten zu 9,- unter www.zeisekinos.cloudticket.net, T. 30 60 36 82

POP

In der Hansestadt schreibt man Soul mit drei Buchstaben: Miu. Im Oktober 2019 begeisterte die Hamburger Sängerin und Songschreiberin mit dem in Eigenregie geschaffenen Doppelalbum „Modern Retro Soul“, das es ohne große Label und Agenturen in die Charts schaffte. Die 25 Lieder von funky bis samtig waren wie gemacht für lange Konzertreisen, aber dann kam das Frühjahr 2020.

Miu, als Netzwerkerin schon vor der Pandemie ein Sprachrohr für die Sorgen von unabhängigen Musikerinnen und Musikern, gab nie auf und spielte dort, wo es erlaubt war – „9 Lives“. Aber das große „Modern Retro Soul“-Konzert mit maximaler Bandbesetzung im Mojo Club wurde wieder und wieder aufgeschoben. Täglich grüßte das Murmeltier wie im Song „Groundhog Day“. Am 27. November soll es klappen: Treppe runter ins Mojo – und rauf auf die Bühne! Das Konzert findet unter 2G-Bedingungen statt.

Miu Sa 27.11., 20.00, Mojo Club (U St. Pauli, Bus 112), Reeperbahn 1, Karten zu 22,- im Vorverkauf; www.miu-music.org

LESUNG

Die Hamburger Schauspielerin und Sprecherin Katharina Schütz lädt zu Lesungen der Tolstoi-Kurzgeschichte „Wovon der Mensch lebt“ ein. Gott schickt darin einen Engel zu den Menschen, weil er wissen möchte, wovon diese leben. Es geht um die archaische Kraft der Liebe und den Appell des Autors, dem Bösen ohne Gewalt zu widerstehen.

Katharina Schütz liest „Wovon der Mensch lebt“ Fr 3.12., 19.00, Christophorushaus (U Niendorf Markt + Bus 5), Anna-Susanna-Stieg 10-12, Anmeldung: buero@kircheschnelsen oder T. 57 14 87 02, Eintritt frei; Sa 4.12., 17.00, Heuboden (Veranstaltung mit dem AbendrothQuartett), Moorburger Elbdeich 263 (Bus 250), Anmeldung: post@moorburgerart.de, Eintritt 12,-

ROCK

Und sind die Zeiten noch so hart, mit Doro Pesch sind sie sowohl härter als auch einfacher. Denn wo Deutschlands Metal-Queen auftritt, da kommen sowohl alte und neue Knaller wie „All We Are“ und „Revenge“ als auch aufrichtige Güte und Wärme und Sorge um das Wohlergehen der Fans besonders von Herzen. Und das natürlich „Für immer“.

An diesem Sonntag, 28. November, kommt Doro mit den 80er-Klassikern ihrer Band Warlock und den Hits ihrer Solokarriere nach Hamburg ins Gruenspan (verlegt aus der Großen Freiheit 36). Dann ist „All For Metal“ das Gesetz des Abends, auch wenn die Judas-Priest-Hymne „Breaking The Law“ seit vielen Jahren einen festen Platz in ihrem Programm hat. Das Konzert findet unter 2G-Bedingungen statt.

Doro So 28.11., 20.00, Gruenspan (S Reeperbahn), Große Freiheit 58, Karten zu 41,70 im Vorverkauf; www.doromusic.de

LIEDERMACHER

„Es gibt kein Recht auf Gehorsam“, „Schäm dich Europa“, „Was mich wütend macht“, „Wir werden weiter träumen“: Auch auf seinem im Sommer erschienenen 26. Album „Utopia“ bleibt Liedermacher Konstantin Wecker ein Träumer mit ungebeugter Haltung, vielleicht einer der letzten seiner Art.

Die Lieder und Gedichte von „Utopia“ stehen auch im Mittelpunkt des Konzerts am 27. November, in der Laeiszhalle. Karten für den ursprünglichen Termin am 5. November 2020 bleiben auch unter 2G-Bedingungen gültig.

Konstantin Wecker Sa 27.11., 20.00, Laeiszhalle, Großer Saal (U Gänsemarkt), Johannes-Brahms-Platz, Karten ab 51,85 im Vorverkauf; www.wecker.de

KLAVIERKONZERT

Mehr als 400 Werke hat der Hamburger Pianist Leon Gurvitch inzwischen komponiert, darunter auch Filmsoundtracks, und ist in vielen Konzerthäusern der Welt aufgetreten – 2017 sogar in einem Saal der berühmten Carnegie Hall in New York. Kaum wegzudenken ist der gebürtige Belarusse aus dem Hamburger Konzertleben, und so spielt er am 1. Dezember im Kleinen Saal der Elbphilharmonie.

Auf dem Programm stehen dann unter dem Motto „I Got Rhythm“ Werke von Johann Sebastian Bach, Gabriel Fauré, Erik Satie, Dmitri Schostakowitsch, Dave Brubeck, George Gershwin und Leon Gurvitch selbst. Angekündigt ist sein neuer Klavier-Zyklus „Musique mélancolique“.

Leon Gurvitch Mi 1.12., 19.30, Elbphilharmonie, Kleiner Saal (U Baumwall), Platz der Deutschen Einheit, Karten ab 19,- im Vorverkauf unter www.elbphilharmonie.de

KINO

Körpernah scheint es am Mittwoch (1.12.) im Abaton zu werden, wenn Regisseurin Toti Baches ihren Dokumentarfilm „Red Cunt – Menstruation Reconsidered“ vorstellt. Die Regelblutung hat in diesem Film den Namen „Mensi“, soll enttabuisiert und in Experten-Gesprächen vorgestellt werden. Der Film ist der erste Teil einer Trilogie über die tabuisierten Ms der Frauen: Menstruation, Masturbation, Menopause.

„Red Cunt – Menstruation Reconsidered“ ab 12 J., Mi 1.12., 17.30, Abaton (Bus 4,5), Allende-Platz 3, Karten zu 7,-: T. 41 32 03 20; kinoheld.de

OPER IM KINO

Um große Oper aus internationalen Häuser zu erleben, muss nicht gereist werden, es gibt sie auch im Kino, in Hamburg sogar gleich dreimal. Und in diesem Fall live aus der New Yorker Met. „Eurydice“ von Matthew Aucoin erzählt den altgriechischen Mythos neu.

Orpheus versucht mithilfe der Musik, seine geliebte Eurydike aus der Unterwelt zu befreien. Sarah Ruhl hat ein neues Libretto zur bekannten Geschichte geschrieben. Die Hauptrollen singen und spielen Erin Morley, Joshua Hopkins und Jakub Józef Orlinski. Es dirigiert Mary Zimmermann.

„Eurydice“ Sa 4.12., 19.00, Cinemaxx Harburg, (S Harburg), Moorstraße 1, Cinemaxx Wandsbek, Quarree 8-10 (U Wandsbek Markt), Karten zu 29,90 unter www.cinemaxx.de; Astor Film Lounge (Bus 2, 6), Am Sandtorkai 46a, Karten zu 35,-/32,- unter https://hamburg.premiumkino.de/

KLASSIK

Mit einem klassischen Konzert beendet der Duvenstedter Salon am 3. Dezember die kurze Saison 2021. Die russische Pianistin Elizaveta Don spielt Werke von Händel, Brahms und Chopin - ein coronabedingt mehrmals abgesagter Abend. Die in Moskau geborene Wahlhamburgerin ist Preisträgerin von 15 Klavierwettbewerben und in mehr als 30 Ländern aufgetreten.

Die frühere Studentin am Tschaikowsky-Konservatorium und an der Hochschule für Musik und Theater (bei Prof. Evgeni Koroliov) ist hier inzwischen selbst Dozentin für Klavier. Ihr Konzert spielt sie gemäß den 2G-Regeln für Geimpfte und Genesene.

„Der Duvenstedter Salon klassisch“ Fr 3.12., 19.00, Max-Kramp-Haus (Bus 176, 276), Duvenstedter Markt 8, Karten an der Ak.: T. 607 06 55, info@vereinigung-duvenstedt.de

( HA )