Konzert, Theater und Co.

Die Kulturtipps der Woche mit viel Musik und Kunst

| Lesedauer: 9 Minuten
Decoder Ensemble

Decoder Ensemble

Foto: Gerhard Kühne

Unsere Tipps für die kommenden Tage: Diesmal mit der Buchmesse in Hamburg, Neuer Musik und Kunst im Wäscheladen.

Pop oder Neue Musik, Theater oder Literatur, ein Filmspecial oder eine Pop-up-Ausstellung? Die Auswahl ist auch in den kommenden Tagen groß. Wir haben einige besondere Tipps – nur entscheiden müssen Sie selbst.

Silly – die kultisch verehrte (Ost-) Berliner Band

Viele Bands sind froh, nach dem Abgang ihrer Sängerin eine neue zu finden, aber Silly fand gleich zwei: Als sich Anna Loos, die 2006 das Erbe der 1996 gestorbenen Tamara Danz antrat, 2018 neuen Projekten zuwandte, verstärkte sich die Berliner Rockband mit AnNa R. (Rosenstolz) und Julia Neigel. Damit hat sich die nicht nur im Osten kultisch verehrte Truppe mehr als „Instandbesetzt“, wie das vor wenigen Wochen erschienene neue Album heißt. Nun ist es für Silly an der Zeit, keinen Boogie, aber „Liebeswalzer“ auf Tour zu tanzen. Am 28. Oktober geht es zum Start der Konzertreise in die Laeiszhalle. Der Abend läuft unter den aktuellen 3G-Regeln.

Silly Do 28.10., 20.00, Laeiszhalle, Großer Saal, (U Gänsemarkt), Johannes-Brahms-Platz,Karten ab 58,50 im Vorverkauf

Felix Krull am Altonaer Theater

Mit dem Filou Felix Krull hatte sich Thomas Mann erstmals im Jahr 1910 beschäftigt, doch erst mit der dritten Auflage legte der Literatur-Nobelpreisträger 1955 die endgültige Fassung seiner „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ vor. An diesem Sonntag hat der populäre Gauner-Roman im Altonaer Theater Premiere, für die Bühne bearbeitet von John von Düffel. Der war bekanntlich mal Dramaturg am Thalia Theater. Regie in Altona führt Georg Münzel, der mit dem sechsköpfigen Ensemble Thomas-Mann-Freunde und -Skeptiker gleichermaßen für sich gewinnen möchte. Das alles unter 3G-Regeln.

„Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ Premiere So 24.10., 19.00, bis 27.11., Altonaer Theater (S Altona), Museumstr. 17, Karten zu 19,- bis 37,-: T. 39 90 58 70

Lùisa - Pop zwischen Kate Bush und Sophie Hunger

„Ihr drittes Album ist geradezu ein Schock. Weil es so gut ist und dabei so anders als der sehr elektronische Vorgänger“, schrieb das Abendblatt im Mai über das Album „New Woman“ der Hamburger Sängerin und Songschreiberin Lùisa. Und auch bei ihrem Konzert in Planten un Blomen im August überzeugten die neuen, ausgefeilten und gut zwischen Kate Bush und Sophie Hunger passenden Stücke: „Ein Konzert wie ein warmer Sommerregen“. Trocken, aber ebenso erfrischend wird es vermutlich beim nächsten Auftritt dieser besonderen Künstlerin am 28. Oktober auf dem Kiez im Nochtspeicher. Der Abend läuft unter den aktuellen 2G-Regeln.

Lùisa Do 28.10., 20.00, Nochtspeicher (S Reeperbahn), Bernhard-Nocht-Straße 69a, Karten zu 19,40 im Vorverkauf

Der Oetinger-Verlag holt die Buchmesse nach Hamburg

Eine „Buchmessenbühne“ auch in Hamburg? Hat der Oetinger-Verlag aufgebaut. Und zwar auf seinem Kulturdeck im Verlagsgebäude. Bis einschließlich Sonntag finden dort auf verschiedenen Veranstaltungen für Kinder jeweils bis zu 50 Besucherinnen und Besucher Platz. Zu allen Veranstaltungen gibt es Livestreams. Am Sonnabend, 15 Uhr, liest Julia Blesken, die erste Preisträgerin des Kirsten-Boie-Preises, aus „Mission Kolomoro oder: Opa in der Plastiktüte“ (ab neun Jahren). Um 19 Uhr tritt Jette Menger mit ihrem Buch „Know me again“ auf (ab 16 Jahren).

Am Sonntag, 11 Uhr, lesen Sebastian Grusnick und Thomas Möller aus „Mein Bruder der Elbenritter“ (ab acht Jahren). Um 12.30 Uhr zeichnet Katrin Engelking live und spricht dabei auch über ihre neuen Illustrationen zu Astrid Lindgrens „Märchen“ (ab sechs Jahren). Zum Abschluss um 17 Uhr stellt Stefanie Taschinski „Familie Flickenteppich. Wir freuen uns auf Weihnachten“ (ab acht Jahren) vor. Besonders schön: Auch nach Ende der Buchmesse wird es auf dem Kulturdeck regelmäßig Lesungen geben.

Oetinger-Kinderlesungen Sa 23.10./So 24.10., Verlagsgruppe Oetinger (Bhf. Altona), Max-Brauer-Allee 34. Die Veranstaltungen sind kostenlos. Anmeldung unter kulturdeck@verlagsgruppe-oetinger.de oder telefonisch (607 909-793). Es gilt die 3G-Regelung. Kinder unter sieben Jahren müssen keinen negativen Coronavirus-Testnachweis vorzeigen. Ebenfalls befreit sind Schüler, wenn sie einen Schülerausweis vorzeigen oder den Schulbesuch bestätigen können.

Kino: "Wie funktioniert Schnitt?" – erklärt an zwei Filmen

Von den vielen Gewerken, die beim Gesamtkunstwerk Film zusammenwirken, ist der Schnitt eine von denen, die in der Öffentlichkeit selten mit Aufmerksamkeit bedacht werden. Erfreulicherweise macht das Metropolis da jetzt eine Ausnahme. Bei der Veranstaltung „Wie funktioniert Schnitt?“ geht es am Montag und Dienstag um die Kunst der Filmmontage. Das wird nicht etwa ein dröger Vortrag. Gezeigt werden an beiden Tagen Filme, die anschließend von Fachleuten entsprechend erklärt werden.

Am Montag um 19.30 Uhr wird der Film „Ein Blick und die Liebe bricht aus“ aus dem Jahr 1986 in einer frisch restaurierten Fassung gezeigt. Danach erläutern Regisseurin Jutta Brückner und Editorin Ursula Höf, wie sie zusammengearbeitet haben. Am Dienstag wird ebenfalls um 19.30 Uhr der Film „A Symphony Of ­Noise“ gezeigt. Der Dokumentarfilm schildert die Gedanken-, Klang- und Hör-Welt des Audio-Dokumentaristen Matthew Herbert als inszenierte Reise. Der Hamburger Andrew Bird erläutert anschließend seine Schnittmeisterkunst. Er war für die Arbeit an diesem Film für den Deutschen Filmpreis nominiert.

„Wie funktioniert Schnitt?“ Mo/Di 25./26.10, jew. 19.30, Metropolis (U Gänsemarkt), Kleine Theaterstraße 10, Karten 6,50: metropoliskino.de

Erzählkonzert zur Erinnerung an Mordechai Gebirtig

Schon seit dem Frühjahr sind im Goldbekhaus regelmäßig „Jüdische Klangspuren“ zu hören, als Teile der bundesweiten Reihe „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“. Am Freitag erzählt der Autor und Filmemacher Uwe von Seltmann in einem multimedialen Vortrag mit Livemusik von „Der zinger fun Noyt – Die Stimme der Armen“. Im Zentrum steht Mordechai Gebirtig. Wäre der Liedermacher nicht 1942 wie so viele im Krakauer Getto von Nationalsozialisten ermordet worden – er wäre heute so populär wie Woody Guthrie und Bob Dylan, meint der Musik-Ethnologe Seltmann.

Mit Gebirtigs neu interpretierten (Protest-)Liedern erinnern Sängerin und „Tagesschau“-Sprecherin Stella Jürgensen (in der Band Stella’s Morgenstern), Daniel Kahn, die Gruppe Waks – Yiddish Voices sowie Sveta Kundish und Patrick Farrell an ihn und seine Musik.

„Der zinger fun noyt – Die Stimme der Armen“ Fr 29.10., 20.00, Goldbekhaus/Halle (Bus 6, 25), Moorfuhrtweg 9, Karten zu 20,-/erm. 10,- im Vvk.; www.goldbekhaus.de

Neue Musik von und mit dem Decoder Ensemble

Seit der Eröffnung der Elbphilharmonie im Januar 2017 hat das Decoder Ensem­ble regelmäßig pro Jahr drei Konzerte in den Kaistudios (Reihe „Unterdeck“) des Konzerthauses. Weil es in diesem Jahr bereits sein zehntes Jubiläum feiert, spielt Hamburgs innovativste und experimentierfreudigste Gruppe für zeitgenössische Musik am Freitag erstmals im Kleinen Saal der Elbphilharmonie. Auch dort will das innovative Sextett aus elektronischen und akustischen Instrumenten einen energetischen Sound bieten, der sich vom Klangbild herkömmlicher Kammermusik abhebt. Mit dabei sind die mehrfach ausgezeichnete Komponistin und langjährige Decoder-Weggefährtin Brigitta Muntendorf sowie die Komponisten Leopold Hurt, Andrej Koroliov und Alexander Schubert.

10 Jahre Decoder Ensemble Hamburg Fr 29.10., 20.30, Elbphilharmonie/Kleiner Saal (U Baumwall, Bus 112), Platz der Deutschen Einheit, Karten 15,- (3G-Veranstaltung): www.elbphilharmonie.de

Kunst im ehemaligen Wäscheladen – The Travelling Art Gallery

Pop up, also aufpoppen, um Aufmerksamkeit zu erzeugen, war das ganz große Ding einst in der Modewelt. Nun hat der Marketingtrick auch, ein bisschen coronabedingt, die Kunstwelt erreicht. Am Großen Burstah 34, wo einst Möhring Dessous und Bademäntel verkaufte, geht’s nun um etwas völlig anderes: The Travelling Art Gallery, eine Initiative aus Südafrika, die durch Europa tourt, präsentiert dort sowohl etablierte wie junge, aufstrebende Künstlerinnen und Künstler des Landes.

Innerhalb weniger Jahre hat sich die Zahl der dort beheimateten Kreativen verdoppelt; viele von ihnen werden von südafrikanischen Galerien vertreten, sind aber auf dem internationalen Kunstmarkt noch weitgehend unbekannt. In bester Innenstadtlage kann das Publikum die starken, farbenfrohen Werke der 25 Malerinnen, Bildhauer und Zeichnerinnen erleben und natürlich auch kaufen. Ein besonderer Clou sind die virtuellen Hängungen, die die Initiative anbietet. Wer sich für ein Bild interessiert, kann es im Onlinekatalog auswählen und sich kostenlos anzeigen lassen, wie es im „echten“ Raum aussehen könnte.

The Travelling Art Gallery, bis 31.10., Pop-up-Gallery im ehemaligen Möhring-Geschäft (U Rödingsmarkt), Großer Burstah 34, täglich außer Mo 11.00–18.00, Eintritt frei, www.thetravellingartgallery.com