Buchkritiken

Mensch gegen Maschine: altes Thema, neu erzählt

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Katie Flynn nimmt sich des Themas Mensch gegen Maschine an – aber anders als gedacht.

Katie Flynn nimmt sich des Themas Mensch gegen Maschine an – aber anders als gedacht.

Foto: Penguin Random House

Heute in der Reihe Aufgeblättert: Die Pandemie hat die Science Fiction erreicht. Und eine Propagandamission geht gründlich schief.

Künstliche Intelligenz, die unser Leben verbessern soll, auf jeden Fall aber grundlegend verändert, das ist natürlich kein neues Thema in der Science Fiction. Wie regelmäßig so etwas schiefgeht, war auch immer wieder im Kino zu sehen, am vielleicht eindrücklichsten in Stanley Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum“. Und dann ist da der Spezialfall, dass sich Mensch und Maschine gar nicht mehr ohne Weiteres voreinander unterscheiden lassen, zu sehen etwa in der jede Menge existenzielle Fragen aufwerfenden Serie „Humans“ (derzeit auf Amazon Prime).

"Companions" – Eine Pandemie hat das Leben lahmgelegt

Auch Katie M. Flynn beschäftigt sich in „Companions – Der letzte Morgen“ (Heyne, 350 S., 12,99 Euro) mit diesem Thema und hat es in einer Zeit verortet, die von unserer Gegenwart nicht so weit entfernt zu sein scheint: Eine Pandemie hat das gesellschaftliche Leben auf der ganzen Welt lahmgelegt, unzählige Menschen sind gestorben, für die meisten Überlebenden herrscht eine strenge Quarantäne. Soziale Kontakte abseits der Kernfamilie finden in der Regel nur digital statt, doch es gibt eine Ausnahme, sogenannte Companions, äußerlich von echten Menschen kaum unterscheidbare Roboter, in die das Bewusstsein Verstorbener hochgeladen wird.

Manche planen schon zu Lebzeiten ihre Anschlussexistenz, andere wollen keinesfalls auf diese Weise weiterleben – und dann ist da die Compa­nion Lilac, die aus ihrer Rolle ausbricht und in die eigene Vergangenheit abtaucht. Katie M. Flynn erzählt ihre Geschichte aus vielen Perspektiven, wobei die Pandemie und die Rolle der Staatsmacht etwas diffus bleiben. Dennoch: ein unterhaltsames Gedankenspiel.

"Providence" – wenn eine Propagandamission gründlich schief geht

Weg von der Erde, ab ins Weltall – hier, viele Lichtjahre entfernt, tobt ein Krieg mit Außerirdischen, an dem die Weltbevölkerung allerdings so langsam das Interesse zu verlieren droht. Auch weil die Produktion der Kampfschiffe den Menschen erhebliche finanzielle Anstrengungen abverlangt. Also werden vier Astronautinnen und Astronauten mit der „Providence Five“ losgeschickt, die zwar Alienkolonien vernichten sollen, hauptsächlich aber dafür da sind, motivierende Social-Media-Inhalte zu erstellen.

Doch dann kommt es zu einem Zwischenfall, der die Crew veranlasst, die Künstliche Intelligenz (KI) abzuschalten, die das Schiff steuert, und selbst das (manuelle) Kommando zu übernehmen … Max Barry ist mit „Providence“ (Heyne, 400 S., 14,99 Euro) ein Science-Fiction-Thriller gelungen, der weniger auf philosophischen Überbau als auf eine packende Geschichte setzt. Schon der Einstieg mit dem Alien-Erstkontakt, der zur unvorhergesehenen Katastrophe wird, ist großes Kino (und könnte direkt so verfilmt werden). Auch die Aktionen der KI halten ein hohes Spannungsniveau. Da lässt es sich verschmerzen, dass die Psychogramme der Crew und ihr Umgang mit einer vierjährigen Isolation eher knapp ausfallen.

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