„into the arctic“

Polar-Reise mit einem besonderen Instrument

| Lesedauer: 3 Minuten

Der Hamburger Musiker Stefan Wiegand spielt das Hang: Seine außergewöhnlichen Klänge reflektieren die mystische Stimmung am Polarkreis.

Hamburg.  Mit weichem Schwung lässt Stefan Wiegand seine Arme nach vorne schnellen. Und mit gefühlvollen Akzenten schlagen seine Finger in und neben die Mulden seines Instruments. Warme Klänge, zugleich akzentuierte Rhythmen durchfluten sein Hinterhofstudio in Hoheluft. Ein Sound, der gleichermaßen entspannt wie belebt. Zu dem die Seele auftanken kann. Und der – im Falle von Stefan Wiegand – auch starke Botschaften aussendet.

Der Hamburger Musiker ist auf das Spielen des Hangs spezialisiert. Ein äußerst zeitgenössisches Instrument, das Anfang des 21. Jahrhunderts erfunden wurde. Und das optisch ein wenig wie ein Ufo anmutet. Kürzlich hat Wiegand mit seinem Projekt „elb HANG music“ sein neues Album „into the arctic“ veröffentlicht, auf dem er Naturphänomene, aber auch die Bedrohungen durch den Menschen in eindringliche Hörerlebnisse umsetzt.

Ein Hang, zwei Hanghang

Wiegand – schwarz gekleidet, schmale Brille – wirkt auf den ersten Blick eher zurückhaltend. Doch wenn es um das Hang geht, kann er enthusiastisch und kenntnisreich von Geschichte und Fertigung dieses besonderen Instruments erzählen. Die Schweizer Pioniere Sabina Schärer und Felix Rohner forschten in den 1990er-Jahren, wie sich die aus Trinidad stammende Steelpan weiterentwickeln ließe, und schufen das erste Hang aus zwei speziell gehärteten Stahlschalen. Daher auch der Name: Hang bedeutet auf Berndeutsch Hand. Die Mehrzahl lautet schlicht: Hanghang.

Wiegand hatte in den 1980er-Jahren als Autodidakt mit dem Schlagzeugspiel begonnen und erkundet seitdem zahlreiche Genres von Jazz und Fusion-Sound bis zu Pop und Rock. Zunächst im nordhessischen Eschwege, seit Anfang der 1990er-Jahre in Hamburg, wo er zudem viel Theatermusik komponiert.

Wiegand macht die Stimmung am Polarkreis hörbar

Als er das vielstimmige Hang erstmals hörte, war Wiegand restlos begeistert, und so wurde er zum stolzen Besitzer eines Hangs der ersten Generation aus der Berner Ur-Werkstatt, wovon nur ein paar Tausend existieren. Zu den herausragenden Hang-Musikern gehören für ihn der Österreicher Manu Delago, der unter anderem mit Anoushka Shankar in der Elbphilharmonie auftrat, und Ravid Goldschmidt, der bereits in der Laeisz­halle zu erleben war.

Zu hören ist Wiegand nun auf seinem Album „into the arctic“ (Timezone Records). Die sanften, impulsiven Kompositionen reflektieren die mystische Stimmung der Polarkreisregion: die fragile Landschaft, das langsame Wachstum, die Helligkeit im Sommer, die Dunkelheit im Winter.

Das Stück „Meltwater“ etwa ist eine Ode an den nahenden Frühling, Bedrohungen durch Klimawandel und Öl-Bohrungen macht Wiegand in Songs wie „Caribou“ spürbar. Er wolle einen kleinen Beitrag zur Aufklärung leisten, sagt Wiegand, „mit meinen Mitteln, also mit der Kunst“. Seine Hang-Musik ist eine schöne Möglichkeit, in sich hineinzuhorchen und zugleich gedanklich auf Reisen zu gehen.

Album: „into the arctic“, www.elbhangmusik.de

( bir )