Festival Hamburg

Die große Sehnsucht nach Bewegung und Berührung

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„Virus“ eröffnet die vierte Ausgabe von „Tanzahoi“, dem Internationalen Tanz- und Tanzfilmfestival in Metropolis Kino, Kraftwerk Bille und Internet. (Symbolbild)

„Virus“ eröffnet die vierte Ausgabe von „Tanzahoi“, dem Internationalen Tanz- und Tanzfilmfestival in Metropolis Kino, Kraftwerk Bille und Internet. (Symbolbild)

Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Das „Tanzahoi“-Festival ist in Hamburg gestartet. Gezeigt werden Tanzfilme im Kino, gleichzeitig gibt es ein Onlineprogramm.

Hamburg.  So fangen Zombiefilme an: eine menschenleere Großstadt. Eine U-Bahn-Station, eine Straßenkreuzung, bunt blinkende Neonreklamen. Und dann doch ein einzelner Mensch, die Mütze tief ins Gesicht gezogen, Maske vor der Nase. Er bewegt sich, eine Hand, einen Arm, er tanzt, winzige Miniaturen. Nauris Buksevics kurzer Film „Virus“ entstand 2020 in London, wenige Stunden vor Beginn des dortigen Lockdowns, und er thematisiert die Sehnsucht nach Bewegung und Berührung, im Wissen, dass Tanz bis auf Weiteres verboten sein wird.

„Virus“ eröffnet die vierte Ausgabe von „Tanzahoi“, dem Internationalen Tanz- und Tanzfilmfestival in Metropolis Kino, Kraftwerk Bille und Internet. Leiterin Jasmine Fan erzählt, wie das Festival 2018 als Workshop-Programm gestartet war und voriges Jahr wegen der Corona-Pandemie zum Onlineformat wurde, worauf sich viele Bewerbungen für die aktuelle Ausgabe als Streaming-, Film- und Netzprojekte entpuppten.

„Tanzahoi“: Tanzfilme im Kino und Onlineprogramm

Allerdings ist mittlerweile wieder Publikum zulässig, weswegen Fan das Festival als Hybrid neu dachte: Gezeigt werden Tanzfilme im Kino, gleichzeitig gibt es ein Onlineprogramm im Netz, nächstes Wochenende sind weitere Filme im Kraftwerk Bille zu sehen, und schließlich Fans eigene Live Performance „Bardo“ als Höhepunkt.

Der Eröffnungsabend versammelt schon ziemlich viele Spielarten dessen, was als Tanz auf der Leinwand möglich ist: Simone Wierøds suggestive Videoinstallation „Beyond“ steht neben der clipartigen, energiegeladenen Arbeit „Jontae“ von Siam Obregon und Kyana Lyne. Die an einen Spielfilm erinnernde Selbstermächtigungsparabel „Liwang (Illumination)“ von Noah Del Rosario und Rian Simon Magtaan neben dem dokumentarisch aufgebauten Projekt „I Don’t Walk, I Dance“ von Darren Tan Ter Loong.

Festivalatmosphäre kommt tatsächlich auf

Und dann gibt es noch einen Livestream, „Asterion’s Rooms / Dance Into The Web-Maze“ von Fedra Boscaro und Novissimo Bestiario, die ein fröhliches Spiel mit der Kachelästhetik von Zoom-Konferenzen und den Beschränkungen der zu Pandemiebeginn extrem populären Homedancing-Videos zeitgleich aus Italien in den Kinosaal des Metropolis übertragen. Und dabei auch noch ironisch die Möglichkeiten der Kamera erweitern.

Tatsächlich schaffen es Fan und ihre Co-Kuratorin Doria Worden, Festivalatmosphäre aufkommen zu lassen: durch klug geführte Künstlergespräche per Zoom, und durch sympathischen Kampf mit den Techniktücken. Und, wer weiß: Vielleicht ist das ja eine Strategie, längerfristig mit der Pandemie im Tanz umzugehen? Um die Sehnsucht nach Bewegung und Berührung nicht zu groß werden zu lassen?

„Tanzahoi“-Festival läuft bis 11. September, Infos: www.tanzahoi.org

( fks )