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Junges Schauspielhaus: Werther leidet jetzt im Internet

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2021 schreibt Werther keine Briefe mehr.

2021 schreibt Werther keine Briefe mehr.

Foto: punktlive / Junges Schauspielhaus

Goethes Briefroman in sehr aktueller Erfolgsfassung am Sonntag als Stream. Perfekt für die Zeit der Corona-Pandemie.

Hamburg.  Werther schreibt keine Briefe mehr. Was ein bisschen seltsam ist, als Titelheld in Goethes Briefroman, aber andererseits: Wer etwas mitzuteilen hat, verlässt sich im Jahr 2021 nur noch selten auf die Post. Der schreibt in sozialen Medien, auf Blogs, in Messenger-Gruppen. Und vermittelt auf diese Weise Verzweiflung, Verliebtheit und Überschwang wie in schönster Sturm-und-Drang-Zeit.

Die junge Regisseurin Cosmea Spelleken und die Gruppe punktlive haben den 1774 veröffentlichten Roman „Die Leiden des jungen Werthers“ als „werther.live“ konsequent für die digitale Bühne adaptiert: Die Figuren hängen in Videokonferenzen ab, diskutieren via Messenger, verlieben sich auf der Kleinanzeigen-Plattform.

Wie Kommunikation im Netz funktioniert

Ganz wie im echten Leben. Und das Publikum? Sieht auf dem Computerbildschirm, was Werther und seine Freunde so erleben. Das Ergebnis ist ein Theater, das einerseits die Vorlage ernst nimmt, andererseits aber auch verstanden hat, wie Kommunikation im Netz funktioniert. Perfekt für die Zeit der Corona-Pandemie, in der praktisch der gesamte Alltag ins Internet verschoben wurde.

„werther.live“ wurde schon vergangenen November uraufgeführt, in Karlsruhe, abseits der großen Theatermetropolen. Nennenswerte Pressereaktionen gab es damals keine, dafür aber eine Publikumsbegeisterung, die die Arbeit nach und nach bekannt machte. Und während sich der Ruf des Stücks via Mundpropaganda verbreitete, begann die Fachwelt, sich ebenfalls für Spellekens Inszenierung zu interessieren – bis hin zur „New York Times“, die „werther.live“ als „erfolgreiches Experiment in subjektivem Storytelling“ lobte.

Nur folgerichtig, dass große Bühnen und Festivals an dem Erfolg teilhaben wollen: Kommenden Sonntag präsentiert das Junge Schauspielhaus nun „werther.live“. Wer vorab in die Welt Werthers eintauchen möchte, kann sich schon mal auf Instagram mit den Figuren vernetzen.

„werther.live“ So 25.4., 20 Uhr, Tickets ab 5 Euro unter www.schauspielhaus.de

( fks )