Jazz-Saxofonistin

Der große Traum: einmal beim Elbjazz spielen

| Lesedauer: 4 Minuten
Heinrich Oehmsen
Saxofonistin Stephanie Lottermoser.

Saxofonistin Stephanie Lottermoser.

Foto: Boris Breuer

Saxofonistin Stephanie Lottermoser stellt ihr neues Album „Hamburg“ am 12. März bei einem Livestream aus dem Knust vor.

Hamburg.  Der Titel ihres aktuellen Albums klingt wie ein Statement. Oder wie ein Bekenntnis. „Hamburg“ hat die Jazz-Saxofonistin Stephanie Lottermoser ihr fünftes Album genannt, und dafür gibt es einen Grund: Die Musikerin stammt zwar aus dem bayrischen Wolf­ratshausen und tummelte sich jahrelang in der Münchner Szene, doch 2018 entschied sie sich, nach Hamburg zu ziehen.

„Ich habe 2014 ein halbes Jahr durch ein Stipendium in Paris leben können und die Metropole mit ihren Möglichkeiten genossen. In München bin ich anschließend nie mehr richtig angekommen und habe nach einem neuen Ort gesucht.“ 2017 sei sie dann wegen einer Veranstaltung in Hamburg gewesen, habe aus ihrem Hotelfenster in St. Georg über die Stadt geschaut und gedacht: „Hier will ich leben.“

Hommage an den US-amerikanischen Funk-Gitarristen Cory Wong

Ein paar Monate später kam Stephanie Lottermoser mit zwei Koffern und ihrem Saxofon in der Hansestadt an und lebte anfangs in einer möblierten Wohnung in der Langenfelder Straße. „Jetzt bin ich schon fast drei Jahre hier, und es fühlt sich gut an“, sagt sie.

Ihr neues Album, das sie Ende der Woche in einem Livestream vorstellt, beginnt mit einer zündenden Funk-Nummer, die sie als Hommage an den US-amerikanischen Funk-Gitarristen Cory Wong „Cory“ betitelt hat. Doch auf ein Genre festlegen lässt sich die junge Musikerin nicht. Sie mischt Funk, Soul, Jazz und Pop zu einer mitreißenden Melange und betätigt sich auch als Vokalistin.

Lottermoser leidet unter den Beschränkungen des Lockdowns

„Dieses Album ist wieder instrumentaler als der Vorgänger, auf dem ich sehr viele Nummern gesungen habe“, sagt sie. Zu finden sind hier auch zwei Coverversionen: „Within“ stammt von Daft Punk, einer Lieblingsband von Lottermoser, „Dreaming My Dreams With You“ hat der Country-Sänger Waylon Jennings geschrieben. „Es ist ein schlichter Song, aber manchmal braucht es einfach nicht mehr“, sagt sie. Eigentlich sollte „Hamburg“ schon im vergangenen Jahr erscheinen, doch die Corona-Pandemie verzögerte auch die Produktion des Albums.

Die wichtigsten Corona-Themen im Überblick

„Wir werden am 12. März ein Showcase im Knust spielen, aber das wird der einzige Auftritt zur Veröffentlichung sein. Diese Auftritte ohne Publikum sind kein Ersatz für richtige Konzerte“, findet sie. Wie viele ihrer soloselbstständigen Kollegen leidet auch Lottermoser unter den Beschränkungen des Lockdowns.

Die freie Zeit hat sie für intensives Üben genutzt

„Ich konnte seit einem Jahr keine Konzerte mehr spielen, die staatliche Unterstützung ist nicht ausreichend, weil eine Grundversorgung fehlt“, kritisiert sie. Wer wie Lottermoser und ihr Quintett normalerweise bis zu 120 Konzerte im Jahr gibt, dem fehlt inzwischen einiges auf dem Bankkonto. Viele Auftritte hat sie bereits zum zweiten Mal verschoben, doch sie hofft, dass es von Mitte August an wieder losgeht. „Wir haben zwar auch Anfragen für diesen April und Mai, aber das scheint mir nicht sehr realistisch.“

Die freie Zeit während der Pandemie hat sie für intensives Üben genutzt und an manchen Tagen sechs oder sieben Stunden auf ihrem Tenorsax geblasen. Auch zum Songschreiben blieb Raum. Ein besonders beeindruckendes Stück ist das balladeske „Morgen (Hamburg)“. „Ich saß an einem Morgen in meiner vorherigen Wohnung an der Fettstraße am Klavier, schaute aus dem Fenster und dachte mir. ,Wie gut, dass ich mich getraut habe, den Schritt nach Hamburg zu wagen.‘

Sie mag das Knust

Und plötzlich war die Melodie da“, erzählt sie. Dieses neue Stück wird sicher auch zum Repertoire beim Knust-Konzert gehören. „Das Knust ist ein toller Laden“, sagt Lottermoser. „In München gibt es solche Clubs gar nicht.“ In Hamburg hat sie bereits bei den Jazz Open in Planten un Blomen und im Birdland gespielt, ein Auftritt im Stage Club wurde wegen Corona abgesagt. Einen noch unerfüllten Hamburg-Traum hat Stephanie Lottermoser auch: „Einmal beim Elbjazz spielen.“

Stephanie Lottermoser: „Hamburg“, erhältlich u. a. unter stephanielottermoser.com Konzert Fr 12.3., 20.00, als Livestream. Karten zu 15 Euro unter www.knusthamburg.de