Literatur-Tipp

Zwei Ermittler, von denen man mehr lesen möchte

Baskische Tragödie

Baskische Tragödie

Foto: hoca / Hoffmann & Campe

„Dunkle Wolken über Alberta“ von Thomas King ist ein pointierter Krimi. Alexander Oetkers „Baskische Tragödie“ überzeugt.

Der in Kanada lebende Autor Thomas King hat indianisches Blut in seinen Adern, er ist der Sohn eines Cherokee und einer aus Deutschland stammenden Griechin. Er lehrte American Indian Studies an der University of Minnesota und an verschiedenen anderen Universitäten. Anlässlich der diesjährigen Frankfurter Buchmesse, dessen Gastland Kanada war, ist kürzlich der dritte Roman von Thomas King auf Deutsch erschienen: „Dunkle Wolken über Alberta“ (Dt. von Leena Flegler, Pendo-Verlag, 444 Seiten, 16 Euro) ist ein pointierter Kriminalroman, indianischer Abstammung ist der Protagonist, was schon der Name vermuten lässt, Thumps DreadfulWater heißt er.

Einst war er Polizist, jetzt ist er Fotograf – und wird doch in einen verzwickten Mordfall hineingezogen, weil er dem Sheriff des Ortes unter die Arme greifen soll. Es geht um indianisches Stammesgebiet, dort liegen tief unter der Erde offenbar umfangreiche Wasservorkommen, die Begehrlichkeiten wecken. Eine Firma hat ein Verfahren entwickelt, diese Vorkommen zu kartografieren, dann werden zwei der führenden Firmenmitarbeiter tot aufgefunden. Was nach Suizid aussehen soll, erweist sich im Zuge der Ermittlungen als Mord. Unter Verdacht geraten ein mächtiger, gleichwohl kunstsinniger Konzernboss, der in den Wasservorräten das große Geschäft zu wittern scheint und DreadfulWater auf seine Seite ziehen möchte, sowie sein muskelbepackter Bodyguard, ebenfalls ein ehemaliger Polizist. Doch DreadfulWater hat so seine Zweifel, die sich zu bestätigen scheinen, als es einen weiteren Mordfall gibt.

Thomas King hat einen großartigen Kriminalroman geschrieben, der mit ethnischen Vorurteilen ebenso virtuos spielt wie er in den punktgenauen Dialogen seinen trockenen Humor zu platzieren weiß. Und mit dem häufig zögerlichen Ermittler DreadfulWater hat King eine Figur geschaffen, von der man gern mehr lesen möchte.

Die Auflösung ist sehr raffiniert inszeniert

Commissaire Luc Verlain bekommt es in Alexander Oetkers Kriminalroman „Baskische Tragödie“ (Hoffmann und Campe, 282 Seiten, 16,90 Euro) mit einem Fall zu tun, der ihm gewaltig unter die Haut geht. An den Stränden der Aquitaine sind Drogen angeschwemmt worden, in Päckchen verpacktes weißes Pulver. Der kleine Lucien, fünf Jahre alt und sehr neugierig, hat beim Spielen im Sand das Pulver probiert, jetzt liegt er im Krankenhaus von Bordeaux, es besteht Lebensgefahr. Kurz darauf erhält Verlain einen Brief, der ihm auf unliebsame Weise eine viele Jahre zurückliegende Affäre wieder vor Augen führt. Der Brief stammt offenbar aus San Sebastian. Verlain macht sich auf den Weg ins Baskenland – und wird an der Grenze aus ihm unerfindlichen Gründen von der dortigen Polizei festgenommen. Verlain ist fassungslos, ist er sich doch keiner Schuld bewusst. Was er noch nicht ahnt: Der französische Commissaire droht das Opfer eines perfide eingefädelten Ränkespiels zu werden, doch ihm gelingt zunächst die Flucht aus dem Polizeigewahrsam. Damit allerdings nimmt das Übel erst seinen Anfang, denn Verlain muss sich auf dem schmalen Grat zwischen Leben und Tod behaupten.

Souverän entwickelt Alexander Oetker seine sehr komplexe, grenzübergreifende und gegen Ende auch actiongeladene Geschichte, in der er seinen Protagonisten von einer Extremsituation in die nächste geraten lässt. Die Auflösung ist sehr raffiniert inszeniert. Im Herbst kommenden Jahres erscheint Luc Verlains fünfter Fall.