Showkritik

First Stage: Show mit Hamburgs Antwort auf Whitney Houston

Pose und Stimme wie eine Soul-Diva: Mae Ann Jorolan, eine von sieben Mitwirkenden der Show „Comeback“ im First Stage Theater.

Pose und Stimme wie eine Soul-Diva: Mae Ann Jorolan, eine von sieben Mitwirkenden der Show „Comeback“ im First Stage Theater.

Foto: Dennis Mundkowski

Theater in Altona-Altstadt zeigt statt des Musicals „Footloose“ coronabedingt Revue mit sieben Darstellern, Weihnachtsshow erst 2021.

Hamburg.  „Footloose“!? Der Plakat-Aufsteller vor dem First Stage Theater verheißt echtes Musical. Rockt es hier, in Altona-Altstadt, etwa schon wieder? Nein, das hitträchtige Stück aus den 80ern ist um ein Jahr auf Juni und Juli 2021 verschoben. Dennoch spielt das barrierefreie Theater – erst im Frühjahr 2016 eröffnet – nach sieben Monaten Pause wieder.

Anstatt dass 23 Darsteller wie bei „Footloose“ antanzen, zeigen nun sieben glor-, teils glamourreiche von ihnen beim „Comeback – Highlights On Stage“. So lautet der Titel der Show, die Hausregisseur Dennis Schulze fürs First Stage, das nichts mit dem Musical-Multi Stage Entertainment zu tun, neu inszeniert hat.

Das Schöne: Mit Choreograf Adam M. Cooper hat er trotz der Abstands- und Hygieneregeln die vielseitigen Solodarbietungen gruppendynamisch und zeitgemäß angereichert. So gleicht die Revue nicht bloß einem Best-of-Programm von frisch ausgebildeten Bühnenprofis. Alle sieben hatten im Mai trotz der Corona-Beschränkungen ihre dreijährige Ausbildung an der Stage School mit Auszeichnung abgeschlossen, einige wie Robin Apostel und Niklas Heinrichs schon während dieser beim Musical-Dauerbrenner „Fame“ frühe Bühnenreife nachgewiesen.

Siebener Nummern – von Cole Porter bis Thomas Pigor

Die erste Siebener-Shownummer „Premierenfieber“ aus Cole Porters Musical-Klassiker „Kiss Me, Kate“ ist zwar schon 72 Jahre alt. Sie wirkt im First Stage aber fast so frisch wie „Kasse bitte“ – eine Nummer vom Berliner Chanson-Kabarettisten Thomas Pigor, bei der alle sieben Darsteller mit Stühlen (statt Einkaufswagen) hintereinandergereiht spielend und singend auf den Alltag im Supermarkt in Vor-Corona-Zeiten einzahlen.

„Am Seidenen Faden“ heißt es bei Farah Liss: Aus einer (Spielzeug-)Kiste kletternd, zeigt sie als Puppe ihr Können in Streetdance sowie ihre Gesangsstärke, um zu Sandie Shaws Uralt-Schlager „Puppet On A String“ auch reifere Semester zu erreichen. Ebenso beeindruckt ihr Duett beim Lied „Flight“ mit Mae Ann Jorolan. Die wirkt bei „One Night Only“ wie Hamburgs junge Antwort auf Whitney Houston, bei jenem Song zusätzlich unterstützt von Meltem Ürküt und Lisa Wissert.

„Herzblatt“-Parodie mit lispelndem Gesang

Letztere überzeugt in ihrer Parodie auf die ehemalige ARD-Kuppel-Show „Herzblatt“, Lisa Wissert verkörpert alle drei Kandidatinnen und singt sogar lispelnd. Bei den Männern komödiantisch nur übertroffen von Niklas Heinrichs als Udo Rosa, einem tuntig-überheblichem Friseur mit Mittelscheitel, und dessen „Stars in der Porzellanabteilung“. Zwischen ihm und Thomas Gottschalk seien es auf dem Klo „nur“ zwölf Meter Abstand gewesen, Conchita Wurst und ihrem ESC-Siegertitel „Rise Like A Phoenix“ kommt Heinrichs indes gesangstechnisch noch näher.

Apropos Wurst: Eine feine mit Curry bringt das Gastroteam des auf etwa 90 statt 280 Plätze limitierten First Stage Theaters jetzt auf die montierten Tischchen vor den freien Sitzreihen, ebenso Getränke. Die wackeln zwar, fallen jedoch nicht, als Lisa Wissert, Farah Diss und Emmanuel L. Duarte eine mitreißende, poppige Stepp-Nummer („Blinding Lights“ vom R-’n’-B-Star The Weeknd) mit Leuchtröhren und zu stimmigen Lichteffekten aufs Parkett legen.

Weihnachtsshow mit mehr als 40 Mitwirkenden – 2020 nicht machbar

„Zugabe!“ ruft nach der letzten Ensemble-Nummer „Freedom 90“ ein begeisterter Zuschauer in Reihe 2. Der Wunsch des Rollstuhlfahrers bleibt aus Zeit- und Hygienegründen – die Show ist auf 80 Minuten begrenzt – unerfüllt. Im Foyer ist er jedoch der Erste, der einen Geldschein in die Box wirft – solidarische Soforthilfe. First-Stage-Chef Thomas Gehle hatte zuvor darauf hingewiesen, dass das Theater den sieben Darstellern und Pianistin Marina Komissartchik nur eine geringfügige Gage zahlen könne.

Und weil die in den Vorjahren fast immer ausverkaufte Weihnachtsshow im First Stage mit mehr als 40 Mitwirkenden 2020 nicht machbar ist, wurde auch sie bereits auf 2021 verschoben – in der Hoffnung, dass die große Show im kleinen Haus dann weitergeht und Hamburgs Musical-Oase überlebt.

„Comeback – Highlights On Stage“ bis 29.11., Fr/Sa/So jew. 19.30, Sa/So auch 16.00, First Stage Theater (Bus 37, 112), Thedestr. 15, Karten ab 36,-: T. 401 13 27 27; www.firststagehamburg.de