Auf die Ohren

Neues von Bill Callahan, Sufjan Stevens und IDLES

Sänger Sufjan Stevens.

Sänger Sufjan Stevens.

Foto: Getty Images

CD-Empfehlungen: Zwei grandiose Neuerscheinungen und eine herbe Enttäuschung.

Hamburg. Gibt es einen schöneren traurigen Song als diesen von Bill Callahan bislang in diesem Jahr? „The Mackenzies“: Ein jüngerer Mann hat eine Panne. Praktischerweise direkt vor seinem Haus. Aber er kriegt die Karre nicht mehr zum Laufen. Der Nachbar kommt raus und sagt, so geht das nicht – und lädt („It’s almost beer-thirty“) den jüngeren Mann ein.

Und der jüngere Mann geht mit in sein Haus, isst, legt sich nieder. Im Zimmer hängen Fotos eines Jungen, „I could tell by his eyes that he had died/Some time ago/And his room kept alive.“ Er schläft ein, und als er aufwacht, ist es Nacht. Die Mackenzies stehen an der Tür, „It’s okay, son, son, we’re okay, we’re okay.“ „Gold Record“ (Drag City, CD ca. 17 Euro) heißt Callahans neues Soloalbum, und pures Liedgold findet sich hier. Callahans spröder Bariton klingt besser und besser, und alles, was er braucht, ist eine Akustikgitarre.

Sufjan Stevens, soeben aus Brooklyn weg und aufs Land gezogen – dort fährt er jetzt angeblich Traktor –, lässt die Gitarre diesmal im Lagerraum. „The Ascension“ (Asthmatic Kitty, CD ca. 16 Euro) ist ein lupenreines Elektroalbum, weitaus mehr noch als „The Age of Adz“ von vor zehn Jahren. Fast anderthalb Stunden ist dieser düstere Traum lang, der Amerika beerdigt im Endlos-Song „America“ und in dem es in einem anderen Song monoton heißt: „I wanna die happy.“

Poppiger als in „Video Games“ war der 45-jährige Singer-Songwriter wahrscheinlich nie, und so einen langen Atem mit diesem Epos von einem Album man diesmal auch haben muss: Es ist, einmal mehr, die Arbeit eines wahren Meisters. Und der schroffe Gegenpunkt zum Indieliebling „Carrie & Lowell“, dessen Songs unzählige Male den Soundtrack für Filme und Serien bildeten. „The Ascension“ ist ganz anders, aber genauso grandios.

Grandios überschätzt ist die aus Bristol stammende Band IDLES, deren Punk-Entwurf vor allem nämlich eines ist: ex­trem langweilig. Wie jeder weiß, ist die derzeit beste Rockband der (Indie-)Welt Fontaines D.C. aus Dublin, eine Band, die poetisch und wahrhaftig ist in Sound und Text. IDLES’ neue Platte heißt „Ultra Mono“ (PIAS, CD ca. 15 Euro) und ist also im Titel schon so sloganesk wie zuletzt „Joy As An Act of Resistance“.

Das Problem ist die Bemühtheit, catchy und diskursiv zu sein. Es reicht nicht, sich den Charakter einer feministischen Punkband zu geben, wenn der Sound so dermaßen lahm klingt. Oder ist Hardcore einfach so?