Auf die Ohren

Platten der Woche: Fontaines D.C. und My Morning Jacket

Fontaines D.C. - "A Hero's Death"

Fontaines D.C. - "A Hero's Death"

Foto: Pias/Ato (Rough Trade)

Zweites Album „A Hero’s Death“ ist genauso formidabel wie der Vorgänger. Auf „The Waterfall II“ sind die Songs jetzt ruhiger.

Hamburg. Alternde Rockmusikfans erkennt man unter anderem daran, wie hektisch sie auf die raren Momente echten Entdeckerglücks reagieren – meistens mit völligem Euphorieüberschuss, der mindestens im sofortigen Kauf (Vinyl! Limited Edition!) des betreffenden Albums mündet. 2019 ging das im lahmen Indierock vielen so.

Plötzlich bejubelten alle alten, aber natürlich, viel wichtiger, auch alle jungen Hörerinnen und Hörer das Debüt der Dubliner Postpunkband Fontaines D.C. – auf das Funken sprühende „Dogrel“ hatte man sehnsüchtig gewartet. Der „Guardian“ gab fünf Punkte. Zu Recht, es war ja auch das perfekte Album. Nun gibt es gute Nachrichten von der Gitarrenfront.

„A Hero’s Death“ ist genauso formidabel wie der Vorgänger

Das zweite Album ist da, es heißt „A Hero’s Death“ (Rough Trade, CD ca. 15 Euro) und ist genauso formidabel wie der Vorgänger. Strokes, New Order, Interpol, Ian Curtis, das sind so die Referenzen, die einem einfallen. Das hier wieder geile Rockerbässe zu hören sind, ein hinreißender Schlagzeuger und rasend gute Gitarrenarbeit, täuscht nicht darüber hinweg, dass der USP der Band Grian Chattens Gesang ist, der vom Singen immer halb ins Sprechen gerät. „A Hero’s Death“ hat mehr Balladen als der Vorgänger, und im Video zur gleichnamigen Vorabsingle spielt Aidan Gillen mit. Fontaines D.C. ist eine im Wachsen begriffene Band, ihr Erfolg wird groß sein. Wenn wieder Festivals sind oder schweißtreibende Rock-’n’-Roll-Ferkeleien in ranzigen Clubs, werden sich unter all die Jungen, Schönen, denen die Welt gehört, noch mehr Ergrauende mischen. Seid nett zu ihnen.

My Morning Jacket gibt es jetzt schon seit mehr als zwei Jahrzehnten

Apropos Zahn der Zeit. My Morning Jacket aus Louisville, Kentucky, gibt es jetzt schon seit mehr als zwei Jahrzehnten. Da sind die Zeiten, in denen man als aufregend gilt, sehr, sehr lange vorbei. Das ist bei Bands nicht anders als bei den Menschen, die diese Bands hören. Tragischerweise hat man im Falle der zwischen Southern Rock, Psychedelia und sonstigem Americana verorteten Band um Sänger und Gitarrist Jim James zuletzt gar nicht mal mehr bemerkt, wie lange das im Übrigen sehr gute „The Waterfall“ schon her ist.

Fünf Jahre. Eine lange Absenz, die jetzt vorbei ist – und doch wieder nicht. Denn wenn jetzt „The Waterfall II“ (CD ca. 15 Euro) erscheint, ist das nichts weiter als eine Veröffentlichung von Liedern, die damals übrig blieben. Im Corona-Lockdown fiel den Musikern ein, dass es noch ein paar Nummern gibt, die es nicht auf den Original-Wasserfall schafften. Wer das kontemplative „Waterfall II“ hört, weiß warum: Die Songs sind ruhiger, vor allem aber haben sie nicht ganz das Niveau der anderen Songs. Was nicht heißt, dass sie schlecht wären; sie sind aber mehr eine Erinnerung, mal wieder „The Waterfall“ zu hören.