Altonaer Museum

Traumadresse fürs Lesenlernen: Literaturhaus für Kinder

Dagmar Gausmann, die Leiterin des Kinderbuchhauses im Altonaer Museum.

Dagmar Gausmann, die Leiterin des Kinderbuchhauses im Altonaer Museum.

Foto: Roland Magunia / Roland Magunia/Funke Foto Services

Anfang 2022 wird das Kinderbuchhaus von Dagmar Gausmann in größere Räume im Erdgeschoss des Altonaer Museums ziehen.

Hamburg. Es war der allerletzte Punkt auf einer langen Tagesordnung: Am Mittwochabend hat die Hamburgische Bürgerschaft einem Antrag von SPD und Grünen zugestimmt und den Umzug des Kinderbuchhauses im Altonaer Museum beschlossen. Damit ist der Weg frei für ein zweites, kleines „Literaturhaus“, nämlich eines für Kinder: Seit 15 Jahren „bewohnt“ die Institution als Gast das zweite Obergeschoss des Museums. Ziemlich versteckt und verschachtelt sind die jetzigen Räume, in denen schon kleinsten Kindern die Welt der Bilderbücher durch Vorlesen, Ausstellungen und Werkstattangebote nähergebracht wird.

Nun wird der „Traum von einer festen Adresse wahr“, sagt Leiterin Dagmar Gausmann. Anfang 2022 soll das Kinderbuchhaus ins Erdgeschoss ziehen – dort, wo aktuell das Museumsarchiv untergebracht ist. Künftig werden dem Haus 210 Quadratmeter Fläche zur Verfügung stehen. „Es wird ein ganz neues Raumerlebnis sein“, schwärmt die Kunsthistorikerin. „Mit großen Fenstern zum Park und zur Museumstraße hin, außerdem barrierefrei. Wir werden besser sichtbar sein und uns mehr zur Stadtgesellschaft hin öffnen.“

Lesenlernen im neuen Literaturhaus für Kinder

Bis hierhin war es ein langer Weg. Erste Ideen, die zweite Etage für das Kinderbuchhaus umzubauen, kamen schon 2013 einmal auf, als Hans-Jörg Czech Direktor des Altonaer Museums wurde. Die Hamburger Architektin Sibylle Kramer, die häufig für die Stiftung Historische Museen arbeitet, führte gründliche Analysen durch, die Statik stellte die größte Herausforderung dar.

Doch zur Umsetzung sollte es damals nicht kommen. Anja Dauschek kam als neue Direktorin – und hatte eigene, andere Pläne. Dass sie nun „mit viel Fantasie all das umsetzen kann, was vor einigen Jahren schon mal geplant worden war“, freut Dagmar Gausmann daher um so mehr. Auch, dass Sibylle Kramer wieder an Bord ist.

2005 entstand die Idee zum Kinderbuchhaus

Angefangen hat Gausmann mit einem 55 Quadratmeter kleinen Raum, 4000 Euro Fördergeld und einer großartigen Idee. Die trug sie 2005 im Rathaus vor und fand in der damaligen Kultursenatorin Karin von Welck schnell eine Verbündete. Auch den jetzigen Kultursenator musste die Gründerin nicht überzeugen.

Im Gegenteil: Die Unterstützung durch die Kulturbehörde, insbesondere durch Carsten Brosda und Staatsrätin Jana Schiedek, war immer groß. Man habe eher Überzeugungsarbeit in Richtung Schulbehörde leisten müssen. Grundsätzlich aber sei die politische Landschaft noch nie so bereit dafür gewesen, eine bessere, nachhaltigere Leseförderung von Kindern, auch durch außerschulische Bildungseinrichtungen wie dem Kinderbuchhaus, zu unterstützen. „Wir werden gehört“, so Gausmann.

Aus einem anfänglich kleinen Programm sind mit der Zeit 15 große Ausstellungen rund um Illustrationskunst entstanden, darunter „einfach ligneal – Ole Könneckes Bildergeschichten“. Der Hamburger Autor Torben Kuhlmann wurde durch die Ausstellung „Kleine Mäuse, große Schritte“ einem breiteren Publikum bekannt. Besonders der lebendigen Hamburger Illustratoren-Szene bietet das Kinderbuchhaus ein Forum für Austausch und Präsentation. 2019 wurde in Altona erstmals der Hamburger Bilderbuchpreis an Ulrike Jänichen aus Halle verliehen. Die Ausschreibung dafür lief weltweit.

2018 kamen 1880 Schulkinder zu Besuch

Bei alldem ist Dagmar Gausmann ihrem Leitmotiv seit der Gründung treu geblieben: „Das Lesenlernen beginnt mit dem Lesen der Bilder.“ Kitas, Schulklassen und Familien profitieren von dem vielschichtigen Programm. Es bietet Lesungen, Buchpräsentationen, Kurse zu kreativem Schreiben, szenischem Spiel oder chorischem Singen an; hinzu kommen Illustrations- und Buchbindewerkstätten. Allein 2018 besuchten 1880 Schulkinder das Kinderbuchhaus.

Kinder „spielerisch und über Bilder den Zugang zum Lesen“ zu vermitteln sei für die SPD-Bürgerschaftsfraktion eine „Herzensangelegenheit“, sagt deren kulturpolitische Sprecherin Isabella Vértes-Schütter. „Denn Lesen macht großen Spaß und ist eine Grundvoraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe.“ René Gögge, kulturpolitischer Sprecher der Grünen Bürgerschaftsfraktion, ergänzt: „Kürzlich feierte Hamburg die Verleihung der Ehrenbürgerschaft an Kinderbuchautorin Kirsten Boie und rückte damit die Leseförderung von Kindern ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Mit unserem Antrag knüpfen wir an diese wichtige Aufgabe an und unterstützen die sehr erfolgreiche Arbeit des Kinderbuchhauses, um ihm einen Sprung nach vorn zu ermöglichen.“

Im Oktober sollen die Umbauarbeiten beginnen

Der Umzug und die damit verbundenen Umbauten werden insgesamt 870.000 Euro kosten. Davon trägt die Behörde für Kultur und Medien 250.000 Euro, aus dem Sanierungsfonds der Stadt kommen 395.000 Euro dazu. Die restlichen 225.000 Euro übernimmt die private Bodo-Röhr-Stiftung, die auch die Finanzierung des Betriebs für die kommenden vier Jahre zugesichert hat. All das sei eine „große Wertschätzung ihrer Arbeit“, so Dagmar Gausmann, die sich noch an andere Zeiten erinnert, als man „um das Geld härter kämpfen musste“. Hätte sie jetzt noch einen Wunsch frei, so wäre das die dauerhafte Aufnahme des Kinderbuchhauses in die städtische Förderung.

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Bis zum Einzug in die neuen Räume wird eine Interimsflächen im Hörsaal des Museums geschaffen; die Ausstellung zum Hamburger Bilderbuchpreis wird noch bis zum Sommer gezeigt, und auch die Bildungsangebote für Kitas, Schulen und Familien werden weiter laufen wie bisher. Im Oktober sollen dann die Umbauarbeiten beginnen und der Umzug vorbereitet werden. „Das wird noch einmal viel Zeit in Anspruch nehmen“, sagt Dagmar Gausmann.