Literatur

"Dichtung ist in Schottland sehr lebendig" – auch in Hamburg

Louise Welsh, die am Donnerstag in Hamburg liest, ist die Cousine von Irvine Welsh.

Louise Welsh, die am Donnerstag in Hamburg liest, ist die Cousine von Irvine Welsh.

Foto: imago stock / imago/Leemage

Autorin Louise Welsh liest und lehrt bald zum Thema "Scottish Literature Now!" Mehr zu ihrem dreitägigen Workshop in Hamburg.

Hamburg.  Louise Welsh ist eine schottische Krimiautorin und Universitätsprofessorin, die seit 35 Jahren in Glasgow lebt. Dort spielen ihre Bücher, dort unterrichtet sie an einer Universität kreatives Schreiben. In Hamburg leitet sie von heute an ein dreitägiges Seminar unter dem Titel „Scottish Literature Now!“, das der British Council veranstaltet. Am Donnerstag liest Welsh um 19.30 Uhr im Literaturhaus.

Abendblatt: Schreiben Sie Krimis, weil Sie so eine dunkle Seele haben?

Louise Welsh: Krimis sind ein starkes Genre, wenn man sich mit Aspekten der Gegenwart auseinandersetzt. Mich interessiert nicht so sehr der Vorgang des Verbrechens, sondern Menschen, die in Situationen geraten, in denen sie eine moralische Entscheidung treffen müssen.

Außer Ihnen selbst nehmen am Seminar auch noch die Autoren Mary Paulson-Ellis, Malachy Tallack, Kirsty Logan and Jay G Ying teil. Haben sie, abgesehen von der Tatsache, dass sie für schottische Literatur stehen, noch etwas gemeinsam?

Louise Welsh: Ich habe nicht nach Gemeinsamkeiten gesucht, was nicht heißt, dass wir am Ende nicht doch welche finden. Sie sind alle noch noch relativ jung im Geschäft, aber ich bin mir sicher, dass man über ihre Texte auch in zehn Jahren noch sprechen wird.

Was ist der Unterschied zwischen schottischer und englischer Literatur?

Louise Welsh: Sie beeinflussen sich gegenseitig sehr stark. Ich will da nicht zu sehr differenzieren, aber unsere Geschichte ist natürlich ziemlich unterschiedlich. Auf die schottische Literatur hat die deutsche einen großen Einfluss gehabt. So haben zum Beispiel die Bücher von E.T.A Hoffmann Spuren im Werk von Sir Walter Scott hinterlassen. Scott hat sogar Deutsch gelernt, um Hoffmann übersetzen zu können. Spuren dieser Internationalität kann man aber auch bis in die Gegenwart finden.

In Deutschland feiert man gerade den 250. Geburtstag von Friedrich Hölderlin. Auch der schottische Nationaldichter Robert Burns hat im 18. Jahrhundert gelebt. Welche Rolle spielt er heute noch?

Louise Welsh: Jedes Jahr am 25. Januar wird im ganzen Land die „Burns Night“ gefeiert. Man trifft sich dann, um seine Gedichte zu lesen oder seine Lieder zu singen. Manchmal sind es nur zwei oder drei Leute, manche Feste sind aber auch riesig. Wir haben zusammen mit 20 Gästen im Haus einer Freundin gefeiert. Es war eine internationale Gesellschaft, nicht nur Schotten. Aber auch wenn Sie an einem anderen Tag nach Glasgow kommen, können sie oft zwischen drei oder vier Veranstaltungen wählen, bei denen Texte oder Gedichte von Autoren der Gegenwart gelesen werden. Dichtung ist in Schottland sehr lebendig. Man kann auf schwierige Zeiten ja auch mit Poesie und Prosa reagieren.

Gleich Ihr erster Roman, der auf Deutsch unter dem Titel „Dunkelkammer“ erschienen ist, war sehr erfolgreich und wurde in 20 Sprachen übersetzt. Die Filmrechte soll ihr Cousin Irvine Welsh, bekannt als Autor des Romans „Trainspotting“, erworben haben. Kommt dieser Film noch zustande? Und teilen sie Irvines schonungslosen Blick auf die Gesellschaft?

Louise Welsh: Ich weiß gar nicht, was da der Stand der Dinge ist, hoffe aber immer noch, dass der Film gedreht wird. Vielleicht wird das Honorar ja einmal meine Rente. Irvine und ich können uns auf viele Dinge einigen. Ich mag den Humor in seinen Büchern. Schonungslosigkeit muss gut ausbalanciert sein, sonst würde niemand solche Bücher lesen. Die Leute würden ja total deprimiert werden.

Apropos: Wie denken Sie, wie denken Ihre Kollegen über den Brexit?

Louise Welsh: Wir sind darüber sehr traurig. Der Brexit ist in Schottland überhaupt nicht beliebt, wir haben ja auch dagegen gestimmt. Am Tag des Austritts sind einige Leute aus Protest einfach früher ins Bett gegangen. Über dem schottischen Parlament weht auch immer noch die Europa-Flagge. Mit dieser Traurigkeit geht aber auch das Bekenntnis einher, immer noch ein Teil Europas zu sein. Auch unsere Universitäten haben das ganz klar gemacht. Mal sehen, welchen Einfluss das auf Schottlands Zukunft hat.

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Was sollte die Erste Ministerin Nicola Sturgeon jetzt also unternehmen?

Louise Welsh: Sie ist immer eine gute Zuhörerin gewesen und eine Politikerin, die nicht sprunghaft, sondern mit Augenmaß agiert. Sie sollte die Türen offenhalten. Es geht hier ja um Dinge, die das Leben der Menschen verändern können. Wir sind doch viel cleverer, wenn wir zusammenarbeiten.

Do 13.2., 19.30, Literaturhaus (Bus 6, 17), Schwanenwik 38, Eintritt 12,-/8,-. Folgen Sie dem Seminar online unter dem Hashtag #BritLitHamburg