Kino in Hamburg

Das sind die Menschen hinter dem Lindenberg-Film

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Jan Bülow als Udo am Set von "Lindenberg! Mach Dein Ding".

Jan Bülow als Udo am Set von "Lindenberg! Mach Dein Ding".

Foto: Jens Krick / picture alliance / Geisler-Fotopress

Am Dienstag feiert „Lindenberg!“ Premiere. Eine Zeitreise in die frühe Vergangenheit des legendären Hamburger Musikers.

Hamburg.  Der Hut, die Sonnenbrille, die grünen Strümpfe? Hat sich der Star erst später hinzuerfunden. Im Kinofilm „Lindenberg! – Mach dein Ding“, der am 7. Januar in Hamburg Weltpremiere feiert, wird die Vorgeschichte erzählt. Eine Zeitreise in Udo Lindenbergs frühe Vergangenheit, die teils in Gronau, teils in Hamburg auf dem Kiez und teils sogar in der Wüste spielt. Sie beginnt in seiner Kindheit und endet mit dem ersten Konzert in der Musikhalle, das für ihn 1973 den Durchbruch bedeutete. Das Drehbuch schrieben Alexander Rümelin, Christian Lyra und Sebastian Wehling.

Der Film wird am kommenden Dienstag in allen acht Sälen im Cinemaxx Dammtor gezeigt, nur für einen Saal gibt es noch Restkarten. Das dürfte damit die bislang größte Hamburger Kinopremiere werden. Am 16. Januar wird der Film dann mit mehr als 500 Kopien an den Start gehen. In weiteren Rollen sind zu sehen: Max von der Groeben (Steffi Stefan), Detlev Buck (Mattheisen), Ruby O. Fee (Paula), Ella Rumpf (Susanne) und Saskia Rosendahl (Petra). Gedreht wurde der Film in Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und in Marokko.

„Lindenberg – der Film“ macht den Mythos vermarktungstechnisch komplett und ergänzt unter anderem „Lindenberg – das Musical“ (in der Regie von Ulrich Waller), „Lindenberg – das Buch“ („Udo“ von Thomas Hüetlin erschien 2018), „Lindenberg – der Erlebnisparcours“ (die „Panikcity“ am Spielbudenplatz). Auch als Maler der legendären „Likörelle“ ist Udo Lindenberg keineswegs nur im Hotel Atlantic präsent: Im Museum für Kunst und Gewerbe etwa war die Lindenberg-Ausstellung 2012 mit 70.000 Besuchern ein großer Erfolg. Einen limitierten Kunstdruck mit persönlicher Widmung gibt es für 2995 Euro in der Abendblatt-Geschäftsstelle.

Das Original

Udo Lindenberg gilt mittlerweile als lebende Legende und Ikone der deutschen Rockmusik. Angeblich hat der Wahl-Hamburger im Verlauf seiner langen Karriere in Deutschland mehr als 4,4 Millionen Tonträger verkauft. An den Vorbereitungen zu diesem Film war er intensiv beteiligt. Dabei soll er, laut Michael Lehmann, dem Team zwar viele Freiheiten gelassen haben, „aber er hat trotzdem aufgepasst, dass ein Film entsteht, der dieser Marke ,erfolgreichster Rockmusiker Deutschlands‘ gerecht wird“. Daher war es auch nur konsequent, dass er der Erste war, der den fertigen Film zu sehen bekam. Zum Biopic hat Lindenberg einen neuen Song beigesteuert: „Niemals dran gezweifelt“, den er am Ende vor den Kameras selbst singt. Ab Mai will der 73-Jährige wieder auf Tournee gehen.

Die Regisseurin

Natürlich kannte Hermine Huntgeburth schon vor diesem Film das Lindenberg-Album „Hermine“, das der Rocker seiner Mutter gewidmet hat. Die Recherche für ihren ersten Musikfilm brachte eine überraschende Erkenntnis für sie: „Was ich toll finde, ist, dass alle denken, er käme aus Hamburg, obwohl er aus Nordrhein-Westfalen stammt. So wie ich auch.“ Die Regisseurin kommt aus Paderborn, lebt aber schon lange in der Hansestadt. Sie ist eine der erfolgreichsten Frauen in diesem Metier und hat schon in den vergangenen 30 Jahren in vielen unterschiedlichen Genres ihre Vielseitigkeit unter Beweis gestellt. Zu ihren erfolgreichen Filmen zählen „Die weiße Massai“, „Effi Briest“, „Tom Sawyer“, „Die Abenteuer des Huck Finn“, „Neue Vahr Süd“, „Tatort: Tödliches Comeback“ und „Teufelsbraten“.

Der Produzent

„Seit ich ein musikalisches Gedächtnis habe, bin ich ein Fan von Udo Lindenberg“, sagt Michael Lehmann, Produktionschef von Studio Hamburg. Sieben Jahre lang hat er mit den Beteiligten an der Vorbereitung dieser aufwendig gestalteten Produktion gearbeitet, die ein Musikfilm und zugleich eine Zeitreise durch die junge Bundesrepublik ist. Für den Medienmanager, der aus Rostock stammt, ist Lindenberg nicht nur Musiker. „Da war immer auch dieses politische Gewissen, das bei ihm für uns mitgeschwungen hat.“ Wie bei fast jedem Film in dieser Dimension – dieser hatte ein Budget von neun Millionen Euro – galt es Schwierigkeiten zu überwinden, aber am Ende klappte es. „Irgendwann haben wir ihm sogar mal das Drehbuch vorgelesen. Das war ein Highlight in meinem beruflichen Leben.“

Der Udo-Darsteller

Jan Bülow ist bislang in erster Linie Theaterbesuchern ein Begriff. Der erst 23 Jahre alte Schauspieler stand schon als „Hamlet“ in Zürich auf der Bühne und spielt zurzeit am Wiener Burgtheater in „Die Edda“ (gastiert am 18. und 19. Januar am Thalia Theater) und „Vögel“. Vor drei Jahren war er in Christian Alvarts Netflix-Serie „Dogs Of Berlin“ zu sehen. Nach dem Ende der Lindenberg-Dreharbeiten kaufte der Schauspieler der Produktion die Stiefeletten („rote Zauberschuhe“) ab, die er für seine erste große Kinorolle getragen hatte. Die Songs in „Lindenberg“ hat Jan Bülow selbst eingesungen – und auch eigens das Schlagzeugspielen erlernt.

Die Starbesetzung

Die Nebenrollen sind prominent, aber nicht in jedem Fall absolut zwingend besetzt: Schauspielhaus-Ensemblemitglied Charly Hübner spielt Udos herrischen, alkoholsüchtigen Vater – und er tut das, wie fast alles, was Hübner so vor der Kamera und auf der Bühne anstellt: ziemlich brillant.

Udos verehrte und herzensgute Mutter wird im Film von Julia Jentsch gespielt – was zu Beginn hervorragend funktioniert, allerdings später, wenn Udo erwachsen ist und Jentsch (Jahrgang 1978) trotz Maskenbildnerarbeit immer noch sehr jung wirkt, etwas irritiert.

Talentsucher Mattheisen, ein sonnenbebrillter Kerl im weißen Angeber-Anzug, ist eine Figur aus den Hoch-Zeiten der Plattenindustrie. Eine Paraderolle für Schauspieler und Regisseur Detlev Buck („Männerpension“), der dem Affen hier ordentlich Zucker geben darf

Die Kostümbildnerin

„Wir haben eigentlich drei Filme gemacht. Einer spielt in den 50ern in Gronau, einer in den 60ern in Düsseldorf und Libyen und einer in den 70ern in Hamburg“, sagt Kostümbildnerin Sabine Böbbis. Sie musste in den Kostümen für die Schauspieler eine enorme Bandbreite abbilden. „In England brannte schon der Busch, da wurde hier immer noch Grau getragen.“ Aber dann wurden auch hier die Kleidung bunter und die Röcke kürzer. Um möglichst authentische Kostüme präsentieren zu können, durchstöbert die Kostümbildnerin Archive, Ausstellungen, aber besonders gern auch private Fotosammlungen. Alles kommt nachher auf eine große Fotowand. „Kostümbildner sind Schuhanzieher für die Schauspieler in ihren Rollen“, sagt sie. Das Lindenberg-Biopic ist bereits Böbbis’ 13. Huntgeburth-Film.

Die Förderin

Finanziell unterstützt wurde der Film unter anderem von der Filmförderung Hamburg Schleswig-Hostein. Sie bewilligte eine Summe von 750.000 Euro. Verantwortlich dafür war die damalige Amtsinhaberin Maria Köpf, Vorgängerin des jetzigen Geschäftsführers Helge Albers. Köpf war zunächst Produzentin bei X Filme Creative Pool und dort u. a. für Tom Tykwers „Der Krieger und die Kaiserin“ verantwortlich. Von dort wechselte sie zur Berliner Dependence der dänischen Produktionsfirma Zentropa, 2016 kam sie zur Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein. In ihrer Ägide entstanden Maren Ades „Toni Erdmann“, Fatih Akins „Aus dem Nichts“ und Emily Atefs „3 Tage in Quiberon“. Im April 2019 wurde Maria Köpf Co-Chefin der Deutschen Filmakademie.

( HA )