Hamburg

Gelebte Völkerverständigung auf der Elbphilharmonie-Bühne

Mitglieder des Bundesjugendorchesters (Archivaufnahme).

Mitglieder des Bundesjugendorchesters (Archivaufnahme).

Foto: Selina Pfruener

Das Bundesjugendorchester gastierte zum Abschluss seiner Jubiläums-Tournee im Großen Saal. Aber der Dirigent war etwas grob.

Hamburg.  Am Schluss wurde es ein wenig pathetisch. Dirigent Alexander Shelley dankte den Mitgliedern des technisch toll aufspielenden Bundesjugendorchesters (BJO), er dankte dem Publikum und schwärmte von dem Projekt. Recht so! Denn tatsächlich sind die Musiker zwischen 14 und 19 Jahren beste Botschafter von Musik, Kultur ihres Landes, Freundschaft und Völkerverständigung. 2019 feiert das BJO seinen 50. Geburtstag mit gleich drei Tourneen.

Die letzte führte nach Südafrika, der Abschluss fand mit einem umjubelten Konzert in der Elbphilharmonie statt. Partner in Südafrika ist eine Bildungseinrichtung für klassische Musik, Jazz und mehr: MIAGI, und besser als die Übersetzung – Musik ist eine große Investition – kann man die Idee eines Jugendorchesters kaum ausdrücken.

Einen Gang zurückschalten

Südafrikanisches gab es auch als musikalischen Startschuss für das Konzert: Waltons „Johannesburg Festival Overture“, ein effektvolles Auftragswerk zum 70-jährigen Bestehen der Stadt, afrikanische Themen und Instrumente inklusive. Ratternde Rasseln, röhrende Tuba, zischende Flötenblitze, eine geballte Ladung Energie jagte durch den Saal, staunenswert die Virtuosität. Nur hätte Dirigent Alexander Shelley angesichts der empfindlichen Elbphilharmonie-Akustik doch eher einen Gang zurückschalten und für bessere Balance sorgen sollen. Das gilt für das ganze Konzert.

Es geht auf die Kappe des Dirigenten, wenn manche Instrumenten-Gruppen nicht hörbar sind. Dabei war der Zugang zur ebenfalls schwungvollen Musik von Gershwins „Symphonic Pictures“ aus „Porgy and Bess“ fast etwas zu intellektuell.

Swing kam mühsam in Gang

Shelley neigte zum kleinteiligen Ausdirigieren von musikalischen Linien. Da geriet der große Bogen dann ins Hintertreffen. Zwar vermittelte sich beim Abschnitt im berühmten „Summertime“ mit gut gemischten Klangfarben sehr authentisch die schwül-laszive Sommerstimmung.

Doch der so nötige Swing etwa bei „I Got Plenty o’ Nuttin’“ kam nur mühsam in Gang. Trotzdem hatte man seinen Spaß am engagierten, hochklassigen Spiel der jungen Musiker. Die konnten nichts dafür, dass der Dirigent nach der Pause Brahms’ schwelgerische 2. Sinfonie reichlich sportiv, ja fast grob anging. Etwas mehr Eleganz verträgt diese Musik schon. Man muss sie nur vom Orchester verlangen.