Regencapes statt Mönchskutten

"Der Name der Rose" fällt nach der Hälfte ins Wasser

Auf den Domstufen unterhalb von Mariendom (l) und Severikriche (r) fand die Uraufführung des Musicals statt. 

Auf den Domstufen unterhalb von Mariendom (l) und Severikriche (r) fand die Uraufführung des Musicals statt. 

Foto: dpa

In Erfurt muss am Freitag die erste Musicalfassung von Umberto Ecos "Der Name der Rose" wegen starken Regens vorzeitig abgebrochen werden. Wirklich fesseln konnte die Inszenierung zuvor nicht.

Erfurt. Regencapes statt Mönchskutten: Weil es so heftig geschüttet hat, ist am Freitag die Musical-Premiere von Umberto Ecos "Der Name der Rose" noch vor der Pause abgebrochen worden. Die rund 2000 Besucher erlebten vor der imposanten Kulisse des Erfurter Mariendoms knapp die Hälfte des Stückes, bevor sie die Tribüne räumen mussten.

Eingepackt in Ponchos, Jacken und Plastiktüten harrten sie zunächst an den Essensständen und Eingängen aus, bevor Guy Montavon, Generalintendant des Theaters Erfurt, die Premiere bei den Domfestspielen für beendet erklären musste.

Zuvor hatten die Besucher eine knappe Stunde die mittelalterliche Kriminalgeschichte in Musicalform erleben können. Der Franziskanermönch William von Baskerville war gerade dabei, die ersten beiden von insgesamt sieben mysteriösen Todesfällen in einer italienischen Benediktinerabtei zu untersuchen.

Auch die Rolle der Kirche, mit der sich Eco in seinem Bestseller aus dem Jahr 1980 intensiv auseinandersetzt, wird gleich zu Beginn musikalisch thematisiert - was, wie auch andere Teile des Musicals, auf manche befremdlich wirken konnte.

"Macht - ein kleines Wort!", schmettert der Abt der Benediktinerabtei (Stefan Poslovski) schwelgerisch, fast hoffnungsvoll über die Domstufen und verleiht dem Thema damit eine ganz andere emotionale Grundfarbe als im Original. Man könnte fast vergessen, dass der Abt hier vom erbitterten Kampf der Franziskanermönche gegen den Reichtum der Kirche erzählt.

Ein düsterer, komplexer und theoretischer Roman in Musicalform: Kann das funktionieren? Als "Herausforderung" hatte es zuvor schon der Librettist Øystein Wiik bezeichnet, "so einen schillernden Roman in zweieinhalb Stunden zu komprimieren."

Möglich würde das durch die Musik, so der Autor. Der Roman habe durch seine klare Aufteilung - sieben Tage, sieben Todesfälle - eine musicalfreundliche Struktur. Wiik arbeitet im Team mit dem Komponisten Gisle Kverndokk, der die Geschichte mit schwelgerischen Melodien und großen Chornummern unterlegt hat.

"Wenn es um Musik geht, geht's um Emotionen", sagte Regisseur Axel Köhler vor der Premiere. "Und das ist die Gewichtung, die hier ein bisschen einen größeren Raum einnimmt."

Die Macher des Stückes wollen also komplexe Themen durch Musik zum Sprechen bringen - doch das gelingt ihnen zumindest in der ersten Hälfte des Stückes nicht unbedingt. Dafür sind die Lieder zu willkürlich und wenig eingängig.

Stimmlich toll sind die Sänger zwar, darunter die Protagonisten William von Baskerville (Yngve Gasoy-Romdal) und sein Schüler Adson von Melk (Máté Sólyom-Nagy). Erfreulich ist auch, dass eine der Mönchsrollen überraschenderweise mit einer Frau besetzt ist. Trotzdem spielen die Darsteller an diesem Abend nicht die Hauptrolle.

Am stärksten bleibt nach dem abrupten Ende das imposante Bühnenbild in Erinnerung. Bühnenbildner Frank Philipp Schlößmann hatte die 70 Treppenstufen zwischen Mariendom und Severikirche mit einem riesengroßen, bunten Jesus-Mosaik dekoriert. Es ist in einzelne Fragmente zersplittert, die sich teilweise verschieben und aufklappen lassen. Würde man die einzelnen Teile zusammenfügen, ergäben sie ein Mosaik, das in der Kathedrale von Cefalu auf Sizilien zu sehen ist. Nach dem vielen Regen glänzen sie am Freitagabend noch ein bisschen stärker als zuvor.