Mit und ohne Religion

"Parsifal" in Bayreuth stürmisch gefeiert

Andreas Schlager (Parsifal, M) und der Chor der Bayreuther Festspiele als Klingsors Zaubermädchen bei den Bayreuther Festspielen.

Andreas Schlager (Parsifal, M) und der Chor der Bayreuther Festspiele als Klingsors Zaubermädchen bei den Bayreuther Festspielen.

Foto: dpa

Die Premierenwoche der Bayreuther Festspiele neigt sich dem Ende zu. Und es muss keine Neuinszenierung sein: Auch die Wiederaufnahme der Deutung des "Parsifal" kommt beim Publikum bestens an. Und das, obwohl die Inszenierung etwas an politischer Brisanz verloren hat.

Bayreuth. Erst feiern sie weihevoll Abendmahl, die Gralsritter laben sich am Blut des verletzten Amfortas, der Gral auf der Bühne des Bayreuther Festspielhauses kann gar nicht groß genug sein. Doch am Ende beerdigen Muslime, Juden und Christen gemeinsam die Symbole ihres Glaubens.

Sie finden den Frieden ohne Religion. Sinnbildlicher kann Regisseur Uwe Eric Laufenberg in seiner Inszenierung des "Parsifal" bei den Bayreuther Festspielen gar nicht ausdrücken, dass er die Religionsausübung in Frage stellen will. Die Aufführung wurde am Dienstagabend stürmisch gefeiert.

Zur Unterstützung von Laufenbergs These wird im Programmheft gar der Dalai Lama mit dem Satz zitiert: "Ich denke an manchen Tagen, dass es besser wäre, wenn wir gar keine Religionen mehr hätten." Als der Regisseur Richard Wagners letzte Oper 2016 für die Festspiele inszenierte, wütete gerade islamistisch motivierter Terror in Europa. Laufenbergs Infragestellung der Religion war hochaktuell. Drei Jahre später ist der Terrorismus seltener in den Schlagzeilen, dem Bayreuther Publikum scheint die Deutung Laufenbergs aber nach wie vor zu gefallen.

Und es gibt noch einen Bezug zur politischen Lage vor drei Jahren: Gleich zu Beginn der Inszenierung müssen Flüchtlinge aus dem Kirchenasyl verschwinden, damit die Gralshüter ungehindert Gottesdienst feiern können. Die von Granateneinschlägen beschädigte Kirche befindet sich freilich in einem Kriegsgebiet irgendwo im Nahen Osten. 2015 war die Flüchtlingskrise in Deutschland auf ihrem Höhepunkt gewesen.

Das verwöhnte Bayreuther Publikum erlebte am Dienstag eine glanzvoll auftrumpfende Sängerriege. Vor allem Günther Groissböck als stimmlich wie körperlich Autorität ausstrahlender Gurnemanz, Elena Pankratova als besonders in der Höhe stimmgewaltige Kundry und Andreas Schager mit seinem in jeder Tonlage durchdringenden Tenor in der Titelpartie wurden vom Publikum regelrecht mit Ovationen bedacht.

Auch Derek Welton als Klingsor, Ryan McKinny in der Rolle des Amfortas und Wilhelm Schwinghammer als Titurel überzeugten. Frenetisch gefeiert wurde zudem Dirigent Semyon Bychkov. Wie immer in Topform präsentierten sich Chor (Einstudierung: Eberhard Friedrich) und Orchester der Festspiele. Für das Regieteam um Uwe Eric Laufenberg fiel der Applaus nicht ganz so stürmisch aus.

Die Bayreuther Premierenwoche geht am Donnerstag mit "Tristan und Isolde" in der Inszenierung von Festspielchefin Katharina Wagner zu Ende. Ihre Interpretation des Opernstoffes ist dieses Jahr ebenso wie die des "Parsifal" zum letzten Mal zu sehen. Beide Werke machen 2020 Platz für den neuen "Ring des Nibelungen", den der junge Österreicher Valentin Schwarz auf die Bühne bringen soll. Die Festspiele waren am Donnerstag vergangener Woche mit einer umjubelten Neuinszenierung des "Tannhäuser" eröffnet worden. Sie dauern bis zum 28. August.