Festival

Berlinale startet mit Ozon und "Systemsprenger"

François Ozon stellte auf der Berlinale seinen Film "Grace a Dieu" (Dt. Titel: Gelobt sei Gott) vor.

François Ozon stellte auf der Berlinale seinen Film "Grace a Dieu" (Dt. Titel: Gelobt sei Gott) vor.

Foto: dpa

Bei der Berlinale ist der erste deutsche Wettbewerbskandidat zu sehen - "Systemsprenger". Zur Premiere erzählt die kleine Hauptdarstellerin von ihrer schwierigen Rolle. Aus Frankreich kommt ein alter Bekannter.

Berlin. Mit "Systemsprenger" ist der erste deutsche Film in den Berlinale-Wettbewerb um die Bären gestartet. Als einer der großen Namen ging am Freitag der französische Regisseur François Ozon ("8 Frauen") mit "Grâce à Dieu" ("Gelobt sei Gott") über Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche ins Rennen.

"Systemsprenger" von Nora Fingscheidt gehört zu den drei deutschen Beiträgen bei den 69. Filmfestspielen. Die Regisseurin schaffte es mit ihrem Spielfilmdebüt auf Anhieb in den Wettbewerb. "Ich bin aufgeregt und freue mich gleichzeitig, das geht Hand in Hand", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur.

Fingscheidt, die auch das Drehbuch geschrieben hat, sagte: "Ich habe diesen Film gedreht, weil mich die Geschichte persönlich interessiert und weil sie sich mit etwas vermischt, was gesellschaftlich relevant ist." Für die Regisseurin und ihr Team gab es nach der Premiere viel Beifall, besonders der kleinen Hauptdarstellerin Helena Zengel (10) flogen die Herzen zu.

Sie spielt in dem Drama die neunjährige Benni. Sie hält sich und ihre Umwelt mit unkontrollierten Wut- und Gewaltausbrüchen in Schach - was von den Betroffenen, wie etwa Sozialarbeitern, salopp oft mit dem fachlich nicht anerkannten Begriff "Systemsprenger" bezeichnet wird.

Helena Zengel erzählte begeistert von den Dreharbeiten: "Schwierig war nur, sozusagen auf Knopfdruck zu weinen." Über den Arbeitsprozess verriet sie: "Ich habe das Drehbuch erst mit meiner Mutter gelesen, und wir haben darüber geredet, warum das Kind so ist, wie es ist."

Fingscheidt gelingt ein berührendes Sozialdrama, das nicht in Schwarz-Weiß erzählt. Der Zuschauer ist bei der schmerzhaften Reise sowohl beim Kind als auch den Betreuern emotional dabei.

In "Grâce à Dieu" geht es darum, wie mehrere Männer öffentlich machen, dass sie als Kinder von einem Priester missbraucht wurden. "Ich habe viele Filme gemacht mit starken Frauen, und ich wollte schon lange einen Film machen über Männer, die ihre Gefühle und Emotionen ausdrücken", sagt der fünfmalige Berlinale-Teilnehmer Ozon. Eines Tages sei er zufällig auf die Geschichte gestoßen.

Der Film handelt von einem Priester in Frankreich, der in den 1980er Jahren gegen Dutzende Kinder übergriffig geworden sein soll. Die Opfer fordern Jahre später die Aufarbeitung ein. Aktuell läuft ein Prozess gegen den mächtigen Erzbischof von Lyon und fünf weitere Geistliche wegen Vertuschung von Missbrauchsvorwürfen.

Der Stoff wurde unter einem Arbeitstitel verarbeitet. "Der Film wurde zunächst unter einem falschen Titel gedreht", sagte Produzent Nicolas Altmayer in Berlin. "Darin war überhaupt nicht die Rede von diesen barbarischen Taten."

Co-Produzent Eric Altmayer berichtete zudem von Problemen bei der Finanzierung. "Der Film war nicht so ganz einfach zu finanzieren, das kann man sich vorstellen bei dem Thema", sagte er. "Auch eher klassische Filmpartner wollten nicht finanzieren aufgrund des Themas, obwohl sie die anderen Filme von Ozon vorher unterstützt hatten."

"Wir haben gar nicht versucht, eine Finanzierung in Lyon zu bekommen, weil die Stadt sehr katholisch und die Mächtigen in Lyon sehr eng mit der Kirche verwoben sind", sagte Ozon. "Wir wollten uns da keine Zensur auferlegen und frei arbeiten können."

An diesem Samstag wird der nächste deutsche Film erwartet. Mit "Der Goldene Handschuh" kehrt Berlinale-Preisträger Fatih Akin ("Gegen die Wand") in den Bären-Wettbewerb zurück.