Mehr! Theater

"Flashdance": "What a Feeling" – zumindest im zweiten Akt

Alex gibt alles: Nadja Scheiwiller auf der Bühne des Mehr! Theaters

Alex gibt alles: Nadja Scheiwiller auf der Bühne des Mehr! Theaters

Foto: Louise Martinsson

Es dauert eine Weile, bis der Funke bei der Musicalfassung des 80er-Tanzfilms überspringt. Doch dann steigt die Stimmung.

Hamburg.  In den Kinos zogen in den frühen 80er-Jahren „Fame“, „Flashdance“ und „Footlose“ Tanzbegeisterte in ihren Bann. „Flashdance“ soll das bis zum 7. Oktober auch in Hamburg tun. So lange spielt die Musicalfassung des populären Tanzfilms mit dem noch populären Soundtrack (mehr als 20 Millionen verkaufte Alben) im Mehr! Theater.

Und das, obwohl bei der Premiere Hauptdarstellerin Hannah Leser mit einer Verletzung am Hüftbeuger ausfiel. Für sie sprang Nadja Scheiwiller ein. Die Schweizer Musical-Darstellerin hatte den Part des 18-jährigen US-Girls Alex, einer Schweißerin, die von einer Karriere als Tänzerin träumt, bereits bei der deutschsprachigen Erstaufführung 2013 in Kriens-Luzern ausgefüllt.

Es dauert eine Weile, bis der „Flashdance“-Funke überspringt

Dennoch dauert es eine Weile, bis im Mehr! Theater der Funke überspringt. Die Szenen in der Fabrik-Kulisse haben mehr Charme als jene in den Bars und Clubs, in denen sich Alex und andere junge Frauen als Tänzerinnen verdingen. Eigens für das Musical komponierte Lieder wie „Zeig, was du kannst“ bringen zumindest die Handlung voran. Und Schlagerstar Gitte Hænning sorgt als gealterte Tänzerin und Mentorin Hannah – ebenfalls eine neue Figur – für anrührende, an der Seite ihrer Betreuerin Louise (Tanja Rübcke) auch für heitere Momente.

Das in die Show eingebaute „I Love Rock ’n’ Roll“, dargeboten von einer großen Frauencombo, verpufft hingegen wie ein Feuerwerk im drohenden Hamburger Herbstregen. Die teils suboptimale Akustik in der Halle erschwert zudem das Verstehen einiger Texte. Liegt es nur daran, dass die sechsköpfige Band (Leitung: Damian Omansen) in einem Nebenraum live spielen muss?

Beim ESC ein Flop, bei „Flashdance“ Top: Ann Sophie Dürmeyer

Umso zündender der zweite Akt. Da singt und tanzt sich auch Nadja Scheiwiller, schauspielerisch eine Bank, als Alex richtig frei, bis es zur ersehnten Audition („Du hast drei Minuten!“) an der Tanzakademie kommt. Inklusive Versöhnung mit ihrem Lover und Förderer, Fabrikchef Nick Hurley, dem man Darsteller Sasha Di Capri nicht so ganz abnimmt. Indes überzeugt und überrascht das zweite Paar des Abends: Konstantin Busack nervt erst als bewusst schlechter Club-Comedian Jimmy, zaubert dann aber einen glasklaren Tenor hervor.

Als seine Flamme darf Ann Sophie Dürmeyer den Hit „Gloria“ zunächst nur anstimmen. Jedoch entpuppt sich die Hamburgerin, 2015 für Deutschland beim Eurovision Song Contest punktlos Letzte, bei ihrem Musical-Debüt als echte Gewinnerin. Ihre Stimme überzeugt sowohl bei ruhigen als auch bei rockigen Nummern. Und den Oscar-prämierten „Flashdance“-Titelsong „What A Feeling“ singt sie zum großen Finale mit ihrer tollen Röhre derart mitreißend, dass unter den 27 Darstellern und dem Publikum doch noch große Partystimmung aufkommt – fast wie in der 80ern also.

„Flashdance – Das Musical“ bis 7.10., tägl. außer Mo 20.00, Sa/So auch 15.00, Mehr! Theater am Großmarkt (Bus 3), Banksstr. 28, Karten zu 31,- bis 96,-: HA-Geschäftsstelle, Großer Burstah 18–32, T. 30 30 98 98; flashdance-dasmusical.de