Ruhrtriennale: Diskussion zur Freiheit der Kunst

| Lesedauer: 2 Minuten
lwd

Nach Kritik an der Einladung einer umstrittenen Band hat die Ruhrtriennale die Freiheit und Grenzen der Kunst zum Thema gemacht. Bei einer Podiumsdiskussion am Sonnabend in Bochum kochten im Publikum die Emotionen hoch. Die Teilnehmer bemühten sich um eine sachliche Diskussion. „Die Ruhrtriennale hat in diesem Jahr so viel mediale Aufmerksamkeit wie nie zuvor bis hin zur ,New York Times‘“, sagte der ehemalige Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) in der überfüllten Bochumer Turbinenhalle. Dieses große mediale Interesse habe jedoch „wenig mit Musik, aber viel mit der deutschen Geschichte zu tun“, erklärte der Politiker, der die Diskussion moderierte. Hintergrund war die Kontroverse um die Einladung der Band Young
Fathers.

Ursprünglich war an diesem Tag in der Halle der Auftritt der schottischen Band geplant gewesen. Diese war erst ein-, dann aus- und schließlich wieder eingeladen worden und hatte letztlich ihrerseits abgesagt. Die Musiker hatten sich nicht von der umstrittenen BDS-Bewegung (Boycott, Divestment, Sanc­tions) distanziert, die Israel kritisch bis ablehnend gegenübersteht und zu Boykott-Aktionen aufruft.

Die Ruhrtriennale-Intendantin, Stefanie Carp, erklärte, es sei ein Fehler gewesen, die schottische Band wieder auszuladen. Sie wolle Künstler auch dann als Mitwirkende gewinnen können, wenn diese eine Kampagne unterstützen, die sie selbst verwerflich finde. Carp erklärte, sie halte die Young Fathers nicht für antisemitisch oder rassistisch. Die Künstler sollten nicht mit der BDS-Kampagne gleichgesetzt werden. Gleichzeitig betonte sie ihre generellen Zweifel an Boykottstrategien in der Kunst.

NRW-Kulturministerin Pfeiffer-
Poensgen (parteilos) hingegen sagte, Kunst sei zwar politisch, müsse sich aber mit künstlerischen Mitteln artikulieren und nicht im Schlepptau politischer Kampagnen auftreten. Eine solche sei BDS. Kunst solle aufregend sein, aber Kunst und Künstler dürften sich nicht politisch missbrauchen lassen.

( epd )