Kultur

Heiße Kriminalromane für heiße Tage

Seine Romane mit Commissario De Luca haben Carlo Lucarelli zu einem der bedeutendsten italienischen Krimiautoren gemacht. Nach einer längeren Pause erscheint nun mit „Italienische Intrige“ (Dt. v. Karin Fleischhanderl, Folio Verlag, 224 S., 18 Euro) ein weiterer De-Luca-Krimi. Angesiedelt ist die Geschichte zur Zeit des Kalten Krieges, im Jahr 1953, es ist Winter, Weihnachtszeit. De Luca bekommt es mit der toten Gattin eines Professors zu tun, ermordet liegt die schöne Frau in der Badewanne ihrer Wohnung in Bologna. Es ist ein rätselhafter Fall. Schließlich fokussieren sich die Ermittlungen auf einen Mann, der offenbar eine Teufelsmaske getragen hat. Die Zeichnung eines Kindes haben auf die Spur geführt. Das Rätsel wird noch ein wenig größer, als De Luca in den Bann einer jungen Jazzsängerin gerät, von deren vielschichtiger Faszination er sich nicht zu lösen weiß.

„Italienische In­trige“ ist ein Kriminalroman, der weit mehr als lediglich seine spannende und weit über das verschneite Bologna hinausreichende Geschichte erzählt. Carlo Lucarelli, der auch Drehbuchautor und Fernsehmoderator ist, liefert mit dem Brennpunkt Bologna gleichsam ein Soziogramm der italienischen Gesellschaft in den späten Nachkriegsjahren. Große Kriminalliteratur, nicht nur für Liebhaber der italienischen Lebensart.

Der in Berlin lebende einstige Architekt und Theaterregisseur Matthias Wittekindt schreibt Kriminalromane, die in den Vogesen spielen. Damit hat er sich unter all den deutschen Krimiautoren, die ihre Geschichten in Frankreich ansiedeln, im Vergleich zur Provence oder zur Bretagne eine eher weniger touristische Region ausgesucht. Nach bislang vier Romanen mit dem jeweils selben Ermittlern schickt Wittekindt in „Die Tankstelle von Courcelles“ (Edition Nautilus, 254 Seiten, 16,90 Euro) den jungen Gendarm Ohayon ins Rennen. Die Geschichte ist zeitlich in den 1970er-Jahren verortet – und somit eine Art Prequel zu Wittekindts anderen Vogesen-Romanen. Es ist auch die Geschichte einer Jugend in einem vergessenen Vogesen-Dorf, die der Roman erzählt. Kleine Machtkämpfe zwischen Mädchen und Jungen in einer ereignislosen sozialen Gemeinschaft. Als das junge Mädchen Lou einen Job in einer Tankstelle annimmt, geschieht dort kurz darauf ein Verbrechen, bei dem zwei Männer getötet werden. Die Tat und ihre Hintergründe erscheinen völlig unerklärlich, die Aussagen der jugendlichen Zeugen widersprechen sich. Ohayon versucht, den Sinn hinter den Worthülsen zu verstehen – und kommt so ungeheuerlichen Motiven auf die Spur. Wittekindt beschreibt feinfühlend und genau soziale Milieus und erlauscht die Zwischentöne in dem Gesagten. Dabei gelingt ihm eine große kriminalistische Studie über Schuld und Versuchung.