Hamburg

Der Mensch hinter dem Mythos

Der biografische Spielfilm „Mandela“ ist der Auftakt der spätabendlichen ARD-Reihe „Sommerkino“

Hamburg. Wenn Zuschauer immer wieder darüber klagen, dass im Fernsehen viel Sehenswertes am späten Abend gesendet wird, dann haben sie zumeist recht. Man kann das gerade erst wieder am „Sommerkino“ der ARD feststellen. Während die vergangene Woche angelaufene Hauptsendezeit-Schiene ab 20.15 Uhr vor allem auf unbeschwertes Happy-End-Kino setzt, trumpft die heute startende Spätabend-Ausgabe (ab 22.45 Uhr) mit Kino-Kalibern auf.

Den Auftakt macht heute Abend „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“, ein biografischer Spielfilm über den ehemaligen südafrikanischen Präsidenten, der am Mittwoch 100 Jahre alt geworden wäre. Regisseur Justin Chadwick belässt es nicht bei einzelnen Kapiteln aus dem Leben des Überwinders der Apartheid, er nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise durch mehr als 50 Jahre. Nichts wird hier verschwiegen, auch nicht die Zeit, in der Mandela als „Bombenleger-Gandhi“ verschrien war, der gegen seine innere Überzeugung noch zu gewalttätigen Mitteln griff. Idris Elba spielt ihn schier entfesselt, als unbeirrten Kämpfer ebenso wie als überzeugten Pazifisten. Und als wäre es die Rolle seines Lebens.

Dass man die Verfilmung von Wolfgang Herrndorfs mit diversen Preisen ausgezeichnetem Jugend­roman „Tschick“ (24. Juli) auf den späten Abend verlegt hat, ist schon merkwürdig. Schließlich steckt Regiestar Fatih Akin hinter diesem Roadmovie über zwei jugendliche Außenseiter, die im geklauten Lada übers Land fahren. Akin hat diese Coming-of-Age-Reise durch die ostdeutsche Provinz voll im Griff, obwohl er erst sechs Wochen vor Drehbeginn als „Notfall“ in dieses Projekt einsteigen konnte.

Zwei Filme in dieser Reihe wiederum beweisen eindrucksvoll, dass es auch alt gewordene Schauspieler noch draufhaben. Robert Redford etwa wagt sich in „Picknick mit Bären“(31. Juli) noch auf den 3500 Kilometer langen Wanderweg durch die Appalachen, entlang der Ostküste der USA. Als Begleitung lädt er sich ausgerechnet seinen alten Freund Katz ein, der von Nick Nolte so wunderbar schlecht in Form gespielt wird, dass die ganze Expedition auch sehr viel Komik bereithält. Der zweite Oldie ist Bill Murray, der in „St. Vincent“ (7. August) als griesgrämiger Eigenbrötler überzeugt. Als seine Nachbarin ihn bittet, öfter auf ihren Sohn zu achten, beginnt sein Herz allmählich auf den rechten Fleck zu rutschen.

Eigentlich war Alan Rickman zu Lebzeiten (er starb 2016) ein renommierter Schauspieler, doch zweimal wagte er den Wechsel der Seiten – vom Platz vor der Kamera auf den Regiestuhl. Der letzte Film, „Die Gärtnerin von Versailles“ (14. August), ist ein gediegenes Sittengemälde aus der Zeit von Ludwig XIV. Eigentliche Perle der ARD-Auswahl ist jedoch „Carol“ (21. August) von Todd Haynes, ein Film über zwei Frauen (Cate Blanchett, Rooney Mara), die 1952 aus ihrer Leidenschaft zueinander keinen Hehl machen und damit gegen gesellschaftliche Konventionen verstoßen. Der Stoff stammt von Patricia Highsmith, die grandiose Gestaltung von einem Regisseur, der sich immer wieder mit der heuchlerischen Seite Amerikas auseinandersetzt.

„Mandela“
Dienstag, 22.45 Uhr, ARD