Hamburg

Große Mühe für eine kleine Produktion

Magdeburger Theater an der Angel überzeugt mit „Enigma“ bei den Privattheatertagen

Hamburg. So fangen Krimis an: Literaturnobelpreisträger Abel Znorko hat sich auf eine skandinavische Insel zurückgezogen, wo er ein Eigenbrötlerleben führt, versüßt durch sporadische Groupiebesuche. Der Journalist Erik Larsen besucht Znorko, um ihn über sein jüngstes Werk „Die uneingestandene Liebe“ zu interviewen, eine Korrespondenz zwischen einem Schriftsteller und seiner Geliebten. Aber schnell wird klar, dass Larsen ganz andere Pläne hat – und dass auch Znorko nicht so abgeklärt ist, wie er sich zu Beginn inszeniert …

Éric Emmanuel Schmitts 1996 erschienenes (und 2005 von Volker Schlöndorff verfilmtes) Zweipersonenstück „Enigma“ macht es dem Theater verdächtig leicht: Es gibt eine Spannungsdramaturgie, es gibt ein bekanntes Setting, es gibt das titelgebende Rätsel. Ein weniger talentierter Regisseur würde sich auf dieses Rezept verlassen und einen runden, unspektakulären Theaterabend schaffen. Nicht so Marcus Kaloff, dessen Inszenierung vom Magdeburger Theater an der Angel bei den Privatthe­atertagen am Sonntag im Pöseldorfer Theater im Zimmer gastierte.

Kaloff hat mit Michael Günther Bard (Znorko) und Matthias Engel (Larsen) zwei Schauspieler zur Verfügung, die schon durch ihre Bühnenpräsenz den Abend tragen könnten. Die Inszenierung blickt hinter die Rätselhandlung von „Enigma“ und entdeckt einen vielschichtigen Diskurs über Freundschaft, Liebe, Sex, Tod. Und den Widerspruch zwischen Schreiben und Leben. Selbst der problematische Raum des Theaters im Zimmer wird genutzt, indem die Schauspieler mal zwischen dem Publikum agieren und so schnell Unmittelbarkeit herstellen, mal in den Garten ausweichen. Oder die Ausstattungsdetails: Müssen 22 originalverpackte Exemplare von „Die uneingestandene Liebe“ unbedingt auf der Bühne liegen? Dass sie doch da liegen, zeigt, wie viel Mühe man sich bei dieser Produktion gemacht hat.

Das kleine Theater an der Angel ist zum ersten Mal bei den Privattheatertagen dabei. „Enigma“ jedenfalls ist ein nachdrücklicher Ratschlag, auch in Zukunft häufiger nach Magdeburg zu schauen.

Privattheatertage bis 1. Juli; Programm: www.privattheatertage.de