Frankfurt/Hamburg

Autor Christian Kracht spricht über Missbrauch

Frankfurt/Hamburg.  Eine Poetikvorlesung an der Universität Frankfurt sollte er halten an drei verschiedenen Terminen, und schon bei der ersten überraschte Christian Kracht alle. Er sei als Jugendlicher sexuell missbraucht worden, teilte der Schriftsteller dem verdutzten Auditorium mit, wie mehrere Medien übereinstimmend berichteten.

Ein Geistlicher habe ihn in dem kanadischen Internat, das er besuchte, gezwungen, sich nackt über die Lehne eines Sofas zu beugen. Dann habe der Pastor ihn, der damals zwölf Jahre alt gewesen sei, mehrfach mit dem Gürtel geschlagen und sich anschließend selbst befriedigt.

Es muss ein fast surrealer Moment gewesen sein, wie da Kracht, der begnadete Erzähler und sonst so geheimnisvolle Schweiger, wenn es darum ging, etwas von sich persönlich preiszugeben, derart Ungeheuerliches berichtete. Und dieses Erlebnis („40 Jahre lang habe ich gedacht, ich hätte mir dieses Szenario ausgedacht“) sodann – es soll in den Vorlesungen ja hauptsächlich um sein Schreiben gehen – als grundlegend für sein literarisches Werk deutete.

Wie „Spiegel Online“ berichtete, habe Kracht, dem mit „Faserland“ und „1979“ mindestens zwei nahezu perfekte Bücher gelangen, in seinem Vortrag gestanden, dass er beim erneuten Lesen seiner Bücher „Ohnmacht und Peinlichkeit“ gespürt habe wegen seiner vermeintlichen „Talentlosigkeit“. Die beiden anderen Vorlesungen Krachts finden am 19. und 22. Mai statt.

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.