Hamburg

Eine Botschafterin auf Abwegen

Natalia Wörner ermittelt als „Die Diplomatin“ in Tschechien auf eigene Faust

Hamburg. Vielleicht ist es das Royalblau: Im strahlenden Satinkostüm steht Karla Lorenz (Natalia Wörner) als neu ernannte deutsche Botschafterin in Prag etwas deplatziert zwischen Champagner und Lachsröllchen und schüttelt wichtige Hände. Ein steifes Lächeln hier, aufgesetzter Smalltalk da – so richtig viel Spaß scheint ihr die Amtsübergabe nicht zu machen. Kein Wunder: Sich mit dem schicken Diplomatengehabe anzufreunden, fällt der toughen Lorenz schwer, so richtig will ihr das Funkelblau noch nicht stehen. Und so ist sie auch schon am Ende ihrer ersten Arbeitswoche undercover und in Tarnfarbe unterwegs.

Dass Natalia Wörner (50) als Lebensgefährtin des jetzigen Außen- und früheren Justizministers Heiko Maas (51) bald mehr Einblick in die Welt der Diplomatie haben könnte, dürfte ihr für die Rolle der Karla Lorenz zugutekommen – allerdings erst in künftigen Folgen der Reihe. Im echten Leben hat Wörner bisher nicht immer diplomatisches Gespür bewiesen: Im Sommer vergangenen Jahres zum Beispiel stolperte sie unbedacht über eine „Bunte“-Homestory – Fallstrick Nr. 1 für Politiker, die danach öffentlich noch halbwegs seriös auftreten wollen. Damals wurden Bilder der angeblich gemeinsamen Wohnung zu Werbezwecken für das Online-Einrichtungshaus Westwing benutzt, kurze Zeit später verschwanden die Aufnahmen. Das zugeknöpfte Statement aus dem Justizministerium: kein Kommentar. Schöner Schlamassel.

Hölzern kommt nun die Figur der Karla Lorenz in „Jagd durch Prag“, der dritten Folge der ARD-Produktion „Die Diplomatin“, daher. Regisseur Rolando Suso Richter und Autor Christoph Busche präsentieren ihre Protagonistin als unbeugsame Verfechterin von Moral und Menschenrechten – und vergessen leider, sie dabei zumindest einigermaßen glaubhaft dastehen zu lassen.

Die Rahmenhandlung bildet die Geschichte des jungen amerikanischen Soldaten Sean Miller (Angus McGru­ther), der mit seiner schwangeren Freundin (Mercedes Müller) völlig aufgelöst auf dem Botschaftsgelände auftaucht und ein geheimes US-Foltercamp auf tschechischem Boden entdeckt haben will. Mit diesem Vorwurf löst er natürlich gleich eine ganze Reihe diplomatischer Krisen aus. Doch während in den Schaltzentralen daraufhin das gewohnte Prozedere aus Verhandlungen, Flurgesprächen und stillen Abmachungen seinen Gang nimmt, stemmt Karla Lorenz sich mit aller Macht gegen die – aus ihrer Sicht – schmutzige Diplomatie.

Bockiges Kind statt prinzipientreue Heldin

Leider jedoch wirkt genau diese vermeintliche Vorzeigehaltung alles andere als souverän. Statt sich nämlich mit den Regeln auseinanderzusetzen, mit denen sie in Zukunft konfrontiert sein wird, stößt Botschafterin Karla Lorenz lieber fröhlich vor den Kopf, wer ihr gerade in den Weg kommt: den tschechischen Außenminister, die Mitarbeiter der Botschaft, selbst ihren langjährigen Verbündeten aus dem Krisenstab des Auswärtigen Amts.

Und wofür das alles? Genau dies scheint ihr oftmals selbst nicht ganz klar. So lässt sie sich in einer Hauruck-Aktion zum Beispiel heimlich von Soldat Sean Miller zu jenem ominösen Foltergelände führen und tappt danach nicht nur weiter im Dunkeln, sondern löst in besagtem Camp auch noch einen Großalarm aus, bei dem sie und der desertierte Soldat fast erschossen werden.

Statt wie eine prinzipientreue Heldin wirkt die Diplomatin so viel mehr wie ein bockiges Kind, dem man verboten hat, bei Tisch Süßigkeiten zu essen. Ihrer Unangepasstheit fehlt jegliche ersichtliche Strategie – und ein System, das man nicht kennt, kann man auch nicht unterwandern. Während der Plot um den posttraumatisch angeschlagenen US-Soldaten und einen angeblichen Black Spot so zwar eine 1A-Thrillerhandlung hergeben würde, geht es hier vor allem um Selbstpositionierung. Genau die geht allerdings schief: Dass Lorenz mit ihrem allzu kopflosen Handeln Erfolg hat, verdankt sie letzten Endes nur einem Drehbuch, das unbedingt zum Happy End kommen will.