Kultur

Ein wackelnder Buchstapel

Auf meinem Nachttisch liegt ein hoher Stapel Bücher – der zuweilen auch bedenklich wackelt. Parallel lesen ist meine Devise. Joachim Meyerhoffs dritter Band „Ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ habe ich von meiner Freundin, die ich schon aus Grundschul- und Kindergartenzeiten kenne, zum Geburtstag bekommen. Der Theaterkollege Joachim Meyerhoff ist nicht nur ein beeindruckender Schauspieler, sondern auch ein unglaublich wortgewandter und wortwitziger Autor. Frech liegt darunter verborgen „Der 35. Mai“ von Erich Kästner. Ja, ein Kinderbuch, denn Inspiration für Kinderstücke sind für mich oft Bilderbücher und Romane. Jüngst war es „Der kleine Herr Jemine“ von Manfred Schlüter, den wir nächstes Jahr auf die Bühne bringen.

Es reiht sich ein „Altenstein“ von Julie von Kessel, eine Geschichte über die Flucht einer Familie aus Ostpreußen. Die Lektüre ist nicht ohne Grund, denn wir proben im Ohnsorg-Studio gerade ein biografisch-dokumentarisches The­aterstück mit Zeitzeugen, Vertriebenen und Geflüchteten aus den ehemaligen Ostgebieten – im Kontext der heutigen Flüchtlingssituation ein überaus spannendes Thema und die Arbeit mit den bemerkenswerten Persönlichkeiten und ihren ergreifenden Lebensläufen ein Geschenk. Das Buch ist eine Leihgabe meiner Schwester, eine absolute Leseratte, und ich muss immer höllisch aufpassen, dass ich ihre Bücher unversehrt wieder zurückgebe. Die „Pfaueninsel“ von Thomas Hettche wartet schon sehnlichst darauf zum ersten Mal aufgeschlagen zu werden – ein Geschenk meiner Mutter, studierte Bibliothekarin und Fachfrau für den aktuellen Buchmarkt.

Der Stapel wackelt ob der Höhe und vielleicht auch der aufwühlenden In­halte. Und leise klopft an: eines meiner Lieblingsbücher, Zsuzsa Bánks „Die hellen Tage“, das unbedingt noch mal gelesen werden möchte. Ihr Schreibstil ist nicht nur besonders, sondern auch gefährlich – für das Aufstehen am nächsten Morgen nicht besonders förderlich. Wie schön, dass Geschichten so bewegen!