Hamburg

Völkerverbindend: Kaukasus in der Elbphilharmonie

Hamburg. Schwer zu entscheiden, wo man zuerst hinhören sollte. Auf den Gesang der Duduk, jener armenischen Kurzoboe, die mit weicher, immer etwas trauriger Stimme von alten Zeiten raunt? Auf das Zupfen der Zither namens
Kanun? Oder doch auf den grellen Sound der Zourna, die wie ein Zwitter aus Dudelsack und E-Gitarre quäkt?

Es gab jedenfalls viel zu entdecken, beim Auftritt des Gurdjieff Ensembles am zweiten Abend des Kaukasus Festivals, das mit einem Konzert des armenischen Staatssinfonieorchesters begonnen hatte. Auch das zehnköpfige Ensemble – benannt nach dem Mystiker und Komponisten Georges Gurdjieff – brachte Musik aus Armenien in den Großen Saal der Elbphilharmonie: Werke vom Namensgeber und von Komitas Vardapet, geprägt von exotischen In­strumenten und orientalisch anmutenden Melodien, die sich mit der Sinnlichkeit arabischer Bauchtänzerinnen ins Ohr winden.

Der zweite Teil rückte die Idee der interkulturellen Begegnung noch stärker ins Zentrum. Gemeinsam mit der Gruppe Hewar um den syrischen Klarinettisten Kinan Azmeh – vor einem Jahr schon als Kurator des Salām-Syria-Festivals in der Elbphilharmonie zu Gast – spielte das Gurdjieff Ensemble stiloffene Werke der Weltmusik: zwei Auftragskompositionen von Tigran Mansurjan und Issam Rafea, die arabisch-armenische Farben mit Einflüssen der westeuropäischen Kunstmusik anreicherten, aber auch die „Fantasy“ von Azmeh selbst und ein magisches Stück über die Göttin Ishtar, geschrieben von der syrischen Sopranistin Dima Orsho, deren Gesang zum Schönsten gehört, was menschliche Stimmbänder so hervorbringen können.

Sopran und Klarinette, Geige, Duduk und allerlei zauberhafte Blas-, Streich- und Perkussionsinstrumente verschmolzen da zu einer Einheit und demonstrierten einmal mehr, wie Musik Grenzen überschreiten und wildfremde Menschen im Konzertsaal durch ein plötzliches Gefühl der Nähe und Gemeinschaft verbinden kann.

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