Hamburg

Öffentlich-rechtliche Sender halten am TV-Karneval fest

Seit ARD und ZDF vier ihrer neun Sendungen gestrichen haben, steigen die Quoten wieder

Hamburg. In der Düsseldorfer Stadthalle feiern sie ein Jubiläum. Zum 20. Mal überträgt die ARD die große Prunksitzung aus der Landeshauptstadt – und erwartet erneut ein Millionenpublikum. Zwei Stunden Karneval, damit könnten sich sogar Feinde des organisierten Frohsinns arrangieren. Doch „Düsseldorf Helau“ ist nur eine von Dutzenden Karnevalsshows. Etwa 95 Sendungen zeigen ARD, ZDF und die Dritten im Januar und Februar.

Viele Zuschauer sind genervt. 38 Prozent haben die Nase voll vom TV-Karneval, ergab eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Zeitschrift „Hörzu“. Vor allem Jüngere zwischen 30 und 44 können mit Büttenreden nichts anfangen. Trotzdem wollen die Sender nicht darauf verzichten.

„Da es sehr viele Veranstaltungen gibt und diese halt lang dauern, kommen in jeder Session schnell einige Stunden zusammen“, sagt WDR-Sprecher Sven Gantzkow. Tatsächlich strahlt der Sender nicht weniger als 27 Formate aus, nur im Bayerischen Rundfunk gibt es noch mehr Fasching. „Nicht umsonst gehört der rheinische Karneval seit 2014 offiziell zum immateriellen Kulturerbe Deutschlands“, so Gantzkow. „Das spiegelt sich natürlich auch im Programm wieder.“

In NRW ist die Karnevalsfrustration relativ gering: Während an Rhein und Ruhr 32 Prozent der Zuschauer genervt sind, schaltet in Norddeutschland sogar jede zweite Person um oder aus. Jugendliche Zuschauer sind bei Fernsehfeiern Ausnahmen. ARD und ZDF haben deshalb vor zwei Jahren vier ihrer insgesamt neun Karnevalssendungen gestrichen.

Seitdem steigen die Quoten wieder. „Nicht zuletzt die Zuschauerakzeptanz ist Beleg dafür, dass die Entscheidung richtig war“, findet ARD-Sprecher Burchard Röver mit Blick auf die Ausdünnung des Programms im Ersten. „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“ etwa sahen letztes Jahr 6,73 Millionen Menschen – ein stolzer Wert. „Die Karnevalsendungen sind ein Erfolg und generieren große Reichweiten“, sagt der Medienexperte Joachim Trebbe von der Freien Universität Berlin. Vor allem die Generation 50 Plus beschert den Sendern Erfolge – und den Düsseldorfer Jecken eine Millionenquote.

„Düsseldorf Helau – Jeck erst recht“,
Mittwoch, 20.15 Uhr, Das Erste