Filmgeschäft

Hollywoodstar Matt Damon: „Es ist eine brutale Branche“

Auch Matt Damon kritisiert Harvey Weinstein

George Clooney präsentiert seinen neuen Film "Suburbicon" in Los Angeles. Auf dem roten Teppich ist der Skandal um Harvey Weinstein ein Thema. Auch Schauspieler Matt Damon kritisiert das Verhalten...

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Matt Damon über seine Karriere und seinen neuen Film „Suburbicon“ – eine Satire, bei der sein Freund George Clooney die Regie führte.

Berlin.  Hollywoodstar Matt Damon (47) begeisterte als Ex-Spionageagent Jason Bourne ein Millionenpublikum. Nun ist der Hollywoodschauspieler in George Clooneys Satire „Suburbicon“ (ab 9. November) zu sehen. In dem Film über die scheinbar heile Welt einer US-Vorortsiedlung in den 50er-Jahren spielt er einen Familienvater, dessen Welt durch einen Einbruch aus den Fugen gerät. Im Interview spricht der 47-Jährige über Hollywood, die Freundschaft zu Clooney und die Balance zwischen Job und Familie.

„Suburbicon“ spielt in den 50er-Jahren in einem von Weißen bewohnten Vorort in den USA, in den eine afroamerikanische Familie einzieht. Die Bewohner reagieren abweisend und aggressiv. Ist Ihr Film ein Kommentar auf Donald Trump und den Rassismus in den Vereinigten Staaten?

Matt Damon: Ich will da gar nicht zu spezifisch werden, weil jeder Zuschauer seine eigene Erklärung findet. Und die ist oft interessanter als das, was ich selbst über den Film und seine Botschaft denke. Aber es ist natürlich erstaunlich, wie relevant sich „Suburbicon“ gerade jetzt anfühlt. Dabei stammt das Drehbuch von Ethan und Joel Coen aus den 80er-Jahren.

Sie sind seit Jahren eng mit George Clooney befreundet. Wie ist es, mit ihm zu arbeiten?

Damon: Oh, ich hasse es! Aber er hat ein paar kompromittierende Fotos von mir, die nie an die Öffentlichkeit gelangen dürfen. Er hat mich in der Hand, ich komm aus der Nummer einfach nicht raus. Nein, im Ernst: Wir arbeiten jetzt schon so lange zusammen, dass wir meist wissen, was der andere sagen wird, bevor er es tut. Wir diskutieren nicht über das Thema des Films oder den Zustand der amerikanischen Gesellschaft. Wir sind eher wie Schuhmacher, wir geben uns handwerkliche Ratschläge: hier ein Schnitt, da ein Übergang, dort mehr Tempo. Wir wissen sofort, was der andere meint.

In Filmen wie der „Bourne“-Reihe sind Sie extrem trainiert, für Ihre Rollen in „Suburbicon“ und „Downsizing“ von Alexander Payne haben Sie sich dagegen etliche Kilos angefuttert.

Damon: Als ich Alexander traf, sagte er mir, dass er mich gut findet, weil ich nicht wie der perfekte Filmstar aussehe und er genau so einen Durchschnittstypen braucht. Für den ersten Teil des Films habe ich dann tatsächlich einen kleinen Fettanzug getragen, die Pölsterchen hätte ich sonst nicht geschafft. Für „Suburbicon“ habe ich noch mehr Gewicht zugelegt. Macht es mir Spaß? Kommt darauf an. Zu essen, was ich will, ist toll. Aber es ist die Hölle, jeden Tag vier Stunden im Fitnessstudio zu trainieren und ständig Hunger zu haben, um den Körper für Jason Bourne zu bekommen.

Ist diese Reihe nun wirklich abgeschlossen?

Damon: Wer weiß. Mit allem, was gerade in der Welt passiert, gibt es vielleicht einen guten Grund, ihn noch mal auf Einsatz zu schicken.

Sie sind einer der bestbezahlten Schauspieler in Hollywood, scheinen aber oft Projekte zu wählen, die Ihnen auch persönlich etwas bedeuten. Ist das auch der Grund, vermehrt hinter der Kamera zu arbeiten?

Damon: Ich wollte bereits zwei Filme als Regisseur inszenieren, die ich dann doch wieder abgegeben habe. „Promised Land“ über Fracking hat dann Gus Van Sant gedreht, und bei „Manchester by the Sea“ habe ich als Produzent Kenneth Lonergan ursprünglich „nur“ mit dem Drehbuch beauftragt. Aber dann war das Buch so gut, dass ich wusste, er muss das inszenieren. Ich will nach wie vor selbst Regie führen, aber momentan habe ich keinen Stoff, der mich begeistert.

Sie haben vor 20 Jahren zusammen mit Ben Affleck einen Oscar für das beste Drehbuch zu „Good Will Hunting“ erhalten. Gibt es Pläne, wieder selbst zu schreiben?

Damon: Das Gute damals war, dass wir arbeitslose Schauspieler waren und keine Deadline hatten. Keiner wartete auf unser Script, es interessierte einfach niemanden. Ben war damals 20, ich war 22, und wir hatten nichts Besseres zu tun. Wir sind einfach aufgestanden, wann wir wollten, haben uns Kaffee gemacht und angefangen zu schreiben. Das ist heute viel komplizierter, wir haben volle Terminkalender und Familienleben, wir müssten sehr viel effizienter und planmäßiger arbeiten. Die größte Herausforderung wäre die Logistik, aber ich würde sehr gern wieder mit Ben schreiben. Das war eine der besten Zeiten meines Lebens, wir hatten viel Spaß damals und haben viel gelacht.

Das Filmgeschäft gilt als knallhart.

Damon: Es ist eine brutale Branche und mit hartem Konkurrenzdenken. Ich hatte da viel Glück. Auch in meinem Privatleben mit meiner Familie und meinen Freunden.

Ist es schwierig, da eine Balance zu finden?

Damon: In den letzten paar Jahren habe ich fünf Filme hintereinander gedreht, ohne Unterbrechung. „Der Marsianer“, „The Great Wall“, „Jason Bourne“, „Downsizing“ und „Suburbicon“. Ich erinnere mich: Als wir gerade „Bourne“ in London drehten, bekam ich eine Mail von George, dass er ein Projekt in Atlanta plant. Ich schrieb zurück: „Du weißt, ich würde mich eher water­boarden lassen, als einen Film mit dir auszulassen, aber ich kann nicht. Ich habe gerade zwei Jahre am Stück gedreht. Ich muss zu meiner Familie!“ Eine halbe Stunde später kam seine Antwort: „Und wenn wir in L. A. drehen?“ Ich zeigte meiner Frau die Nachricht, und sie meinte nur: „Das musst du machen!“