Hamburg

Eine Liebeserklärung an Hamburg

Heute erscheint erstmals das englischsprachige Magazin „Gentle Rain“, das einen ungewohnten Blick auf die Stadt wagt

Hamburg.  Die Elbphilharmonie hat es aufs Cover geschafft – doch man muss schon einen zweiten Blick riskieren, um sie zu entdecken. Ein wenig verschämt – und ungewohnt zurückhaltend – lugt sie hinter den Treppenstufen hervor. Im Vordergrund macht sich derweil ein grünes, godzillaähnliches Monster breit. Elbzilla. Die Botschaft: warum nicht einen ungeheuerlichen Blick auf diese Stadt werfen?

„Gentle Rain“ (übersetzt „Sanfter Regen“) heißt das neue, englischsprachige Magazin, das an diesem Montag erstmals erscheint und sich zur Aufgabe gemacht hat, Hamburg jenseits der eingetretenen Stadtmagazinwege den Lesern nahezubringen. Nicht im Sinne ungewöhnlicher Ausflugstipps, sondern anhand verblüffender Geschichten aus der Stadt. Da ist das Drohnen-Start-up im Kreativ-Quartier Oberhafen. Die Miniwerft am Elbufer in Wilhelmsburg. Die Debatte um das Bunkerprojekt „Hilldegarden“. Wirtin Evi, die in der Ottenser Seemannsbar „Seeteufel“ die Würfel rollen lässt. Stadtklima, Nachhaltigkeit, Lebensvielfalt heißen die großen Themen. Die Bildsprache ist ausdrucksstark bis leicht schräg, die Schrift aufgeräumt, die eingestreuten Grafiken („Hamburg in Gewichtsangaben“) sind pointiert umgesetzt.

Das Magazin orientiert sich an internationalen Vorbildern

Die Texte in dem knapp 100 Seiten dicken Heft bemühen sich einerseits um eine authentische Auseinandersetzung mit der Stadt. Um ein Hamburgbild, in dem Einheimische ihre Heimat erkennen. Auf der anderen Seite unterstreicht „Gentle Rain“ die internationale Anmutung der Elbmetropole. Das Magazin orientiert sich an Vorbildern aus Berlin, Barcelona und Zürich, will die junge Kreativszene und die urbane Hipster­generation neugierig machen. Serviceorientierte Stadtplanfreunde und „Marco Polo“-Gebrauchsanweisungs-Fetischisten werden mit „Gentle Rain“ vermutlich nicht glücklich werden. Das Magazin mit dem hübschen Untertitel „And other reasons to love Hamburg“ („Und andere Gründe, Hamburg zu lieben“) setzt auf Zeitlosigkeit. Es ist konzipiert als Gegenentwurf zu schnöden Wegwerfblättern; die Verantwortlichen sprechen in diesem Zusammenhang gern von einem „Bookazine“, einer Mischung aus Buch und Magazin. Ihr Wunsch: „Gentle Rain“ soll einen Platz im Bücherregal des Lesers finden.

„Unser Ziel ist es, neue Impulse für die Stadt zu setzen. Mit dem neuen Printprodukt bedienen wir Menschen, die erstmals oder wiederholt Hamburg entdecken wollen und ungewöhnliche Perspektiven auf die Stadt suchen“, sagt Thorsten Kausch, Geschäftsführer von Hamburg Marketing. „Wir haben uns in Inhalt, Form und Vertrieb bewusst an den Routen unabhängiger Magazine im In- und Ausland orientiert. Eine authentische Auseinandersetzung mit der Stadt in Wort und Bild war dabei maßgebend“, sagt Malte Brenneisen von Die Brueder. Das Redaktionsbüro mit Sitz am Hamburger Oberhafen und in Berlin hat „Gentle Rain“ konzipiert, Hamburg Marketing ist der wichtigste Unterstützer des Magazins, das zum Preis von 8 Euro nicht nur im Bahnhofsbuchhandel und Pressegroßhandel zu finden ist, sondern auch in ausgewählten Restaurants, Cafés, Boutiquen und Museumsshops.

Die Erstauflage beläuft sich auf 40.000 Stück, erscheinen sollen jährlich zwei Ausgaben des Magazins. Im Blick hat man jenseits der Hamburg-Klientel mit internationaler Affinität vor allem die „Zielmärkte“ Skandinavien, Großbritannien und USA. Hier wolle man laut Hamburg Marketing „den Blick für die Metropolregion Hamburg schärfen und die internationale Bekanntheit erhöhen“.

Macher und Sponsoren legen Wert darauf, dass „Gentle Rain“ kein direkter Nachfolger des nach rund zehn Jahren eingestellten Stadtmagazins „Hamburg: Das Magazin aus der Metropole“ ist. Dieses lag bis zu viermal jährlich überregionalen Titeln wie der „Süddeutschen Zeitung“ bei, gewann einen bedeutenden Marketingpreis und wurde vielfach in anderen Städten kopiert. Ein gewisser Nutzwert war noch vorhanden, der Überraschungseffekt jedoch seit einigen Jahren verpufft. Zeit für etwas Neues also. Das Redaktionsbüro Die Brueder und ihr größtenteils aus Hamburg stammendes Autorenteam überzeugten mit ihrer Idee eines Magazins, „das eine inhaltliche Inspiration für die globalen Herausforderungen des städtischen Zusammenlebens geben soll und über die Stadtgrenzen hinaus für Gesprächsstoff sorgt“, so Kreativchef Brenneisen. Für Hamburg-Marketing-Mann Kausch ist es „eine neue Art der Liebeserklärung an Hamburg“.

„Gentle Rain“ ist auch ein konsequentes Bekenntnis zum Printprodukt. Ein mutiger Schritt, gerade in Hinblick auf eine junge, kreative Zielgruppe, die man nahezu komplett bei den sozialen Netzwerken vermuten würde. Eine Zielgruppe, der allerorten nachgesagt wird, sie würde nur liken, chatten und whats­appen – aber längst nicht mehr lesen. Glauben die „Gentle Rain“-Macher (und auch viele andere Menschen) natürlich nicht. Man habe sich sehr bewusst dazu entschieden, keine Heftinhalte ins Netz zu stellen, sagt Brenneisen.

Was uns der Titel sagen will? Magazinmacher Brenneisen formuliert es so: „Wir wollten dem Klischee vom Hamburger Nieselregen etwas entgegensetzen. Dem Untertitel ‚And other reasons to love Hamburg‘ werden wir mit der ersten Ausgabe hoffentlich gerecht.“ Viel Hamburg steckt auch schon im ersten Wort des Editorials: Das nämlich ist ein herzlich-schlichtes „Moin“.

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