Hamburg

Der ausgezeichnete Filmnachwuchs

Studio Hamburg verleiht Preise an junge Schauspiel-, Regie- und Autorentalente. 1000 Gäste feiern Gala im Thalia Theater

Hamburg. Karolin Jacquemain
Volker Behrens

Die Gästeliste des Studio Hamburg Nachwuchspreises hebt sich stets ein wenig ab von der Besetzung anderer Termine der Hamburger Film- und Fernsehbranche. Hier treffen Schauspielgrößen auf Jungstars. Auf dem roten Teppich werden die bejubelt, deren Gesichtern man häufig auf dem Bildschirm oder der Leinwand begegnet. Die Bühne aber gehört denen, die sich mit ihren ersten Filmen an die Öffentlichkeit wagen: dem Schauspiel-, Regie- und Autorennachwuchs.

Im Thalia Theater am Alstertor wurde am gestrigen Donnerstagabend der Studio Hamburg Nachwuchspreis vergeben, die älteste Förderveranstaltung der Branche. Zu Gast waren unter anderem die Schauspieler Gustav Peter Wöhler, Nina Petri, Bjarne Mädel und Pheline Roggan. Außerdem Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (die die Trophäe für den Hamburger Krimipreis an Regisseur Elmar Fischer für den WDR-Film „Unterm Radar“ überreichte) sowie NDR-Intendant Lutz Marmor, Produzent und Moderator Hubertus Meyer-Burckhardt und Travestiekünstlerin Olivia Jones. Als Laudatoren traten auf: Moderatorin Bettina Tietjen, Schauspielerin Claudia Michelsen und Schauspieler Frederick Lau. Moderiert wurde die Verleihung erneut (und gewohnt unterhaltsam) von Alexander Bommes („Sportschau“). Der Newcomer Max Giesinger und die Techno Marching Band Meute sorgten für die musikalischen Höhepunkte des Abends.

Studio-Hamburg-Chef Johannes Züll begrüßte die rund 1000 geladenen Gäste. Wenn er sich die eingereichten Arbeiten des Nachwuchses ansehe, dann sei ihm um die Zukunft der Branche nicht bange. „Ihr seid unglaublich weit – handwerklich, dramaturgisch –, aber auch in dem, was ihr erzählen wollt. Und ihr repräsentiert eine Welt, auf die man sich freut und in der man sich gerne bewegt“, sagte Züll. Anders als sonst üblich waren erstmals mehr Frauen als Männer nominiert (nämlich neun Filme versus sechs Filme). „Meine Damen, endlich!“, gratulierte Züll, während das Publikum zu seinen Worten applaudierte.

Ferner appellierte der Studio-Hamburg-Chef an die Filmhochschulen: „Lehrt das Komödienhandwerk – denn das wird dringend gebraucht!“ Auch in eigener Sache äußerte sich Züll und beschrieb den Zustand von Studio Hamburg mit den Worten: „Der Laden brummt. Das macht uns stark und auch irgendwie zufrieden.“ Als beste Regisseurin wurde Anne Zohra Berrached für ihr eindringliches Abtreibungs­drama „24 Wochen“ ausgezeichnet, das bereits im Wettbewerb der diesjährigen Berlinale zu sehen war. In den Hauptrollen: Bjarne Mädel und Julia Jentsch als Ehepaar. Auch als beste Produktion (Johannes Jancke) wurde der Film geehrt. Alexander Costea gewann für „Die Maßnahme“ den Preis für das beste Drehbuch, Elena Winterer den Preis für den besten mittellangen Film („Route B96“) und Daniel Rübesam den Preis für den besten Kurzfilm („When Demons Die“).

Für ihre Darstellung der Rebecca in dem gleichnamigen ARD-„Tatort“ erhielt Gro Swantje Kohlhof die Trophäe als beste Nachwuchsdarstellerin. Schauspieler Merlin Rose wurde für seine bemerkenswerte Leistung in dem Drama „Aus der Haut“ bester Nachwuchsdarsteller.

Im Anschluss an die Verleihung wurde im Thalia noch bis weit nach Mitternacht gefeiert – vor allem natürlich die frisch gekürten Preisträgerinnen und Preisträger. Im kommenden Jahr feiert der Studio Hamburg Nachwuchspreis sein 20-jähriges Bestehen.