Hamburg

Schauspielhaus hat das erhoffte Comeback geschafft

Karin Beier, Intendantin des Hamburger Schauspielhauses

Karin Beier, Intendantin des Hamburger Schauspielhauses

Foto: dpa

Das Theater steht künstlerisch und in Sachen Publikumszuspruch so glänzend da wie lange nicht. „Unterwerfung“ läuft weiter.

Hamburg.  Das Schauspielhaus hat das erhoffte Comeback geschafft. Diese Erkenntnis hat sich herumgesprochen, sie ist spürbar in der Stadt. Nach Jahren, in denen das Haus in nahezu künstlerischer Bedeutungslosigkeit dahinvegetierte, geht man wieder hin. Entsprechend beglückt kann Intendantin Karin Beier auf ihre dritte und bislang erfolgreichste Spielzeit zurückblicken – und so frohgemut wie risikofreudig die nächste angehen. Rückenwind geben ihr mehrfach preisgekrönte Ensemblemitglieder, zwei Einladungen zum aktuellen Theatertreffen und hervorragende Zuschauerzahlen, wobei Edgar Selges Solo „Unterwerfung“ mit 100 Prozent Auslastung eine bemerkenswerte Spitze bildet. Auch in der kommenden Saison wird das Stück zu sehen sein.

Gut gelaunt präsentiert Geschäftsführer Peter Raddatz die Zahlen: 10.000 Zuschauer gewann das Haus in der laufenden Spielzeit dazu und erreichte damit eine Steigerung auf 230.000 Besucher. Damit einher geht eine um vier Prozent gesteigerte Auslastung von jetzt 74 Prozent im Großen Haus und von 81 Prozent im Malersaal. Auch das noch immer auf seine neue Spielstätte wartende Junge Schauspielhaus steht mit einer Auslastung von 90 Prozent glänzend da. Die Umsatzerlöse wurden um satte 40 Prozent gesteigert. Eine gute Nachricht, denn auch das Schauspielhaus unterliegt in der Zukunft Sparzwängen.

Der laufende Spielplan habe gut zur aktuellen gesellschaftlichen und politischen Lage gepasst. „Die Gesellschaft ist zur Zeit sehr politisiert, blickt auch anders auf ihre Stadttheater und ist dankbar, dass wir diese Themen auch auf der Bühne diskutieren“, sagte Karin Beier. Zu aktuellen Ängsten und Bedrohungsszenarien passt die von Karin Beier selbst inszenierte Eröffnungspremiere „Hysteria – Gespenster der Freiheit“ nach Motiven von Luis Buñuel.

Mit diesem Themenkomplex setzen sich auch die Theatermacher Monika Gintersdorfer und Knut Klaßen mit ihrem deutsch-ivorischen Team auseinander. Im Malersaal wird es unter dem Titel „Der Allmächtige Baumeister aller Welten“ um Verschwörungstheorien gehen. Und René Polleschs Kommentar zur Debatte trägt den Titel „Ich kann nicht mehr“.

Ein Wiedersehen gibt es mit den Hausregisseurinnen und -regisseuren Karin Henkel, Markus Bothe, Christoph Marthaler und Katie Mitchell. Henkel inszeniert „Eines langen Tages Reise in die Nacht“ von Eugene O’Neill über das Schlachtfeld Familie. Marthaler bringt Maxim Gorkis „Sommergäste/Ein Grenzfall“ über „verspießerte Kulturmenschen“ heraus und Markus Bothe inszeniert mit „Tausendundeine Nacht“ ein neues Kinderstück.

Katie Mitchell bringt im Malersaal „4.48 Psychose“ der britischen Dramatikerin Sarah Kane auf die Bühne. Ein neuer alter Bekannter ist Michael Thalheimer, der Heinrich von Kleists „Der zerbrochne Krug“ präsentieren wird. Die aus Tom-Stromberg-Zeiten vertraute Ingrid Lausund kehrt mit einer Uraufführung zurück. Und Herbert Fritsch lässt sich von Karl „Valentin“ zu einer komischen Oper inspirieren. Die erfolgreich gestartete Reihe „FAQ-Room“ wird fortgesetzt unter anderem mit Vorträgen von Peter Sloterdijk, Carolin Emcke und Slavoj Zizek. Karin Beier selbst wird Ayad Akhtars („Geächtet“) neues Stück „The Who and the What“ inszenieren.

Sehen lassen kann sich auch die Planung des Jungen Schauspielhauses. Hier dreht sich in der kommenden Saison alles um geheimnisvolle Naturwelten und -wandlungen. Leiter Klaus Schumacher selbst inszeniert „Lügen“ von Ad de Bont. Alexander Riemenschneider bringt das Erfolgsjugendbuch „Das hier ist kein Tagebuch“ von Erna Sassen heraus, und Barbara Bürk widmet sich Francis H. Burnettes „Der geheime Garten“.

Mit einigem Recht blicken die Macher am Schauspielhaus zuversichtlich in die Zukunft. Die Mischung aus klassischen Stoffen, Uraufführungen und Diskussionsrunden zu aktuellen Themen trifft auf das Interesse des Publikums. Und damit es künftig noch mehr Identifikationsmöglichkeiten für jüngere Theatergänger gibt, werden aktuell junge Schauspieler unter 30 gecastet.

Infos zur neuen Spielzeit am Deutschen Schauspielhaus unter www.schauspielhaus.de