Kultur

„Heinz bleibt Heinz“

Heimspiel im „Handschuh“: Die erste Honka-Lesung fand naturgemäß auf dem Hamburger Berg statt

Er habe „etwa 100 Sitzungen“ zu Recherchezwecken in der Kneipe Zum goldenen Handschuh abgehalten, sagt Heinz Strunk bei der ersten Honka-Lesung überhaupt. Natürlich findet die auf dem Hamburger Berg statt, wo in der Stamm- und Aufrisskneipe Fritz Honkas an diesem Abend geschlossene Gesellschaft ist: Nur Journalisten und Verlagsleute sind da.

Und die Tresenkräfte der alten Kneipe, deren Kaschemmigkeit über die Jahre nicht gelitten hat. Man kann sich sogar einbilden, dass das St. Pauli der 70er-Jahre, das St. Pauli des Frauenmörders Fritz Honka, in Zum goldenen Handschuh überlebt hat.

Dass mit den 100 Sitzungen ist übrigens nur halb ernst gemeint. Oder sagen wir so: Strunk, der lange etablierte Humorfachmann, will, dass die Leute lachen, wenn er über seine insgesamt fünfjährige Arbeit an seinem achten Buch spricht. Er habe sich beim Angang des Projekts gefragt, was auf der Gag-Ebene möglich sei, erzählt Strunk, der einen Anzug mit Einstecktuch trägt.

Auch Styler haben Zutritt am Hamburger Berg, wo heute eher keine Frauenkiller mehr „Verblendschnäpse“ bestellen, sondern die Mitglieder der Amüsiergesellschaft.

Er habe sich vorgenommen, in „Der goldene Handschuh“ keine Pointen selbst zu setzen, sondern die Komik über die Leute am Tresen und ihre Sprechweisen zu transportieren, sagt Strunk. Das wiederum scheint so gut zu funktionieren, dass Handschuh-Besitzer Jörn Nürnberg – der Sohn des Gründers – und sein Team beim Lese-abend stolz wie Bolle sind und dem Autor auf einem an den Kneipenwand angebrachten Plakat „viel Erfolg mit Deinem neuen Buch“ wünschen – „Heinz bleibt Heinz, wie er schreibt und singt“.

Das Milieu der Trinker trifft sich heute noch im Handschuh, bekräftigt Strunk; die seinen lakonischen Romanbeschreibungen des Elends innewohnende geheime Barmherzigkeit könnte bei den Lesungen schon mal verloren gehen: Der Strunk-Faktor ist der Lach-Faktor – durchaus auf Kosten Deklassierter. Ex-Rowohlt-Chef Alexander Fest, ganz Mann der feuilletonistischen Übertreibung, windet dem Künstler eine Lobgirlande: Strunk, so Fest, „fügt dem Verlag ein Buch hinzu, wie es noch nie eines gegeben hat“.