Benefiz-Edition

Giordano-Roman „Die Bertinis“ gibt es jetzt auch als Hörbuch

| Lesedauer: 3 Minuten
Hans-Juergen Fink
Ralph Giordano (1923–2014) veröffentlichte 1982 „Die Bertinis“

Ralph Giordano (1923–2014) veröffentlichte 1982 „Die Bertinis“

Foto: Jürgen Joost / HA

Erlös der Benefiz-Edition kommt Bertini-Preis für Zivilcourage zugute. Es lesen u. a. Burkhart Klaußner und Isabella Vértes-Schütter.

Hamburg.  Vor fast einem Jahr, am 10. Dezember 2014, ist der Hamburger Publizist und Schriftsteller Ralph Giordano in Köln im Alter von 91 Jahren gestorben. Jetzt hat der Bertini-Preis e. V., dessen Ehrenvorsitzender Ralph Giordano war, seine letzte Arbeit als Hörbuch veröffentlicht: eine Kurzfassung seines autobiografischen Romans „Die Bertinis“. Gelesen wird sie auf zwei CDs von einem hochkarätigen Schauspieler-Team mit Burkhart Klaußner, Isabella Vértes-Schütter, Anne Weber, Patrick Abozen und Erik Schäffler. Regie bei der Aufnahme führte der Hamburger Theatermacher, Autor und Lichtkünstler Michael Batz. Auf einer dritten CD ist Giordano selbst in einem NDR-Interview und mit seiner letzten Rede bei der Bertini-Preis-Verleihung zu hören.

Ralph Giordanos Idee folgend ist das Hörbuch zum Preis von 14,90 Euro eine Benefiz-Edition: Der Erlös aus dem Verkauf kommt dem Bertini-Preis e. V. zugute. Der Verein als breites Bündnis von Hamburger Organisationen, Institutionen und Personen, zu denen seit seiner Gründung 1997 auch das Hamburger Abendblatt gehört, trägt die jährliche Verleihung des Bertini-Preises. Ihn bekommen Hamburger Jugendliche, die sich im Sinn seines Mottos engagieren: „Hinschauen, wenn andere wegsehen, sich einmischen, wenn andere schweigen, erinnern, wenn andere vergessen, eingreifen, wenn andere sich wegdrehen, unbequem sein, wenn andere sich anpassen.“ Bis 2015 wurden 111 Gruppen und Einzelpersonen, insgesamt etwa 1600 junge Hamburgerinnen und Hamburger mit dem Preis ausgezeichnet.

Seinen Namen leitet der Bertini-Preis vom gleichnamigen Roman Giordanos her. Der Autor, der zuvor als Fernsehjournalist beim NDR und WDR arbeitete und für seine gesellschaftskritischen Reportagen bekannt war, veröffentlichte 1982 „Die Bertinis“, das Buch seines Lebens: Er schrieb, romanhaft leicht verfremdet, die Erlebnisse seiner Kinder- und Jugendzeit auf. Geboren 1923, wuchs Giordano mit seinen zwei Brüdern in Barmbek auf. Sein Vater war Pianist, seine Mutter Klavierlehrerin. Dass sie jüdische Wurzeln hatte, blieb lange Zeit fast ohne Bedeutung, bis es während der NS-Gewaltherrschaft lebensbedrohlich wurde.

Giordano beschreibt die Ausgrenzung, Verfolgung und Erniedrigung, die viele Hamburgerinnen und Hamburger in jener Zeit erlitten. Er zeigt, wie der mörderische Ungeist sich seinen Weg in den Alltag bahnt. Und spart die bitteren Tage der Folterung während zweier Gestapo-Verhöre nicht aus. Am Ende des Krieges, als die Deportation der Mutter schon angeordnet war, versteckt eine mutige Hamburgerin die Familie in einem Kellerloch in Alsterdorf. So hat sie knapp überlebt.

Mit den „Bertinis“ fand Ralph Giordano eine neue Berufung als einer der aktivsten Zeitzeugen der Republik, sein Werk ist ein umfangreiches Plädoyer für Mitmenschlichkeit und Zivilcourage und wider das Vergessen. Mit Büchern, unzähligen Artikeln und der Teilnahme an öffentlichen Debatten hat er sich unermüdlich eingemischt, laut und vernehmlich, gern auch mit unbequemer Meinung, oft bedroht, aber furchtlos.

In Hamburg unterstützte er die Idee des Pädagogen Michael Magunna, den „Bertini-Preis“ ins Leben zu rufen. Er war bei allen Jury-Sitzungen dabei und unterstrich in seinen Reden am Ende der Preisverleihungen, wie notwendig das nicht nachlassende Engagement gegen den Ungeist von rechts ist. Und wie wichtig das Eintreten für andere ist, die sich in Situationen der Bedrängnis befinden.

„Die Bertinis“ als Hörbuch Preis: 14,90 Euro,
zu beziehen über www.bertini-preis.de