Hamburg

Feurig gespieltes Familienmusical mit viel Rockmusik

„Oliver Twist“ erfolgreich im Harburger Theater uraufgeführt

Hamburg.  Das Schicksal des kleinen Jungen Oliver Twist ist nicht von Pappe. Die Mutter stirbt bei der Geburt im Armenhaus, der Vater ist verschollen, der Junge landet in den Fängen einer Straßengang, die ihn zum Stehlen und Lügen abrichten will. Auf den ersten Blick ist all das nicht zwingend kindgerecht. Und doch haben Musicaltausendsassa Christian Berg und sein musikalischer Kollaborateur Konstantin Wecker aus dem Klassiker von Charles Dickens ein zeitloses Familienmusical gestrickt, Titelzusatz „Tu doch, was dein Herz dir sagt!“. Zur Uraufführung im Harburger Theater fanden sich überwiegend Erwachsene ein.

„Irgendwie ist Oliver Twist doch auch ein Flüchtling“ lässt Christian Berg seinen Theaterdirektor Mr. Pubbeby sagen. Die Verlorenen, Vergessenen, Verwaisten sind es, für die die Macher Partei ergreifen. Am Schluss mit großen Lettern auf Plakaten: „Jeder hat ein Recht auf Heimat“. Jungen Theaterbesuchern ab acht Jahren die Schattenseiten der Welt darbringen – aber auch das Licht, so lautet der Tenor des Abends. Denn niemand ist von Geburt an schlecht, so heißt es. Ausstatterin Ulrike Engelbrecht lässt lebensecht die dunklen Gassen Londons Anfang des 19. Jahrhunderts auferstehen. Oliver Twist, hinreißend gespielt und gesungen von Carolin Waltsgott inmitten eines feurigen Ensembles, bleibt ohne Larmoyanz, selbst wenn es heißt: „Ich weiß nicht, wie es ist ein Kind zu sein.“

Immer wieder gibt es willkommene Brüche durch die rockige, E-Gitarren basierte Musik Konstantin Weckers, die einen starken Kontrast zum tragischen Geschehen liefern. In der Aussichtslosigkeit glimmt noch ein Funken Hoffnung. In Gestalt der anderen Waisenkinder, der Prostituierten mit Herz und in einem mildtätigen Edelmann. Dieser nachdenkliche Stoff ist die logische Weiterentwicklung des sonst so von Leichtigkeit umgebenen Duos Berg/Wecker.

„Oliver Twist. Tu doch, was Dein Herz Dir sagt!“, Vorstellungen bis 4.10., Harburger Theater, Museumsplatz 2, Hamburg-Harburg, Karten zu 17 bis 21 Euro unter T. 33 39 50 60; www.harburger-theater.de