Hamburg

Er ist der erste Verkäufer der Elbphilharmonie

Stiftungs-Geschäftsführer
Dominik Winterling, Jahrgang 1979, im Foyer des Brahms-Kontors

Stiftungs-Geschäftsführer Dominik Winterling, Jahrgang 1979, im Foyer des Brahms-Kontors

Foto: Marcelo Hernandez

Dominik Winterling soll als Geschäftsführer der Stiftung in allen Einkommensklassen nach Gönnern, Sponsoren und Mäzenen fahnden.

Hamburg. Bei der Frage, wie viel man der Stiftung Elbphilharmonie überweisen muss, um einen Platz im Eröffnungskonzert am 11. Januar 2017 sicher zu haben, muss Dominik Winterling dann doch kurz lachen. Winterling ist seit dem 1. Februar auf seinem Chef-Posten und neu hier, aber so viel hat er offenbar schon mitbekommen von der Stimmung in der Stadt. Man wartet und zählt inzwischen nur noch Monate, nicht mehr die Jahre. „Es darf nicht passieren, dass das ein abgeschotteter, elitärer Zirkel ist, der dann die Eröffnung feiert.“ Nur zum Vergleich: Bei der kürzlich eröffneten Pariser Philharmonie wurden Hunderte Karten zu sehr zivilen Preisen frei verkauft.

Von Haus aus ist der Niederbayer Winterling, der beim Musikfestival „Heidelberger Frühling“ für Marketing, Finanzen und zuletzt für die Programmplanung verantwortlich war, doppelt vorbelastet. Ehemaliger Regensburger Domspatz, ausgebildeter Konzertpianist (sein Instrument hat Winterling nach Hamburg mitgebracht, die Zeit zum Üben sucht er noch). Doch er ist ebenso Betriebswirt mit einem Abschluss aus Paris, kann also auch rechnen und nicht nur spielen. Die erste Hafenrundfahrt hat Winterling im Oktober absolviert, bei seinem ersten Baustellen-Besuch, das erste Fischbrötchen ist noch fällig. Bis Januar 2017 sollte das zu schaffen sein.

Winterlings Job ist im Grunde genommen schnell erklärt: Er ist für die Elbphilharmonie der freundliche Mann mit dem geräumigen Klingelbeutel, und das gleich in doppelter Funktion. Einerseits soll er als deren Geschäftsführer dafür sorgen, dass sich das Kapital der Stiftung Elbphilharmonie nicht nur durch Zinsen vermehrt, sondern auch durch frische Bareingänge, um damit künstlerische Projekte zu fördern. Momentan beträgt das Stiftungskapitel rund 20,5 Millionen Euro (inklusive drei Millionen Euro in „ZukunftsMusik“-Fonds der Körber-Stiftung). Das klingt zunächst nach entspannend viel, war aber angesichts dauerniedriger Zinsen und Dividenden schon mal lukrativer. „Einigermaßen interessante Erträge zu erzielen ist im Moment nicht ganz so einfach,“ sagt Winterling, „aber durchaus möglich.“ In der nächsten Saison gehen diese Erlöse vor allem in die Gastorchester-Reihe „Nordic Concerts“ und die zweite Ausgabe des „Internationalen Musikfests“.

Andererseits soll Winterling als Development-Beauftragter in so vielen Einkommensklassen wie nur möglich nach Gönnern, Sponsoren und Mäzenen fahnden. Neue Einnahmequellen zum Sprudeln bringen. Je mehr Stellen vor dem Komma, desto besser, klar. Aber auch kleine Summen summieren sich. „Was ich den ersten zwei Monaten erlebt habe: Es gibt eine große Bereitschaft, das Projekt vor allem inhaltlich mitzutragen – und auch, am Schluss die Unterschrift auf einen Scheck zu setzen. Es würde mich auch wundern, wenn wir das in den nächsten Monaten nicht einlösen könnten.“ Wer sich mit seinem Namen sichtbar verewigen möchte, kann das gern machen. Es gibt eine Preisliste: Foyertreppenstufen-Pate wird man für 10.000 Euro, bei einer Plaza-Säule ist man mit dem Fünffachen dabei, beides für jeweils zehn Jahre. Momentan laufen Abstimmungsgespräche mit den Architekten, wie sich diese Dinge ins Gesamtdesign einpassen lassen. Doch gegen den in etlichen Krisenphasen verfestigten schlechten Eindruck des Projekts Elbphilharmonie helfe nur eines, betont Winterling: „Wir müssen uns mit der Stiftung so eng wie möglich an die Inhalte andocken.“

Heikel und noch ungeklärt ist die Frage, wie viel die Stiftung zu den Spielbetriebskosten des neuen Konzerthauses beitragen kann oder eher: soll. In einer längst von der Wirklichkeit überholten Senatsdrucksache aus dem Jahr 2006 war von 800.000 Euro die Rede – was mehr als doppelt so viel wie die reinen Kapitalerlöse der Stiftung aus der Saison 2014/15 wären, die lagen bei 385.000 Euro. Insgesamt standen ihr in diesem Zeitraum rund 1,53 Millionen Euro Spiel-Geld zur Verfügung.

Für Winterling ist unabdingbar, dass die Stiftung als Kunst-Vermittler und –Ermöglicher aktiv wird. „Es ist nicht Stiftungsaufgabe, dafür zu sorgen, dass die Gebäudereinigung der Elbphilharmonie finanziert wird.“ Auch die Frage, was aus der Laeiszhalle wird, wenn alle Welt staunend den spektakulären Neubau bewundert und Sponsoren zur Unterschrift lockt, treibt ihn um. Für Mäzene, die mit ihr womöglich langjährige Erinnerungen verbindet, sei die Laeiszhalle aber weiterhin eine gute erste Geldanlage-
Adresse. „Natürlich möchte man diesen Saal weiter voranbringen und nicht neben der Elbphilharmonie links liegen lassen.“

In den letzten Jahren hielt sich die Stiftung verständlicherweise damit zurück, angesichts von Preisexplosionen und Baustopp für eine Bitte um Unterstützung mit privatem Geld aus dem Fenster zu lehnen. Mittelprächtige Ideen zur Geldbeschaffung bietet die Stiftungsgeschichte einige: Sonderbare Schneekugeln waren dabei oder Rabatte beim nächsten Flügelkauf, die ebenfalls niemanden interessierten. Für die nächste Spielzeit, in der die Stiftung zehnten Geburtstag feiert, sei eine neue Werbekampagne geplant, ein Kampagnenplan bis zur Eröffnung und darüber hinaus schwebe ihm vor, sagt Winterling. Auch beim Education-Angebot zur Kundenbindung durch Wissensvermittlung habe man noch viel mehr geplant, als derzeit passiert. Und überhaupt: „Wir wollen jetzt nur noch die guten Ideen umsetzen.“